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Kr Wie Krefeld
Meerbusch und die Flächen Krefelds

Krefeld. Es gab unlängst eine sehr interessante Meldung des Statistischen Landesamtes, die man eigentlich in jeder Diskussion über Naturschutz, Flächen- und Wirtschaftsentwicklung parat haben sollte. Es geht um die Entwicklung der Flächen Krefelds. Das spektakulärste Detail betraf den Wald - seit 2006 ist seine Fläche um 11,5 Prozent gewachsen und liegt bei 1327 Hektar, was 9,6 Prozent der Gesamtfläche der Stadt ausmacht. Die landwirtschaftliche Fläche hat im gleichen Zeitraum zwar sechs Prozent eingebüßt, macht aber mit 31 Prozent fast ein Drittel der Gesamtfläche Krefelds aus. Betriebsflächen hingegen sind seit 2006 zwar um 88 Prozent gewachsen, machen aber nur 296 Hektar oder 2,1 Prozent der städtischen Fläche aus.

Diese Zahlen verblüffen, wenn man sich die öffentlichen Debatten vor Augen führt. Sie werden meist als Verlust- und Verteidigungsdebatten geführt. Unwillkürlich entsteht der Eindruck, als mache sich überall Industrie und Gewerbe breit. Der Verlust an landwirtschaftlichen Flächen ist so auch ein zentrales Argument in der Debatte um das Interkommunale Gewerbegebiet an der A 44. Nur: Die nackten Zahlen geben keinen Stoff für Angstszenarien her. Der Anstieg an Betriebsflächen um 88 Prozent ist eher ein Indikator für Versäumnisse: Die Stadt definiert bislang nur 2,1 Prozent ihres Gebietes als Fläche, wo Menschen Lohn und Brot finden. Der Umfang der Erholungsflächen ist mit 8,8 Prozent deutlich größer. Sarkastisch zugespitzt: Den Flächen nach ist uns Erholung wichtiger als Arbeit - auch um den Preis, dass es die Arbeit, von der wir uns erholen sollen, gar nicht gibt. Und das in einer Stadt, die mit hoher Arbeitslosigkeit geschlagen ist.

Die Relationen zeigen: Mehr Sachlichkeit ist angebracht. Beim Gewerbegebiet an der A 44 jedenfalls ist der Verlust an landwirtschaftlicher Fläche das schwächste Gegenargument. Landwirtschaft als Lebensgrundlage ja - aber dem trägt der Umstand Rechnung, dass fast ein Drittel Krefelds dafür reserviert ist.

2,1 Prozent für Betriebe, Arbeit, Lohn und Brot wiederum bilden kein Ruhmesblatt für ein Gemeinwesen. Ein paar Prozentpunkte Land schaffen Tausende Arbeitsplätze. Darauf zu verzichten ist auch sträflich. Wir tun es bislang.

Quelle: RP
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