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Landtagskandidaten der Krefelder CDU
"Ich geh auf den Platz, um zu gewinnen"

Landtagskandidaten der Krefelder CDU: "Ich geh auf den Platz, um zu gewinnen"
Die CDU-Landtagskandidaten versammelt: Marc Blondin, Britta Oellers, Michael Zecha, Peter Kaiser und Dirk Louy. FOTO: Lammertz, Thomas
Krefeld. Erstmals haben sich die fünf CDU-Kandidaten für die Landtagskandidatur der CDU-Basis präsentiert. Auch ohne direkten Kampf und persönliche Angriffe war es ein aufschlussreicher Abend im Nordbahnhof. Von Jens Voss

Am Ende haben alle etwas von sich preisgegeben; es gab Überraschungen, kluge Schachzüge - und eine Wasserstandsmeldung von der Basis: Alle fünf CDU-Politiker, die sich bei ihrer Partei darum bewerben, als Landtagskandidat nominiert zu werden, waren sich darin einig, dass man mit den NRW-Grünen nicht koalieren kann: Betonpolitik, Ideologie, Regulierungswut - solche Begriffe fielen. Koalition mit der FDP oder große Koalition - das waren die als realistisch empfundenen Machtperspektiven.

Zugleich wurde klar, was die CDU dringend braucht: Mut. Es war CDU-Ratsherr Michael Zecha, der fast allergisch auf die Frage nach Koalitionspartnern reagierte - so berechtigt sie ist, so sehr gibt sie die Wahl auch ein bisschen verloren. Zecha hielt dagegen: "Ich gehe auf den Platz, um zu gewinnen." NRW sei im Bundesvergleich "ganz unten", belegbar durch Daten aus Wirtschaft und Infrastruktur, und so betonte er die Chance, Rot-Grün abzulösen: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Die Junge Union hatte die fünf Kandidaten aus den Wahlkreisen 47 (mit Tönisvorst) und 48 zur Vorstellung in den Nordbahnhof geladen. Eine Bilanz.

Wahlkreis 47

Peter Kaiser Für den 50-Jährigen Krefelder ist die Bewerbung ein Comeback-Versuch; er räumte ein, dass man ihm vor einiger Zeit bedeutet habe, sich zurückzuziehen. Nach der verlorenen Oberbürgermeisterwahl aber habe man ihn vielfach ermutigt, auf die politische Bühne zurückzukehren. Das Pfund, mit dem er wuchert, ist Erfahrung: Als heute noch gut vernetzter Ex-Landtagsabgeordneter könne er im Landtag sofort anfangen, für Krefeld Politik zu machen. Jeder Neuling brauche ein bis zwei Jahre Einarbeitung - verlorene Zeit für Krefeld, so der Tenor. Kaisers Rückhalt in der Partei ist schwer abzuschätzen; die Spitze hat sich für Britta Oellers ausgesprochen.

Dirk Louy Der 40-jährige Tönisvorster gehörte zu den Überraschungen des Abends. Als Nicht-Krefelder ist er Außenseiter, hat aber einen überaus interessanten Lebenslauf. Er hat sich vom Realschulabschluss bis zur Promotion hochgeackert und ist jetzt Umwelt-Referent in der CDU-Landtagsfraktion; er betonte, Umweltpolitik sei heute "knallharte Standortpolitik", und ließ keinen Zweifel, dass er grüne Umweltpolitik für wirtschafts- und standortfeindlich hält. Klug thematisiert er sein Handicap, als Tönisvorster in Krefeld anzutreten: Als Nicht-Krefelder könne er die Dinge unvoreingenommen betrachten. Eine unbefangene, darin: fruchtbare Sicht auf Krefeld - das war sein Versprechen, mit dem er aus der Not, ein Neuling zu sein, eine Tugend zu machen versuchte. Es wäre ein Fehler, ihn vorschnell abzuschreiben.

Britta Oellers Die Fischelnerin hatte ein funkelndes Argument zu ihren Gunsten: Krefeld kann man ohne Fischeln nicht gewinnen. Und so konzentrierte sie sich stark auf ihre Vernetzung in Fischeln. Dies und die 17-jährige Erfahrung im Rat warf die 42-jährige Mutter eines Sohnes in die Waagschale, ebenso wie ihre politischen Schwerpunkte Jugend und Soziales als weiche, gleichwohl wichtige Standortthemen. Tenor: Wer Krefeld stärken will, muss Kitas und Schulen stärken. Zum Schluss setzte sie einen frauenpolitischen Akzent: "Frauenpower - denken Sie dran", rief sie den Zuhörern zu. Oellers wirkte, obwohl die Empfehlung der Parteiführung im Rücken, nervös, die Frauenpower-Bemerkung war etwas verkrampft. Sie muss noch Tritt fassen in dieser Auseinandersetzung.

Wahlkreis 48

Marc Blondin Der 44 Jahre alte Parteichef der Krefelder CDU arbeitete eine ganze Reihe landespolitischer Stichpunkte ab, bevor er die prägendsten Worte sagte, nämlich "dass ich als Parteivorsitzender Anspruch erhebe auf diese Kandidatur". Damit nahm er an, was seit der kleinen Ruckrede von Wilfrid Fabel auf dem letzten Kreisparteitag (wir berichteten) klar ist: Mit der Kandidatur steht und fällt auch Blondins Parteivorsitz. Blondin tat dies souverän, er wirkte nicht gehetzt, verwies auf die Themen, mit denen die CDU Rot-Grün jagen will - Wirtschaft, Innere Sicherheit, Regulierungswut -, und betonte, dass er gut in Stadt und Region vernetzt sei. Ohne solche Kontakte seien viele Probleme im Land nicht zu lösen. Gesamteindruck: Blondin hat Tritt gefasst. Er weiß, dass er unter Druck steht, und stellt sich dem.

Michael Zecha Er hat noch nicht viel Erfahrung als Politiker, aber viel Erfahrung in Abläufen, die auch in der Politik gelten: "Ich habe 20 Jahre Erfahrung in der Wahrnehmung von Interessen. Ich weiß, wie Wirtschaft funktioniert, wie Unternehmer ticken und wie Investitionsentscheidungen fallen." Zecha - 49 Jahre alt, Unternehmensanwalt, Vater von zwei Kindern - präsentierte sich als Mann der Praxis, der es gewohnt ist, strukturiert und effizient zu handeln. Dass er auch mit Menschen kann, hat er als Karnevalsprinz gezeigt.

Die CDU-Nominierungsparteitage sind am 28. Juni (Wahlkreis 47) und am 29. Juni (Wahlkreis 48). Die Landtagswahl ist am 14. Mai 2017.

Quelle: RP
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