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Krefeld
Sieg der Gänse: Der Elfrather See soll rasch entwidmet werden

Krefeld: Sieg der Gänse: Der Elfrather See soll rasch entwidmet werden
Furchtlos, klug, zäh, ausdauernd – und den Elfrather See fest im Blick: Kanadagänse. FOTO: Bretz
Krefeld. Die Stadt Krefeld will einen Schlussstrich unter eine Ära ziehen, die der Stadt regelmäßig bundesweit Negativschlagzeilen wegen schlechter Badewasser-Qualität beschert hat. Sie schlägt vor, den Elfrather See "mit sofortiger Wirkung" zu "entwidmen" und damit den Status als Badesee zu streichen. Von Jens Voss

Dies geht aus einer Vorlage für die nächste Sitzung des Sportausschusses am 23. April hervor. In der Vorlage werden "Negativdiskussionen" über den kompletten Erholungspark beklagt. Der Grund dafür: Die Wasserqualität im See ist im bundesweiten Vergleich stets mit der nur selten vergebenen Note "ausreichend" bewertet worden - dass das Wasser miserabel war, ist auf die im See lebenden Wildgänse zurückzuführen.

Übersicht: Wasserqualität in den Badeseen der Region

Die Vorlage liest sich wie eine lange Serie frustrierender Niederlagen des Menschen bei den immer raffinierter werdenden Versuchen, die Gänse zu vertreiben. Kein Zufall also, dass die Tiere schließlich verwaltungsseitig respektvoll als "intelligente Vogelart" gewürdigt werden. Man hat versucht, die Gänse auf den nördlichen Teil der Regattafläche zu verdrängen - die Tiere haben das auch angenommen, sind aber dennoch in voller Mannschaftsstärke in ihrem alten Areal geblieben. Die "Vergrämung" mit einem Greifvogel war erfolglos - die Gänse haben sich nicht genug vor dem Räuber gefürchtet. Auch die Ablage von Wiesenmahd am Ufer beeindruckte das Federvieh nicht. Vom Aufstellen von Kunststoffzäunen sah die Stadt von vornherein ab - diesmal wegen des zu befürchtenden Vandalismus durch Menschen. Erwogen wurde das "Ausbringen von Bitterstoffen" auf den Wiesen, um den Gänsen den Geschmack am Gras zu vergällen, doch diese Methode sei von der unteren Landschaftsbehörde "äußerst kritisch" bewertet worden. Untersagt vom Bundesnaturschutzgesetz wurde auch eine Methode, die als "Schütteln der Eier" bezeichnet wird - die Eier sollen dadurch unfruchtbar gemacht werden.

Nichts gebracht haben auch verschiedene Methoden der Bejagung. Zwar seien in der jüngsten Jagdsaison 158 Gänse erlegt worden (in der Saison davor: 65), doch gibt es Zweifel, dass sich damit der Bestand langfristig verringern lässt. Die Beobachtung dazu: Die Vögel sind offenbar während der Jagdzeit auf benachbarte Felder ausgewichen. "Als sehr intelligente Vogelart haben die Wildgänse nach dem Ende der Bejagung den Badesee immer wieder als ihr Habitat besiedelt", heißt es dazu. Das Resümee: "Nach Einschätzung der unteren Landschaftsbehörde kann durch eine Bejagung nur eine leichte Reduzierung des Bestands erreicht werden; letztendlich aber werde die Anwesenheit von Grau- und Kanadagänsen toleriert werden müssen." Die Gänse, so scheint es, waren stärker. Sie haben gesiegt.

Quelle: RP
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