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Krefeld
Stadt will Grundsteuer von Verstorbenen

Krefeld: Stadt will Grundsteuer von Verstorbenen
Wolfgang und Waltraud Marschall wundern sich, dass die Stadt Krefeld von den verstorbenen Schwiegereltern hartnäckig Grundsteuern verlangt. Dabei ist die Kommune über den Tod der beiden und die neuen Eigentümer der Immobilie informiert. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Wolfgang und Waltraud Marschall verzweifeln an der Finanzverwaltung der Stadt Krefeld. Obwohl sie den Tod ihrer Schwiegereltern und das Erbe deren Hauses belegt haben, verlangt die Kommune Steuern von den Verstorbenen. Von Norbert Stirken

Der Oppumer Wilhelm Stein ist vor mehr als sechs Jahren gestorben. Seine Frau Katharina folgte ihm vor rund 14 Monaten. Das Eigenheim am Gilldonk erbte Tochter Waltraud, die mit ihrem Mann Wolfgang Marschall nur wenige hundert Meter entfernt am Bromeledonk lebt. Obwohl die beiden die Stadtverwaltung rechtzeitig und mit den notwendigen Unterlagen versehen - wie die Sterbeurkunden - über die neuen Eigentumsverhältnisse schriftlich informierten, fordert die Kommune die Grundsteuern für die Immobilie am Gilldonk hartnäckig von dem verstorbenen Ehepaar.

Zunächst zeigte Marschall, der als Vorstandsmitglied des Linner SV und engagierter Fußballexperte im Amateursport weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, für das Verwaltungshandeln durchaus Verständnis. Fehler können überall passieren. Nachdem er aber ein zweites und auch noch ein drittes Mal mit Sterbeurkunden, Grundbuchauszügen und Rechnungskopien auf den Sachverhalt hingewiesen hatte, und dennoch eine Mahnung an die Adresse seiner Schwiegereltern erhielt, reichte es dem 64-jährigen Pensionär. "Ich habe keine Lust auf einen dauerhaften Schriftverkehr, nur wegen der Versäumnisse in der Stadtverwaltung", betont er. Er sei selbst über 40 Jahre lang für ein Telekommunikationsunternehmen im Kundenservice tätig gewesen und wisse, wann es des Guten zu viel sei.

Zur Chronologie: Am 12. Februar 2009 stirbt Schwiegervater Wilhelm Stein. Am 21. März 2014 stirbt Schwiegermutter Waltraud Stein. Mit Schreiben vom 29. August informiert das Ehepaar Marschall die Abteilung Zentraler Finanzservice der Stadtverwaltung Krefeld mit Sterbeurkunden und zusätzlichen Unterlagen wie Grundbuchauszügen über die neuen Eigentumsverhältnisse für die Immobilie an der Straße Gilldonk in Oppum. Am 20. Januar 2015 erhalten die verstorbenen Schwiegereltern einen Bescheid für die Grundsteuer B. Da die Tochter der Marschalls im früheren Haus ihrer Großeltern wohnt, reicht sie den Brief an ihren Vater Wolfgang Marschall weiter.

Weil der Versuch der Stadt, den Betrag vom Konto der Verstorbenen per Lastschrifteinzug zu erhalten, scheiterte, gab's die erste Mahnung. "Ist ja klar, dass die toten Schwiegereltern kein Konto mehr haben", erklärt Marschall. Der telefoniert daraufhin mit der Finanzbuchhaltung und verlangt einen Mahnstopp. "Dort war man sehr unfreundlich und sagte, das gehe nicht", informierte der 64-Jährige. Auf seine Frage, was er noch tun könne, habe es keine Antwort gegeben. Die bislang letzte Mahnung, die im ehemaligen Briefkasten der toten Schwiegereltern landete, trägt das Datum 9. März 2015.

Wolfgang Marschall und seine Frau haben es inzwischen aufgegeben, der Stadt beim Versuch, zu ihren Steuereinnahmen zu gelangen, beizustehen. "Soll sie den Gerichtsvollzieher doch zum Friedhof an die Grabstelle schicken und dort versuchen, von den Verstorbenen ihr Geld zu erhalten. Ich wünsche ihm viel Glück dabei", sagte Wolfgang Marschall. Seine Frau Waltraud versteht indes die Welt nicht mehr. Im Stadtteil Fischeln werden offenbar Immobilieneigentümer ganzer Wohnquartiere seit Jahren nicht zur Zahlung der Grundsteuern herangezogen (wir berichteten), und in ihrem Fall besteht die im Nothaushalt befindliche Kommune vehement darauf, dass sogar Tote Steuern zahlen sollen.

Quelle: RP
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