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Krefeld
Platzoffensive im Bismarckviertel

Krefeld: Platzoffensive im Bismarckviertel
Carla Kaiser am Pferdchenbrunnen auf einem der neuen Sessel. Auf den Pferdchen haben Generationen von Kindern ihre ersten Reitversuche gemacht - bis heute fasziniert die Skulptur die Kleinen. FOTO: jevo
Krefeld. Bürgerschaftliches Engagement wird in der von Geldsorgen geplagten Stadt bei der Gestaltung und Pflege von Plätzen immer wichtiger. Beispiel Bismarckviertel: Nach dem Bismarckplatz nimmt sich die Bürgergemeinschaft Bismarckviertel auch des Von-Beckerath- und des Dürerplatzes an. Von Jens Voss

Obwohl der Kraftakt Bismarckplatz gerade vollendet ist, nimmt die Bürgergemeinschaft Bismarckviertel neue Ziele ins Visier. Der Dürerplatz soll umgestaltet werden, und beim Von-Beckerath-Platz bedarf es eines Neustartes. Die Anlage der Blumenwiese ist im ersten Anlauf gescheitert. "Da der Boden nicht richtig vorbereitet wurde, hatte die Blumenaussaat dort kaum Chancen zur Entfaltung", sagt Carla Kaiser, Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Bismarckviertel, im RP-Gespräch.

Hintergrund: Unter Federführung des Imkervereins sollte der Von-Beckerath-Platz zu einer Wildblumenwiese werden - gut für die Bienen und eine Lust für die Augen. Doch wie sich herausstellte, ist es versäumt worden, den Boden so aufzubereiten, dass die Wildblumen optimal gedeihen. "Im vergangenen Jahr war dort plötzlich Raps; wir haben ihn säckeweise ausmachen müssen. Wenn Raps ausblüht, haben Sie ein Jahr später nur noch Raps auf einer solchen Fläche", berichtet Kaiser. In diesem Jahr bietet die Wiese einen eher traurigen Anblick. "Die Wiese ist kaputt", sagt Kaiser unumwunden. Sie und ihr Verein planen nun einen Neustart: Mit Hilfe des Grünflächenamtes soll der Boden so aufbereitet werden, dass die Blumenmischung dort optimale Bedingungen findet. "Wir werden jedes Jahr die Saat für 500 Euro übernehmen", kündigt Kaiser für die Bürgergemeinschaft an. Vielleicht wird mit Hilfe von SWK und Volksbank auch ein Bewässerungssystem installiert; beide Unternehmen sind dazu im Gespräch.

Die Blumenwiese für den Von-Beckerath-Platz muss ganz neu grundiert werden. FOTO: Jens Voss

Projekt Nummer zwei ist der Dürerplatz, eigentlich ein schöner, großzügiger Kreisverkehr, doch zurzeit etwas gesichtslos, weil die Rosen im Zentrum des Platzes völlig verwildert sind. "Wir wollen die Rosen wegnehmen und drei neue Bäume pflanzen, damit sich das Baumrund schließt", sagt Kaiser. "Dann werden dort Hunderte Narzissen gepflanzt." Narzissen seien pflegeleicht; sind die Zwiebeln einmal im Boden, braucht man danach nicht mehr viel zu tun.

Pflege ist ein wichtiges Stichwort und hat bei der Konzeption des neuen Bismarckplatzes eine wichtige Rolle gespielt. Die Sessel zum Beispiel sind mit Bedacht gewählt worden: "Bänke verdrecken und vermoosen, wie das Beispiel Hohenzollernplatz zeigt: Da sitzt kein Mensch", sagt Kaiser. Deshalb Sessel, deren Sitz- und Rückenflächen aus runden Edelstahlstäben bestehen. "Die sind bequem, immer trocken und verschmutzen nicht", sagt Kaiser. Die Planer haben sogar darauf geachtet, dass die Armlehnen bis zu Rückenlehne durchgehen, damit sich Ältere beim Hinsetzen und Aufstehen abstützen können.

Der Dürerplatz - die verwilderten Rosen im Zentrum kommen weg; neue Bäume kommen hinzu. FOTO: Jens voss

Als Glücksgriff hat sich die Entscheidung erwiesen, einzelne Sessel zu setzen: "Ältere Leute können neben sich den Rollator platzieren; Rollstuhlfahrer können sich einreihen, und Mütter können ihren Kinderwagen neben sich platzieren und mit dem Kind reden und spielen", erläutert Kaiser - so werde der Platz zum lebendigen Treffpunkt, und zwar, so hofft sie, auch zum Treff der Generationen.

Im Ganzen hat sich das Konzept der Neugestaltung bestätigt: Sträucher und Hochbeet wurde beseitigt, die Mülleimer sind etwas abseits der Sitzplätze montiert und stören dort nicht, die Glascontainer im Boden versenkt: "Wir haben endlich eine Sichtachse und eine einheitliche Anmutung des Ganzen", sagt Kaiser. Noch etwas strubbelig sieht die niedrige Eibenhecke aus, die das Ganze säumt: Die Pflanzen müssen noch wachsen und werden dann eckig beschnitten; Pflanzen, die nicht angegangen sind und jetzt als braune Flecken im grünen Band auffallen, werden Ende Oktober durch neue ersetzt - früher hat es pflanztechnisch keinen Sinn.

Zur Belebung des Platzes habe auch das Gruyters-Café beigetragen, das sich dort vor einigen Monaten angesiedelt hat, berichtet Kaiser. "Es ist Treffpunkt geworden", sagt sie. So ist der Bismarckplatz unterm Strich ein Lehrbeispiel, wie ein Ort, der von einer stark befahrenen Straße zerschnitten ist, dennoch ansprechend sein kann und tatsächlich ein Platz zum Leben wird.

Quelle: RP
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