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Krefeld
Parcours-Sport: "Der Flow muss stimmen"

Krefeld: Parcours-Sport: "Der Flow muss stimmen"
Demonstration im Uerdinger Stadtpark: Während Dennis Gerritzen den Handstand absolviert, schlägt Minh Tang einen Salto: Kurz nach dem Absprung liegt fast schon der gesamte Körper quer. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der neue Trendsport, sich mit Laufen, Springen und Balancieren durch Stadt und Parks zu bewegen, hat enormen Zulauf. Marcel Nguyen, Minh Tang und Dennis Gerritzen vom SC Bayer Uerdingen erzählen und zeigen, was alles möglich ist. Von Linda Schumilas

Als der französische Film "Banlieu 13" im Jahr 2004 in die Kinos kam, wurde eine neue Form der Verfolgungsjagd populär. Der Actionheld nimmt die spektakuläre Verfolgung zu Fuß auf, springt an Wänden entlang, über Hindernisse hinweg und landet aus schwindelerregenden Höhen präzise auf beiden Beinen, um dann noch weiter und noch höher zu springen. Es waren neben diesem, auch Filme wie "Casino Royale", die den Parcours-Sport bekannt gemacht haben und überall auf der Welt viele Nachahmer gefunden haben.

Parcours-Sport hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer Trendsportart entwickelt. Das spürt auch der Verein SC Bayer 05 Uerdingen. "Im letzten Jahr sind über 60 neue Mitglieder dazu gekommen, mittlerweile haben wir 110 aktive Sportler, und unsere Kurse sind voll", sagt Dennis Gerritzen, Fitnessökonom beim Sportclub.

FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Auch in der Krefelder Innenstadt kann man solche beeindruckenden Sprünge und Saltos sehen, wenn die Parcours-Sportler von Bayer 05 Uerdingen zeigen, was sie können. Wenn sie nicht grade in der Halle trainieren, nutzen sie jede Gelegenheit, ihre Umgebung zu erkunden. Die beiden Bewegungsparcours im Stadtwald und Uerdinger Stadtpark, das Seidenweberhaus und die Tiefgarage der Mediothek sind dabei perfekte Plätze für den Parcours-Sportler Marcel Nguyen: "Beim Hallentraining bekommen wir die Sicherheit für unsere Sprünge, draußen können wir dann die Natur und unsere Umgebung erkunden."

Beim Parcours geht es darum, auf dem schnellsten und effizientesten Weg von A nach B zu gelangen und Hindernisse zu überwinden. Wichtig ist nicht, wie beim Turnen, jede einzelne Bewegung punktgenau auszuführen, sondern seinen eigenen Stil zu finden und die Umgebung mit in den Sport einzubinden. Den Sportlern geht es um Ästhetik, um fließende Bewegungen. "Der Flow muss stimmen", erklärt Nguyen.

FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Auch wenn der Sport gefährlich aussieht, sei das Verletzungsrisiko geringer als bei anderen Sportarten, erzählt Dennis Gerritzen. "Die Sportart ist konzentrierter. Jeder Sprung ist geplant und wird mit viel Konzentration vom Sportler ausgeführt; er ist sich darüber bewusst, was er kann." Außerdem sei ein großer Bestandteil des Trainings auch das Fallen-Lernen: "Die Sportler sollen wissen, was sie tun, wenn ein Sprung nicht funktioniert, um sich so schützen zu können."

Für Marcel Nguyen ist die Gemeinschaft der Grundstein für den Parcours-Sport. "Wir sind alle untereinander Freunde". Er möchte dadurch so viel wie möglich von der Welt sehen: Regelmäßig fährt er mit Freunden nach Holland und trifft sich dort mit anderen Parcours-Begeisterten aus der ganzen Welt. "Kontakt zu Parcours-Sportlern in anderen Ländern bekomme ich über Facebook; man tauscht sich aus und trifft sich, um gemeinsam die Stadt zu erkunden. In Düsseldorf habe ich zwei Australier kennengelernt. Wir haben zusammen trainiert, und nun habe ich über sie die Möglichkeit, nach Australien zu reisen".

Es ist die Vielfältigkeit, die den Sportler so begeistert. "Jeder Parcoursläufer hat seinen eigenen Stil, es gibt immer etwas neues zu entdecken, und man lernt Städte auf eine ganz andere Art kennen.". Ein Hindernis, um mit dem Parcours-Sport anzufangen, gibt es nicht. "Motivation - mehr braucht man nicht", sagt Nguyen. Er selbst sei, bevor er vor fünf Jahren mit dem Sport angefangen hat, eher unsportlich gewesen. "Ich habe mir alles selber beigebracht. Wenn ich einen Sprung in einem Video sehe, denke ich mir: Keine Ahnung wie das geht, aber ich probiere es einfach mal. Dabei gibt es nichts, was nicht als Trainingsgegenstand verwendet werden könnte, wie Nguyen mit anderen Parcours-Sportlern eindrucksvoll in einem Video durch Krefeld zeigt: Sie vollführen beeindruckende Sprünge vor dem Seidenweberhaus, machen Saltos an der Fitnessanlage am Stadtwald und laufen scheinbar die Wände hoch. Bäume, Straßenschilder und Zäune werden so zu individuellen Trainingsgeräten umfunktioniert.

Am 3. und 4. Juni sind die Parcours-Sportler wieder bei "Kultur findet Stadt(t)" in der Krefelder Innenstadt zu sehen. "Wir wollen die Hochstraße in Bewegung bringen", sagt Dennis Gerritzen.

Quelle: RP
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