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Krefeld
Gedenksteine für NS-Opfer: Künstler soll 26 Euro Gebühr an Stadt zahlen

Das ist der Künstler Gunter Demnig
Das ist der Künstler Gunter Demnig FOTO: Archivfoto: Achim Hüskes
Krefeld. Der Künstler Gunter Demnig will heute in Krefeld neue "Stolpersteine" in Erinnerung an NS-Opfer verlegen. Ein Stadt-Mitarbeiter sorgt für Irritationen: Demnig soll für eine Ausnahmegenehmigung zahlen, damit er sein Fahrzeug auf der Straße im Halteverbot parken darf. Von Sebastian Peters

Seit genau 20 Jahren verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig (67) deutschlandweit Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer der Nationalsozialisten. Erstmals hat ihn nun eine Stadt aufgefordert, für die Verlegung der Steine gesondert zu zahlen, weil er mit seinem Wagen zeitweilig im Halteverbot parken muss. Wie Demnig unserer Zeitung gestern auf Anfrage bestätigte, erhielt er persönlich aus Krefeld kürzlich eine Rechnung über 26 Euro. "Ich finde das absurd", sagt Demnig. "Meine Aktion ist eigentlich gedacht als ein Geschenk der Bürger an die Stadt." Viele andere Städte würden versuchen, ihm so weit wie möglich zu helfen, wenn Stolpersteine verlegt werden. "Manche lassen sogar eine Ampelanlage für die Zeit aufstellen." Demnig verweist darauf, dass er mit seinem Auto immer nah zum Ort der Steinverlegung fahren muss, damit er das Werkzeug und die Steine schnell zur Hand hat.

In Krefeld habe die Stadt den Initiatoren der Aktion, dem Verein Villa Merländer, zunächst sogar noch weitere Auflagen gemacht wie Vereinsmitglied Sibylle Kühne-Frank unserer Zeitung gestern berichtete. In Verhandlungen habe man manches aber verhindern können. Umso überraschter war der Verein, dass die Stadt dem Künstler die Rechnung über 26 Euro schickte. Demnig stimmt dies traurig: "Für mich sagt das auch etwas darüber aus, wie die Aktion wertgeschätzt wird. In anderen Städten kommen Oberbürgermeister, halten Reden." Für Krefeld sei dies nicht geplant, bedauert Demnig. Sibylle Kühne-Franken vom Verein Villa Merländer sagt: "Ich finde es unkooperativ, wie sich die Stadt Krefeld hier verhält."

Gunter Demnig bei der Verlegung eines Stolpersteines 2011 in Inrath für Margarethe Papendell. FOTO: Thomas Lammertz

Das städtische Presseamt betonte  am heutigen Donnerstag auf Anfrage, dass die 26 Euro nicht kassiert würden und es sich um ein Versehen eines Mitarbeiters handele. Sie betonte, dass die 26 Euro nicht für die Sondernutzung der Straße kassiert werden, sondern deshalb, weil der Künstler sein Auto zeitweilig im Halteverbot parkt.

Jauch und Raabe putzen Stolpersteine FOTO: dpa, Florian Schuh

Viele Krefelder Spender haben sich in den vergangenen Monaten finanziell beteiligt, um die Verlegung der Stolpersteine möglich zu machen. 120 Euro pro Stein kostet die Aktion. Der Verein Villa Merländer trägt die Hotelkosten für Gunter Demnig.

Heute wird Demnig auf Initiative des Vereins Villa Merländer um 9.30 Uhr vor der Engel-Apotheke an der Rheinstraße/Ecke Uerdinger Straße mit dem Verlegen von zwei Steinen für die Jüdin Elisabeth Erdtmann und für Tochter Helga Erdtmann, genannt Anja Lundholm starten. Gespendet hat diese beiden Steine das Ricarda-Huch-Gymnasium, weil Anja Lundholm Schülerin des Ricarda-Huch war. Es folgen heute zwei Steine auf der Seidenstraße 45 für die Juden Bernhard und Helene Sommer, zehn für die jüdische Familie Bruckmann am Südwall, fünf an der Rheinstraße für die jüdische Familie Italiander und einen am Ostwall für Kurt Hirschfelder. Dieser Stein war beim Ostwallumbau verloren gegangen. "Die Kanalbaufirma hat ihn anstandslos ersetzt", lobt Sibylle Kühne-Franken. Weitere Steine werden im Dezember verlegt.

Quelle: RP
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