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Heinsberg
Virtuosität, Gefühl und Raffinesse vereint

Heinsberg. Jörg und Heinz Lengersdorf beeindrucken mit einem ungewöhnlichen Programm im "Rondell". Von Kaan Cevahir

Die Jugendmusikschule in Heinsberg lud wieder ein zu "Klassik im Rondell", diesmal mit Jörg Lengersdorf (Violine) und Heinz Lengersdorf (Klavier). Die Brüder mit Baaler Wurzeln übertrafen wohl alle Erwartungen der Musikfreunde. Dabei wurde an diesem Abend das Format eines klassischen Konzertes insofern gebrochen, als einerseits auf Programmhefte verzichtet wurde, andererseits Jörg Lengersdorf mit erstaunlichen Anmerkungen durch ein vielseitiges Programm führte.

Werke von Komponisten und einer Komponistin unterschiedlicher Stile wurden mit einer derart interpretatorischen Raffinesse vorgestellt, dass Werktreue und Originalität in den Gedankengängen der beiden Musiker zueinanderfanden. "Interpreten sind Sklaven", schrieb der französische Komponist Maurice Ravel einst in einem Brief. Dass dem nicht so ist, bewiesen die Musiker in aller Deutlichkeit. Den Beginn machte Heinz Lengersdorf mit der Toccata von dem wohl eher unbekannten Antonio Tauriello, in der barocke Spielweisen Johann Sebastian Bachs und folkloristische Elemente Aram Chatschaturjans ineinander zu gehen schienen. Der Pianist schleuderte das nervöse Wirbelmotiv aus den humoristisch angehauchten Themen heraus, wobei das gesamte Werk samt seinen hochvirtuosen Passagen sich in der Gelassenheit des Interpreten niederlegte.

Etwas bekannter durfte die zweite Arabesque von der französischen Komponistin Cécile Chaminade gewesen sein. "Heinz hat ein paar Töne hinzugefügt", merkte Jörg Lengersdorf an und blickte zurück auf die Entstehungsgeschichte des Werks. Vor diesem Hintergrund erregte die Arabesque große Freude, zumal Heinz Lengersdorf in seinem Spiel Vergnügen, Virtuosität und romantisches Sentiment konfliktfrei miteinander zu verknüpfen wusste.

Bei Antonín Dvoráks Sonatine op. 100 für Klavier und Violine trat Jörg Lengersdorf dann als Interpret hinzu: Beide fokussierten das prägnante Motiv, welches auf das amerikanische Volkslied "Oh my darling Clementine" anspielt und Dvoráks Eindrücke von der Neuen Welt offenbart. Ein in sich gekehrter 2. Satz musste die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein. In den weitgesponnenen Phrasierungen wirkten vereinzelte Akzente wie Funken enthusiastischer Entschlossenheit. Dann zog ein gewaltiger 3. Satz auf: Auf die Klangausbrüche abgestimmt, fing es an zu hageln, als würde das energische Spiel der Interpreten Blicke äußerer Gewalten auf sich ziehen.

Bei Léo Weiners 2. Violinkonzert einigten sich die Brüder auf die Urfassung von 1918 für Klavier und Violine. Satz für Satz wurde die Konfrontation des Komponisten mit den Ereignissen des Ersten Weltkriegs verarbeitet - wie etwa der harmonische Fall im 3. Satz einen tragischen Untergang prophezeite oder beide Interpreten dann im 4. Satz eindrucksvoll den Versuch des Komponisten hörbar machten, seine Umstände mit Sarkasmus zu überspielen. Großzügig verabschiedeten sich die Musiker mit zwei Zugaben von einem höchst begeisterten Publikum.

Quelle: RP
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