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Krefeld
Großfeuer: Axa-Versicherung verklagt Stadt

Krefeld: Großfeuer: Axa-Versicherung verklagt Stadt
Der Großbrand bei Holz Roeren am 9. Juli 2012 ist noch heute Anlass für gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Axa-Versicherung. FOTO: TL/bkö
Krefeld. Der Großbrand bei Holz Roeren liegt jetzt schon fast sechs Jahre zurück. Die Krefelder Unternehmerfamilie hat ihre Geschäfte im neuen Betrieb schon längst wieder aufgenommen. Dennoch hallen die Ereignisse vom Juli 2012 noch nach. Die Axa-Versicherung hat die Stadt Krefeld auf Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 9,5 Millionen Euro verklagt. Das Verfahren vor dem Landgericht dauert an. Von Norbert Stirken

Der Brand bei Holz Roeren vor knapp sechs Jahren war der wohl größte nach dem Zweiten Weltkrieg in Krefeld. Die Löscharbeiten waren das Meisterstück für die Einsatzkräfte bei der Feuerwehr und den anderen Helfern, die ihre Leistungsfähigkeit nachdrücklich unter Beweis stellen konnten. Trotz aller Widrigkeiten. Noch am Abend des 9. Juli 2012 wurde deutlich, dass zumindest ein Hydrant nicht ordnungsgemäß funktionierte und für die Löschwasserversorgung nicht zur Verfügung stand. Im Nachgang zu dem Einsatz thematisierten Politik und Verwaltung die Zuständigkeit für die Wartung von Hydranten im öffentlichen Raum. Angeblich war die Firma Roeren für die Instandhaltung der Installation verantwortlich, obwohl er auf einem städtischen Grundstück liegt.

Diese Rechtsauffassung erzeugte schnell Widerspruch. Auch die Juristen der Axa-Versicherung, bei der Holz Roeren sich gegen Schadensfälle abgesichert hatte, vertreten eine andere Auffassung. Schon früh war die Angelegenheit beim Landgericht Krefeld anhängig. Beide Seiten einigten sich auf ein Beweissicherungsverfahren. Das war im Oktober 2012.

Gespräche über eine außergerichtliche Einigung kamen nicht voran. "Es ist richtig, dass wir die Stadt Krefeld auf Schadensersatz verklagt haben, da unsere Bemühungen, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, bislang erfolglos waren. Wir haben uns zur Klageerhebung entschlossen, weil unserer Einschätzung nach die Stadt dafür verantwortlich ist, dass sich die Löscharbeiten der Feuerwehr bei dem Brand auf dem Gelände unserer Versicherungsnehmerin durch Löschwassermangel massiv verzögert haben. Dadurch hat sich das Schadenausmaß erheblich erhöht. Da seinerzeit keine außergerichtliche Einigung mit der Stadt Krefeld möglich war, mussten wir mit Rücksicht auf drohende Verjährung Ende 2015 Klage erheben",erklärte Sabine Friedrich, Sprecherin der Axa-Versicherung für Schadens- und Unfallfälle, auf Anfrage unserer Redaktion.

Der Stein des Anstoßes: Der im Juli 2012 nicht funktionierende Hydrant. FOTO: Lammertz Thomas

Der Fall im Zivilverfahren sei bei der Staatshaftungskammer des Landgerichts Krefeld unter dem Aktenzeichen 2O23/16 anhängig, berichtete dessen Sprecher Nils Radtke. Man befinde sich noch in der Beweisaufnahme. Es seien bereits Zeugen vernommen worden. Aktuell stehe der Auftrag an einen Brandsachverständigen bevor, ein Gutachten zu erstellen. Welcher Komplex unter welchem Blickwinkel genau untersucht werden soll, ist noch unklar. "Der Beweisbeschluss ist noch nicht gefasst worden", sagte Radtke. Der Streitpunkt des Verfahrens drehe sich um das Thema Löschwasserversorgung, wobei der fehlerhafte Hydrant einen Aspekt ausmache, informierte der Gerichtssprecher. Der Streitwert betrage 9,5 Millionen Euro.

Im Gegensatz zu den unterirdischen Hydranten seien für die oberirdischen nicht die Stadtwerke, sondern die Firmen zuständig, sagte Stadtdirektorin Beate Zielke am 12. Juli 2012. Ob die Stadt ihre eigenen Hydranten gewartet hat, konnte die Dezernentin seinerzeit nicht sagen. Der damals noch stellvertretende Feuerwehrchef Dietmar Meißner bestätigte am 12. Juli 2012, dass die auf "der Stichstraße liegenden Unterflurhydranten ebenfalls zu wenig Wasser gegeben haben, so dass die Feuerwehr schnell Wasser von weiter entfernten Stellen an die Mevissenstraße transportierte". 800 Feuerwehrmänner seien im Einsatz gewesen.

Quelle: RP
 
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