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Krefeld
Meyer beschwört Aufbruch für Krefeld

Krefeld. Bei seinem ersten Neujahrsempfang als Oberbürgermeister zeichnete Frank Meyer das Bild einer Stadt im Aufbruch. Der Empfang stand auch noch im Zeichen der Trauer um Ulrich Hahnen, der am Vortag beigesetzt worden war. Von Jens Voss

Was für ein Wechselbad der Gefühle: Noch standen gestern Abend beim Neujahrsempfang der Stadt viele Freunde und Weggefährten von Ulrich Hahnen spürbar unter dem Eindruck der Trauerfeier am Mittwoch, als der SPD-Politiker unter großer Anteilnahme beerdigt worden war. Was viele gerührt und beeindruckt hat, war die Art, wie Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Hahnen die letzte Ehre erwiesen hatte: Sie begab sich still in die Trauergemeinde, ergriff nicht das Wort, tat sich nicht hervor - kein Auftritt, nur Trauer um einen geschätzten Menschen.

Andererseits gehörte der Abend gestern im Stadtwaldhaus Frank Meyer - er hatte die Gelegenheit, mit vielen Menschen zu sprechen und dem Jahr sein Siegel einzuprägen: Es war die Stunde seiner Botschaft für Krefeld am Beginn des neuen Jahres und in der Anfangsphase seiner Amtsperiode.

Meyer ging auf beide Gemütsverfassungen ein. Erinnerte an die Beisetzung Hahnens, sagte, dass dessen Tod für ihn einen großen persönlichen Verlust bedeute, und skizzierte Hahnens Vermächtnis: Es sei richtig, sich für die Stadt zu streiten, es sei aber auch richtig, das Verbindende zum Wohle der Stadt nicht aus den Augen zu verlieren: "Ich finde, wir sollten diesen Weg weiter gemeinsam gehen."

Gemeinsamkeit und Dialog mit der Bürgerschaft waren Motive, die sich wie ein roter Faden durch Meyers Rede vor 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Religionsgemeinschaften, vor allem aber aus bürgerschaftlichen und karitativen Vereinen zogen. Der Empfang ist traditionell auch eine Verbeugung vor ehrenamtlichem Engagement - daher auch das Motto des Abends "Wir brauchen euch." Meyer kündigte an, ab März Bürgersprechstunden in den Stadtteilen zu veranstalten, als Zeichen der Wertschätzung und des Willens zum Dialog.

Meyer beschwor das Bild einer Stadt im Aufbruch und kündigte an, die Stimmung mit harter Arbeit und Taten aufzugreifen. Er verwies auf die laufenden Innenstadtprojekte und euphorisch auf die bevorstehende Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Museums: "Was für ein phantastisches Gebäude, was für ein toller Treffpunkt für Dialog und Begegnung." Man könne, sagte er mit Blick auf alle Projekte, "mit geradem Rücken darüber sprechen, was wir alles schaffen".

Mit Blick auf die Aufnahme von Flüchtlingen dankte Meyer unter Applaus den zuständigen Mitarbeitern der Verwaltung, die "jeden Tag bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus" arbeiteten. Und Meyer legte ein Bekenntnis zu Offenheit, Toleranz und dem Willen zur freundlichen Aufnahme der Neunankömmlinge ab. Mit Blick auf den Schock von Köln sagte er, er respektiere, dass viele Menschen Sorgen und Ängste hätten; zugleich warb er dafür, die Flüchtlinge weiter differenziert zu betrachten - und zwischen Straftätern und den vielen anderen deutlich zu unterscheiden. Er versprach, auch dann auf Kommunikation und Transparenz zu setzen, wenn es schwierig werde. "Lassen Sie uns nicht die Fehler der 70er Jahre wiederholen", rief er - als Menschen geholt und isoliert wurden, bis man sich über Integrationsprobleme wunderte. "Lassen Sie uns die Flüchtlinge von Anfang an aufnehmen"; sie seien auch eine Chance: "Krefeld wächst wieder, und eine wachsende Stadt hat Potenziale nach vorn." Zugleich malte Meyer keine Idylle: 2016 werde ein schwieriges Arbeitsjahr. Beim Blick in die Zukunft sorgte Meyer mit einem Zitat des britischen Fußballers Paul Gascoigne für Heiterkeit: "Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun." Gascoigne habe, sagte Meyer, nie begriffen, was er da gesagt habe. Bei aller Skepsis in Prophezeiungen sah Meyer aber genügend Anlass für Optimismus: "Diese Stadt hat das Zeug, über sich hinauszuwachsen." Zum Schluss wünschte er den Gästen ein gutes neues Jahr und Gottes Segen.

Quelle: RP
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