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Köpa Krefeld im Defizit
Pinguin-Pleiten sind teuer für den Steuerzahler

Köpa Krefeld im Defizit: Pinguin-Pleiten sind teuer für den Steuerzahler
Der Köpa heißt immer noch Köpa, obwohl der Namensgeber seinen Vertrag nicht verlängert hat und die entsprechende Einnahme dafür fehlt. FOTO: TL
Krefeld. Paul Keusch, Geschäftsführer der Seidenweberhaus GmbH, legt den Lagebericht 2015 vor: Fürs Geschäftsjahr weist die Bilanz ein Defizit von drei Millionen Euro aus - trotz verbesserter Rahmenbedingungen. Von Norbert Stirken

Es hätte alles so schön sein können: Die Seidenweberhaus GmbH hat einen neuen, günstigeren Pachtvertrag mit der Krefelder Bau GmbH über die Nutzung des Königpalasts (Köpa) geschlossen, die Stadtwerke räumen günstigere Konditionen beim Strom ein, internationale Stars wie ZZ Top und Status Quo machen Station, und dennoch steht für das zurückliegende Geschäftsjahr 2015 ein Defizit von etwa drei Millionen Euro zu Buche.

Ursache sei, so Paul Keusch (Geschäftsführer der Seidenweberhaus GmbH als Betreiberin des Köpa) im Wesentlichen die sportliche Durststrecke der Krefeld Pinguine und der mit der Eishockey GmbH geschlossene neue Mietvertrag, der noch bis 30. Juni 2018 gilt. "Durch diesen Mietvertrag ist ein Einbruch bei den Umsatzerlösen zu konstatieren, dass uns so gut wie jegliche Vermarktungsmöglichkeiten im VIP-Bereich bei Eishockeyspielen genommen wurde", heißt es im Lagebericht 2015. Der Vertrag sieht die Zahlung einer Hallenmiete vor, die sich aus einem Festbetrag und einer Zuschauerbeteiligung zusammensetzt. Allerdings haben die Pinguine zuletzt nicht mehr die Play-off-Begegnungen zur Ermittlung des Deutschen Meisters erreichen können. "Die Zuschauerzahlen spiegeln den fehlenden sportlichen Erfolg der Pinguine wieder."

An dem Defizit für den Köpa werde sich auch in den kommenden Jahren kaum etwas ändern, informiert Keusch. In seiner Prognose geht er von jährlich 2,3 Millionen Euro für den Köpa aus, die die Stadt Krefeld als einzige Gesellschafterin der Seidenweberhaus GmbH aus Steuermittel zuschießen muss. Für das Seidenweberhaus am Theaterplatz kämen weitere 650.000 bis 680.000 Euro hinzu. In der Summe bliebe der jährliche Zuschussbedarf trotz besserer Rahmenbedingungen bei rund drei Millionen Euro.

Der Köpa mit seinen 9500 Plätzen hat nämlich durch die Kooperation mit dem Sparkassenpark Mönchengladbach als Veranstaltungsort an Renommee gewonnen. Konzerte wie die von Elton John und Deep Purple lenken den Blick von Veranstaltern nach Krefeld. Das macht sich offenbar in der Nachfrage bemerkbar. Die Seidenweberhaus GmbH profitiert gleich doppelt: Sie muss nicht als eigener Veranstalter tätig werden und geht deshalb auch kein unternehmerisches Risiko ein.

Einige Zahlen aus dem Geschäftsbericht: Die Pachtzahlungen an die Krefelder Bau GmbH fallen um 355.000 Euro geringer aus, weil der Verpächter die günstigen Zinsen am Geldmarkt zu Gunsten seines Pächters weitergegeben hat. Der verbesserte Energieliefervertrag mit den Stadtwerken Krefeld sorgt für eine Ersparnis von 320.000 Euro. Mehr Kosten verursachten unter anderem der neue Vertrag mit den Pinguinen (minus 305.000 Euro), der eigenen Veranstaltungen (minus 224.000 Euro) und der Rückzug der Brauerei König Pilsener als Namensgeber für die Multifunktionshalle (minus 240.000 Euro).

Im Seidenweberhaus sei hauptsächlich mit Kabarett und Comedy das Umsatzziel erreicht worden. Allerdings habe die geschäftsschädigende Drogenszene auf dem Theaterplatz dafür gesorgt, dass sich einige Veranstalter zurückgezogen haben, berichtete Keusch. Das Haus mit 1450 Plätzen sei stark renovierungsbedürftig. Die Politik diskutiert bekanntermaßen die Frage, ob das Seidenweberhaus generalsaniert oder abgerissen und neugebaut werden soll. Ohne Sanierung sei die Spielstätte nur noch drei Jahre lang zu nutzen, informierte der Geschäftsführer im Lagebericht.

Quelle: RP
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