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Krefeld
Seidenweberhaus: Politik fordert mehr Tempo

Krefeld. Im Planungsausschuss ging es um betriebswirtschaftliche Daten - sie sollen schneller vorliegen. Von Jens Voss

Die SPD fordert von der Verwaltung mehr Tempo bei der Bereitstellung von Daten zum Thema Zukunft des Seidenweberhauses. Auf Kritik stieß die Schätzung von Planungsdezernent Martin Linne, dass bis September 2018 Gutachten über die betriebswirtschaftlichen Perspektiven der Alternativen zum Seidenweberhaus vorliegen. "Jedes halbe Jahr, dass wir später kommen, kostet uns richtig Geld", sagte Jürgen Hengst für die SPD. Er habe die "dringende Bitte" an die Verwaltung, dass die Planungsprozesse zum Seidenweberhaus "zeitlich engagierter" abgewickelt werden.

Fragen wie die nach den jetzigen Unterhaltskosten für das Seidenweberhaus müssten eigentlich innerhalb eines Tages beantwortet werden, sagte Hengst. Ihm kräuselten sich die Nackenhaare, dass dem nicht so sei. Eine zuvor von Planungsdezernent Linne genante Zahl untermauerte die von Hengst betonte Dringlichkeit: Laut Linne gehen die Schätzungen über Baukosten etwa für einen Neubau (50 Millionen Euro) ins Jahr 2014 zurück und müssten heute zehn bis zwölf Prozent höher veranschlagt werden. Betriebswirtschaftliche Fragen dominierten die Debatte; insbesondere wurde die Euphorie, mit der Linne über die Perspektiven des Kesselhauses spricht, gedämpft. Für die CDU betonte Jürgen Wettingfeld, dass die Kombination aus Hotel und Kongress, wie sie der Krefelder Unternehmer Gerald Wagener vorschlägt, vielversprechend für die Betriebskosten einer Kongresshalle seien. Er ließ deutliche Zweifel erkennen, dass das Kesselhaus - bei allem Charme des Gebäudes - im geschäftlichen Alltag ähnlich erfolgreich sein könnte. Zum einen, weil die Hotelanbindung fehle; zum anderen, weil das Kesselhaus sehr verschiedenartige Räumlichkeiten biete, die sehr unterschiedliche Veranstaltungen verlangten. Die Frage sei, ob die Stadt ein solch kompliziertes Gebilde bespielen könne. Auch das Gastronomie-Konzept sei von entscheidender Bedeutung. "Wir können den Vereinen nicht die volle Miete abverlangen", sagte er, "das stemmen die nicht" - um so wichtiger seien die Perspektiven für die Gastronomie. Im Seidenweberhaus habe das nicht funktioniert. Insofern drängten Wettingfeld wie die anderen Fraktionen darauf, über externe Gutachten Zahlen über mögliche Erträge der vorgeschlagenen Varianten zu bekommen - von Event-Experten. Dies soll auch geschehen und ist Teil des Beschlusses, der schließlich verabschiedet wurde. Hengst wünschte sich, dass die Gutachten bis Mitte 2018 und nicht erst im Herbst des Jahres vorliegen.

Erwartungsgemäß hat der Ausschuss mit der Mehrheit von SPD und CDU und den Stimmen der Grünen den Antrag auf den Weg gebracht, nicht nur die von der Verwaltung favorisierten Alternativen zum Seidenweberhaus (Kesselhaus und Neubau auf dem Theaterplatz), sondern auch eine Sanierung des Seidenweberhauses weiterzuverfolgen.

Linne hatte zuvor die Expertise der Verwaltung erläutert (wir berichteten). Erneut bekräftige er, dass das Angebot Wageners (Hotel plus Kongress auf dem Theaterplatz) ohne europaweite Ausschreibung (wie von Wagener gefordert) juristisch ausgeschlossen sei - und zwar "unzweifelhaft". Und erneut bekräftigte der Dezernent, dass er in jedem Fall Alternativen dazu einholen würde - schließlich verlaufe Stadtplanung nicht nach dem Verhaltensmuster eines Alligators, der nach einem vorbeilaufenden Kaninchen schnappe. "Das kann nicht unser Anspruch sein", betonte er.

Für die Grünen erläuterte Heidi Matthias, dass sie den Argumenten von SPD und CDU folgen könne. Sie warb schließlich für den Mut zur Entscheidung. Auch wenn alle Excel-Tabellen vorlägen, bleibe ein Restrisiko, das man eingehen müsse. So appellierte sie, dann, wenn alle Zahlen auf dem Tisch sind, zu entscheiden und nicht wieder beim Frisör nachzufragen, was der denn wolle.

Quelle: RP
 
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