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Krefeld
"LiedGut": Drei Männer glänzen mit Brahms' schöner Magelone

Krefeld. Eine neue Reihe von Lieder-Abenden hat Michael Preiser, bewährter Pianist und Dirigent am Theater Krefeld Mönchengladbach unter dem Titel "LiedGut" ins Leben gerufen. Jetzt starteten er, Johannes Schwärsky (Bariton) und Intendant Michael Grosse (Rezitation) mit dem großen Zyklus "Die schöne Magelone", op. 33 von Johannes Brahms, und in bereits erprobter Manier fanden nicht nur die Aufführenden, sondern auch das Publikum auf der großen Bühne im Theater Platz. Von Mojo Mendiola

Das aus 15 "Romanzen" bestehende Werk wird - so erläuterte Preiser - erst zur Gänze verständlich, wenn zwischen den Liedern die dazugehörige Geschichte erzählt wird, denn sie erschließt sich nicht aus den Liedtexten allein. Da war es gut, dass Grosse mit auf der Bühne stand, denn er wurde der Rolle des Erzählers wunderbar gerecht, hielt sich einerseits hinter der musikalischen Darbietung zurück, setzte dabei aber durchaus zusätzliche Akzente durch die Kraft seines Vortrags.

Ein anderer Sprechpart war Johannes Schwärsky zugedacht. Weil die Geschichte vom strahlenden jungen Prinzen, der in die Welt hinauszieht, die Braut seiner Träume findet, mit ihr aus dem Reich ihres Vaters flieht, unterwegs aber von ihr getrennt und erst nach Jahren wieder mit ihr vereint wird, in zahllosen Abwandlungen existiert, unter anderem auch in modernen Filmdrehbüchern, las Schwärsky Szenenbeschreibungen aus bekannten Spielfilmen, löste seine Aufgabe aber nicht so glücklich.

Singen und sprechen sind zweierlei. Schwärsky sprach viel zu schnell und unakzentuiert. Wenn aber Preiser ihm vom Flügel aus das Tempo vorgab und Schwärsky sang, dann war sein Auftritt ein Genuss. Textorientiert und textverständlich phrasierte er Zeile um Zeile, manchmal Silbe um Silbe mit aller Hingabe, die das romantische Opus verlangte. Auch Preiser am Klavier war weit mehr als ein Begleiter, vielmehr ein starker Gestalter neben Schwärsky und Grosse.

Die Texte des großen Ludwig Tieck und die dazu komponierte Musik von Johannes Brahms klingen zwar nicht so volksnah wie etwa die Lieder der "Winterreise", doch an Innigkeit ließen es die drei Interpreten dennoch nicht mangeln. Besonders gut gelangen die vier Lieder von "Wir müssen uns trennen, geliebtes Saitenspiel" bis "Verzweiflung", und das Publikum zollte begeistert Applaus.

Weitere LiedGut-Abende gibt es im nächsten Jahr: 22. Februar (Weinberg und Schostakowitsch), 26. März (Amerikanische Lieder des 20. Jahrhunderts) und 22. Juni (Abend der Stipendiaten des Opernstudios). Kartentel. 02151 805125.

Quelle: RP
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