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Krefeld
Theater zeigt die "Orestie"

Krefeld: Theater zeigt die "Orestie"
Hier gilt die Sprache der Waffen: Christopher Wintgens als Herold liegt im Staub vor dem Chor der alten Männer - Szene aus der "Orestie", die am Samstag Premiere hat. FOTO: Matthias Stutte
Krefeld. Matthias Gehrt inszeniert das 2500 Jahre alte Werk über den Beginn der Demokratie. Von Petra Diederichs

Dicke Brocken schrecken Matthias Gehrt nicht ab. Der Schauspieldirektor hat bereits den "Faust" - Teil 1 und 2 - auf publikumsfreundliches Maß eingekürzt. Jetzt dampft er die "Orestie" ein: Die mehr als neunstündige antike Trilogie will er in weniger als drei Stunden auf der Bühne erzählen. Ein ehrgeiziges Unterfangen - am Samstag, 17. Oktober, 19.30 Uhr, ist Premiere im Theater.

Götteropfer, Rachemord, Totschlag - es fließt jede Menge Blut in dieser Tragödien-Trilogie, die Aischylos vor gut 2500 Jahren geschrieben hat. Es ist die einzige erhaltene Trilogie der griechischen Antike, und sie gilt als Wiege der Demokratie. Denn hier wird der Wechsel von grausigem Rachedenken zu einer unabhängigeren Rechtssprechung verhandelt. Am Ende einer Kette von Vergeltungsmorden bestimmen nicht mehr die Götter das Schicksal, sondern ein mit Bürgern besetztes Gericht.

Die Handlung ist komplex, "und wir haben alle großen Stationen übernommen", sagt Gehrt. Teil 1 ("Agamemnon") erzählt von der Rückkehr Agamemnons aus dem Trojanischen Krieg. Willkommen ist er nicht. Gattin Klytaimestra hat sich einem Anderen zugewandt und sinnt auf Rache, weil der Ehemann vor dem Kriegszug die Tochter als Götteropfer getötet hat. Nun wird Agamemnon Blutzoll zahlen. In Teil 2 ("Choephoren") rächt der Sohn Orestes den Mord an seinem Vater - und wird wegen des Muttermordes von Schuldgefühlen überwältigt. Die Rachegeister verfolgen Orestes im dritten Teil ("Eumeniden"). Doch erstmals will Göttin Athene über das Schicksal Orestes' nicht allein entscheiden, sie ruft das erste Gericht der Weltgeschichte ein. Es ist der Beginn moderner Rechtssprechung. Und ab da soll die Inszenierung, die ausloten möchte, wie gut die Elemente antiken Theaters nach 2500 Jahren noch funktionieren, in eine zeitlosere Moderne wechseln. Bühnenbildnerin Gabriele Trinczek hat sich vom antiken Vorbild inspirieren lassen, Kostümbildnerin Sibylle Gädecke will auf schlichte Zeitlosigkeit setzen.

"Die Prinzipien antiken Theaters funktionieren noch extrem gut", sagt Regisseur Gehrt. "Das ist großes Bildertheater, Familientragödien mit großen Gefühlen." Eine große Rolle nimmt dabei der Chor ein, in dem alle Schauspieler mitwirken. "Die Orestie ist nicht nur politisch und kulturell die Wurzel - sondern auch die des Theaters. Das lieben auch die Schauspieler." Gehrt hat sich für die Textübersetzung von Peter Stein entschieden: "Eine klare, verständliche Sprache", sagt er - bestens geeignet für diese literarische "Kraftmaschine".

Quelle: RP
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