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Krefeld
Neues Kunst-Festival "Wood Art"

Wood Art - Kunst im Wald
Wood Art - Kunst im Wald FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Es ist ein Massaker und ein Neuanfang. Wenn die Natur sich etwas zurückholt, ist dieser Prozess der Vermischung vieles zugleich: Zerstörung und Zersetzung, aber auch der Einzug von neuem Leben. Mischung ist ein großes Stichwort: Denn auch wir Menschen sind Mischung - aus Kultur und Natur, Körper und Geist, Wachsen und Vergehen. Von Jens Voss (Text) und Lothar Strücken (Fotos)

Hier mag der Grund liegen, warum wir bei Orten innehalten, wo solche Prozesse zutage treten. Es sind Orte der Selbsterkenntnis. Das Krefelder Stadtmarketing hatte die Idee, einen solchen Ort zum Inspirationsraum für 17 internationale Künstler zu machen. Sie sind eingeladen, auf dem Gelände der ehemaligen "Cementwarenfabrik Carstanjen" gegenüber dem Umweltzentrum am Hülser Berg Installationen zu schaffen. Motto des viertägigen Festivals: "Wood Art Gallery", was etwa "Wald-Kunst-Galerie" meint. Wir waren neugierig, haben unseren Fotografen Lothar Strücken gebeten, sich dort mit der Kamera umzusehen - die Fotos, die er mitgebracht hat, lassen ahnen, welches Potenzial in diesem Gelände steckt. Was dort als Mischung aus Zersetzung und Beginn existiert, hält schon jetzt faszinierende Formen, Strukturen, Ansichten und Nachbarschaften bereit.

Das Foto, was uns in der Redaktion am meisten beeindruckt hat, war die Aufnahme von einem verwitterten Holzschuppen. Diese Weißabschattungen, diese Strukturfülle im verwesenden Holz - all diese Formen und Linien kennt man aus moderner Malerei. Die Natur hat hier wie nebenbei etwas geschaffen, für das in Galerien Millionen gezahlt wird. Und doch braucht es das wissende, fragende, suchende Auge des Menschen, der in diesem verrottenden Artefakt plötzlich etwas ganz Anderes entdeckt. Goethes "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis" geht einem durch den Kopf, denn der Satz lässt sich fort- und fortschreiben: Ein Gleichnis ist auch das Entdecken neuen Werdens im Prozess des Vergehens; ebenso der Gedankenflug von einer Industriebrache ins himmlische Reich der Kunst. Jeder Gedanke, der uns durch den Kopf schießt, hat etwas von diesem Flug: Geboren aus der Materie unseres Körpers, ist er doch nicht-materiell. Das ist so, weil wir beides zugleich sind: Geistwesen und Körpertiere - eigentlich unmöglich. Wir müssen uns das nicht dauernd klarmachen. Müssten wir es, würden wir erstarren in Erstaunen über das Unmögliche an und in uns. Es wäre eine Qual: Denn alles Vergängliche ist auch ein Schrecknis. Wir leben, Gott sei's gedankt, meist im Vorhof des Möglichen - dort, wo wir wie selbstverständlich kämpfen, uns freuen, schuldig machen, Glück und Unglück empfinden. Kunst stört diese Selbstverständlichkeit. Wer sich traut, den Vorhof des Vertrauten zu verlassen, hat dazu vom 4. bis zum 8. August die Gelegenheit.

Öffnungszeiten: Dienstag, 4. August: 14 Uhr Eröffnung. Mittwoch, 5. August, 11 bis 19 Uhr; 16 Uhr: die künstlerische Leiterin, Frederike Wouters, bietet einen einstündigen Rundgang an; Anmeldung nicht erforderlich. Donnerstag, 6. August: 11 bis 19 Uhr, um 11 und um 16 Uhr Rundgänge mit Leiterin Frederike Wouters; Anmeldung hierzu ist nicht erforderlich. Freitag, 7. August: 11 bis 19 Uhr: Das Umweltzentrum wird zur Wood Art Gallery. Die künstlerische Leiterin Frederike Wouters sowie die 17 Künstler stehen für Gespräche zur Verfügung. Anmeldung nicht erforderlich.

Quelle: RP
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