| 16.21 Uhr

Krefeld
Selbstversuch: Armbrustschießen

Sprödental-Kirmes Krefeld: Selbstversuch im Armbrustschießen
Linda Wickering mit der Armbrust, im Hintergrund Marion Gerner Müller, die seit 30 Jahren den "Wilhelm-Tell-Schießstand auf Kirmessen betreibt. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Unsere Autorin hat die Sprödentalkirmes besucht und gelernt, wie Wilhelm Tell zu treffen. Von Linda Wickering

Kirmeszeit - das war für mich früher immer ein echtes Highlight. Wenn ich am Freitagabend das Eröffnungsfeuerwerk gedämpft durch mein Schlafzimmerfenster hörte, wusste ich: Jetzt ist es soweit! Mein Kirmes-Pflichtprogramm umfasste drei Dinge: mit Opa Kettenkarussell fahren, gebrannte Mandeln essen und Schießen. Auf Tonsterne. Und dabei voll abräumen.

15 Jahre später möchte ich mich einer neuen Herausforderung stellen und das Luftgewehr gegen die Armbrust tauschen. "Einmal wie Wilhelm Tell fühlen", verspricht Marion Gerner Müller. Sie betreibt seit über dreißig Jahren den Wilhelm-Tell-Schießstand, an dem mit Armbrüsten auf Äpfel geschossen wird. Die liegen auf den Köpfen der Holzfiguren, genau wie in der Geschichte vom Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell und seinem Sohn. Der Sage nach verweigerte Tell dem habsburgischen Landvogt einen Befehl und musste zur Strafe einen Apfel vom Kopf seines eigenen Sohnes schießen.

Das Kunststück gelang, dem Knaben passierte nichts, doch Tell wurde trotzdem ins Gefängnis gesperrt. Nach einem erfolgreichen Fluchtversuch legte Wilhelm Tell dem tyrannischen Landvogt jedoch einen Hinterhalt und tötet ihn. So geht er als Freiheitskämpfer in die Geschichte ein.

Ob ich heute in die Geschichte der erfolgreichsten Armbrustschützen an Frau Müllers Stand eingehen werde, wird sich noch zeigen. Die Meisterin zeigt mir, wie man die Armbrust anlegt. Eigentlich nicht anders als eine normale Schrotflinte. Dann wird geladen, indem wir den Gummizug nach hinten ziehen. Wenn man den Auslöser betätigt, löst sich die Spannung und lässt den Plastikpfeil in die Luft sausen - hoffentlich mit Kurs auf den Apfel. Normalerweise schießen die Schützen mit spitzen Pfeilen, unsere sind jedoch aus Plastik, und am Ende ist ein Saugknopf befestigt. So wird der Apfel nicht beschädigt. Frau Müller reicht mir die Armbrust, ich habe fünf Schuss. Frontal zur Figur stehen, gerade Haltung, ein Auge zudrücken, Kimme, Korn und Abschuss - der Pfeil saust am Apfel vorbei und trifft mitten ins Gesicht der Holzfigur. Wilhelm Tells Sohn hätte mit mir als Schützin schlechte Karten gehabt. Frau Müller gibt mir aber einen Tipp: "Pfeile fliegen einen Bogen, deshalb musst du höher zielen". Gesagt, getan und kaum zu glauben: Der Apfel fällt beim zweiten Versuch. Noch einmal versuche ich mein Glück und siehe da, wieder reißt es den Apfel vom Kopf der Holzfigur. Auch mein nächster Schuss trifft - vielleicht bin ich ein Naturtalent? Oder ich habe einfach nur Anfängerglück? Marion Gerner Müller freut sich mit mir, für sie ist ihr Beruf Familientradition. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihren Großeltern verboten, mit einer Schießbude zu reisen. Das Ehepaar stellte kurzerhand auf Armbrüste um und los ging's.

Müller macht den Job sehr gerne: "Es ist ein tolles Gefühl, die Kinder schon von Weitem mit einem Lächeln auf meinen Stand zusteuern zu sehen". Oft kehren Eltern mit ihren eigenen Kindern zurück zu der gebürtigen Meerbuscherin. "Sie sagen dann: "Guck mal, bei der Frau hab ich damals auch das Schießen gelernt". An Marion Gerner Müllers Stand gibt es eine Sonderregel: Wenn man vier Äpfel hintereinander abschießt, bekommt man einen Sonderpreis. Mein erster Schuss ging daneben, die nächsten drei trafen. Jetzt kommt also alles auf Schuss Nummer fünf an: Ich ziele, Kimme, Korn, Abschuss- Treffer!

Jetzt aber kommt die Qual der Wahl: Barbie, Prinzessinenkrönchen oder doch ne' Flasche Sekt?

Quelle: RP
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