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Prostitution
Krefelds Anwohnern reicht es mit dem Straßenstrich

Neue Ritterstraße: Der Straßenstrich in Krefeld bei Tag
Neue Ritterstraße: Der Straßenstrich in Krefeld bei Tag FOTO: Bastian Königs
Im Krefelder Stadtteil Dießem ist Prostitution erlaubt – zumindest in einem bestimmten Bereich, zeitweise. Doch laut den Anwohnern verlagert sich der Straßenstrich immer mehr ins Wohngebiet. Die Stadt erwägt ein vollständiges Verbot. Von Bianca Treffer, Krefeld

Die Straßenprostitution im Bereich der Ritterstraße sowie der Neuen Ritterstraße in Krefeld lässt die Anwohner nicht zur Ruhe kommen. Das machte der Bürger-Informationsaustausch deutlich, zu dem die Stadt Krefeld für Mittwochabend eingeladen hatte. 

Georg Lieser, Leiter des Fachbereiches Ordnung, und zwei seiner Kollegen sahen sich einem Sturm von Argumenten gegenüber, die die Anwohner vorbrachten. Für sie sind die mit der Prostitution einhergehenden Zustände unhaltbar. Laut aktueller Regelung herrscht im Innenstadtbereich in Krefeld ein komplettes Verbot der Straßenprostitution, im Bereich der Ritterstraße ist Prostitution von 6 bis 22 Uhr verboten.

"Angsträume" rund um die Ritterstraße

Im Jahr 2013 reichte die Stadt Krefeld bereits einen Antrag bei der Bezirksregierung ein, um für die Ritterstraße eine entsprechende Verordnung für einen Sperrbezirk zu erwirken, wie er auch in der Innenstadt gilt. Diesem Antrag wurde aber nicht stattgegeben, es gab nur das temporäre Verbot. Jetzt will die Stadt erneut versuchen, bei der Bezirksregierung ein vollständiges Verbot der Straßenprostitution rund um die Ritterstraße zu erwirken, das rund um die Uhr gelten soll. Zahlreiche Argumente dafür lieferten die Anwohner bei der Bürgerveranstaltung.

Denn die wollen die Prostitution ihrem Viertel nicht länger hinnehmen. Stadt und Politik warfen sie vor, sich nicht genügend für ein Verbot einzusetzen. Es kam unter anderem der Vorschlag, eine gemeinsame Demonstration zu organisieren, um zu veranschaulichen, wie dringend ein Sperrbezirk gewünscht ist.

Mehrere Anwohner sprachen von "Angsträumen" rund um die Ritterstraße, die mittlerweile entstanden seien. Man traue sich am Abend nicht mehr alleine aus dem Haus, Kinder und Jugendliche würden für Kurzstrecken von ihren Eltern abgeholt und Frauen würden sich mit dem Taxi nach Hause bringen lassen, weil Prostituierte, Zuhälter und Freier unterwegs wären.

Nicht nur nachts, auch tagsüber würden bestimmte Straßen gemieden. "Wir laufen mit unserem Kind Umwege, um nicht über die Ritterstraße gehen zu müssen", sagte eine besorgte Mutter. Sie sprach von "Kindeswohlgefährdung" und wies darauf hin, dass sich rund um die Straße auch Kitas und kulturelle Einrichtungen befinden. Auf dem Wege dorthin würde man mit der Prostitution und deren Folgen konfrontiert. Benutzte Kondome und Mengen von Feuchttüchern auf den Straßen, dem dortigen Spielplatz und sogar im eigenen Garten seien Zustände, die die Anwohner nicht länger hinnehmen wollen.

Sex in Garagenhöfen, Parkbuchten, unter Fenstern

Andere Anwohner sprachen die Lärmbelästigung an, die durch lautstarke Gespräche der Prostituierten und die Fahrzeuge der Freier entstehe. In den Grünzügen fänden nicht nur sexuelle Handlungen statt, sondern die Frauen verrichteten dort auch ihre Notdurft. Der Sex passiere in Garagenhöfen, Parkbuchten und unter Fenstern von Anwohnern. Zunehmend finde die Prostitution nicht mehr nur im dafür freigegebenen Gebiet statt. Außerdem sagten die Anwohner, dass sich nicht an die vorgegebenen Zeiten gehalten werde. "Sie treffen die Prostituierten und Zuhälter sogar tagsüber bei Aldi an, wo sie sich für Absprachen treffen", sagte ein älterer Herr.

Ordnungsamtschef Lieser stellte klar, dass Prostitution eine Berufsfreiheit gewährt sei. Damit sei auch Straßenprostitution erlaubt. Die Anwesenheit der betreffenden Personengruppen und auch die Absprachen zwischen Zuhältern und Prostituierten könnten deshalb nicht sanktioniert werden. Lediglich sei die Ausübung des Gewerbes zeitlich beschränkt. Lieser will jetzt einen neuen Vorstoß unternehmen, einen zeitlich unbeschränkten Sperrbezirk an der Ritterstraße zu erwirken.

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