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Krefeld
Schlossmuseum für Krefelder Künstler

Krefeld. In Göppingen wird das Dachgeschoss von Schloss Filseck für die Erinnerung an Günther Kirchberger hergerichtet. Der 2010 verstorbene Künstler hat viele Jahre an der Krefelder Werkkunstschule unterrichtet und war Krefeld verbunden. Von Petra Diederichs

Eine Welt ohne Farbe wäre für Günther C. Kirchberger (1928-2010) nicht nur sinnlos gewesen, sondern unmöglich. Die Kraft von stattlichem Rot, Blau und ja sogar von Schwarz, das er in seiner Intensität fast zur Farbe erhob, war sein Motor. Wer ihn kannte, sprach stets von seiner "farbigen Seele". Generationen von Künstlern und Designern hat Kirchberger dieses Verständnis mitgegeben - während seiner langen Lehrtätigkeit in Krefeld. Als Künstler ist er hier nur einmal mit einer Einzelausstellung gewürdigt worden, 2008 zu seinem 80. Geburtstag.

Eine große Ehrung posthum gibt es nun in Kirchbergers letzter süddeutschen Heimat - ein eigenes kleines Museum: In Göppingen soll das Dachgeschoss von Schloss Filseck künftig den Nachlass des Künstlers beherbergen. Dort soll sein Werk nicht nur archiviert, sondern auch wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Der Ausbau ist Teil des 7,5-Millionen-Euro-Projektes der Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse Göppingen. Kirchberger, der keine Kinder hatte, hat bereits zu Lebzeiten seinen Nachlass dieser Stiftung anvertraut. Etwa 500 Leinwände und ein halbes Dutzend Grafikschränke mit Papierarbeiten sollen unter optimalen klimatischen Bedingungen gehütet werden. Und ein Atelierplatz soll unterm Dachgebälk so hergerichtet werden, als habe Kirchberger gerade eben noch dort gearbeitet.

Günther Kirchberger, 1928 in Kornwestheim geboren, hat in Stuttgart Grafikdesign studiert, bevor er dort 1950 ein Studium an der Kunstakademie begann. Mit Georg Karl Pfahler, Friedrich Sieber und Atila Biró gründete er 1956 die "Gruppe 11", die sich an Action Painting und Informel orientierte. In Süddeutschland zählt er zu den wichtigsten Künstlern seiner Zeit. In Krefeld war er wichtiger Lehrer und gesellschaftlich hoch geschätzt.

1964 war er als Dozent an die damalige Werkkunstschule gekommen. Zuerst war er für Wandmalerei engagiert, seit 1973 als Professor für Objekt-Design und angewandte Malerei. Doch auch nach seiner Emeritierung 1993 blieb er Krefeld und der inzwischen zur Fachhochschule Niederrhein avancierten Kunstschule treu. Bis 1997 war er als Gastdozent tätig. Und er bildete nicht nur Designer aus, viele seiner Schüler machten sich auch als freie Künstler einen Namen. Zu den in Krefeld am bekanntesten zählt Hans-Jürgen Granzow.

Als Lehrer war er im Rheinland hochgeschätzt, gesellschaftlich beliebt, aber als Künstler blieb er oft im Schatten. Er hat in den Krefelder Jahren oft bedauert, dass seine Werke nie im Kaiser-Wilhelm-Museum präsentiert wurden. "Paul Wember hätte sie sicherlich ausgestellt, wenn er länger gelebt hätte", sagt Prof. Renate Hirner, Weggefährtin Kirchbergers. Auch sie lehrte im Fachbereich Design der heutigen Hochschule Niederrhein und gehört zum Vorstand des Vereins Kunst und Krefeld, der die Erinnerung an hiesige Künstler pflegt. Auch dieser Verein, der 2008 die große Kirchberger-Schau gestemmt hat, besitzt etwa ein halbes Dutzend Kirchberger-Werke. Aber in Krefelder Privaträumen gibt es eine stattliche Zahl weiterer Werke. "Günther Kirchberger pflegte einen großen Freundeskreis. Er liebte es, zu Weihnachten oder Geburtstagen Bilder zu verschenken", erinnert sich Hirner. Außerdem gebe es eine erkleckliche Zahl von Sammlern. Eine Kooperation mit Göppingen sieht Hirner derzeit nicht. Aber für die Zukunft wird nichts ausgeschlossen.

Quelle: RP
 
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