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Krefeld
Urteil im "Call-Center-Prozess": Fünf Jahre und drei Monate Haft

Krefeld. Gutgläubige Kunden um 66 Millionen Euro erleichtert.

Mehr als ein Jahr hat der Prozess vor dem Landgericht gedauert, jetzt fiel das Urteil: Der Angeklagte, der per Call-Center Bürger um rund 66 Millionen Euro gebracht hat, muss für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Am gestrigen 47. Verhandlungstag ließ er von einem seiner Verteidiger eine Einlassung verlesen. Das Geständnis basierte auf einer Absprache, in der das Gericht dem 38-Jährigen zusagte, fünfeinhalb Jahre Haft nicht zu überschreiten. Im Gegenzug bekennt er sich nun zu den Vorwürfen und verzichtet auf sechs Millionen Euro seines Vermögens. Weil er zur Sicherung weitere 50 000 Euro und seinen Reisepass hinterlegte, wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Der 38-Jährige gab sich auch am letzten Verhandlungstag zurückhaltend. Als letztes Wort sagte er, er schließe sich den Ausführungen der Verteidiger an.

Über 100 Zeugen seien vernommen worden, sagte einer der Anwälte. Der Angeklagte sei jetzt schon mehr als zwei Jahre in Untersuchungshaft. Das Verfahren habe ihn schwer beeindruckt. Allerdings dürfe man nicht von Betrug, sondern nur von versuchtem Betrug ausgehen. Dem folgte das Gericht, ohne von der vom Staatsanwalt beantragten Strafe nennenswert abzuweichen. Nach so vielen Jahren sei es schwer zu beurteilen, ob damals die Kunden zahlten, um einfach ihre Ruhe zu haben, oder weil sie sich tatsächlich einen Gewinn erhofft hätten. Hierzu könne man keine sicheren Feststellungen mehr treffen.

Der Staatsanwalt hatte dem Angeklagten das Geständnis zugutegehalten, auch wenn dies erst spät kam Er sprach von einer hochprofessionellen Tatbegehung, bei denen es mehrere Beteiligte gab. Auch einige der Call-Center-Mitarbeiter seien strafrechtlich verfolgt worden. Er sprach von einem betrügerischen Werben um Kunden, ohne dass versprochene Dienstleistungen erfüllt worden wären. Die Angerufenen wurden mit hohen Gewinnen geködert. Das sei für die Einzelperson jeweils eine kleine Summe gewesen, bei 271 520 Kunden ergab das allerdings einen Gesamtschaden von 66 Millionen Euro. "Es gab keinen sauberen Verkauf", führte der Staatsanwalt weiter aus. Zeugenaussagen zeigten, dass auf die Mitarbeiter sehr viel Druck ausgeübt wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen mutmaßliche Mittäter wird noch ermittelt.

(BL)
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