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Kolumne Calm Down (2)
Abschalten und Tee trinken

Kolumne Calm Down (2): Abschalten und Tee trinken
Heike Kohlen-Sohnius zelebriert den Aufguss einen guten und entspannenden Tees in ihrem Geschäft in Monheim. Sie schwört besonders auf heilsame Matcha-Blätter. FOTO: MATZERATH
Langenfeld. Wer Tee mit allen Sinnen genießt, schafft sich eine Oase der Entspannung, sagt die Expertin aus Monheim. Von Isabel Klaas

monheim Wenn wir Rheinländer Ostfriesen wären, würden wir vielleicht in vielen Situationen etwas weniger hektisch reagieren. Und das nicht nur, weil uns das Meeresrauschen ständig beruhigend im Ohr klänge, sondern weil der Ostfriese eine Tradition pflegt, die entspannt: die regelmäßige Tee-Zeremonie. "Allein schon durch die verschiedenen Wartezeiten während der Zubereitung kommt man zur Ruhe", sagt Heike Kohlen-Sohnius vom Teehaus am Rathaus.

Da wird die Kanne mit kochendem Wasser aufgeheizt. Dann kommt der Tee, übrigens immer eine kräftige Assam-Mischung, hinein, darauf wird kochendes Wasser gegossen, bis die Blätter bedeckt sind. Der Sud zieht fünf Minuten, ehe er nochmals mit heißem Wasser entsprechend der gewünschten Tassenzahl überbrüht und schließlich durch ein Sieb in eine Servierkanne gekippt wird. Und dann kommt das Schönste: ein Kluntje ins Tässchen und darüber den dampfenden Tee gießen, so dass es verheißungsvoll knistert, dazu kommt ein Tropfen Sahne an den Tassenrand - und dann bloß nicht umrühren. Das wäre ein Sakrileg. "Der Ostfriese genießt erst den herzhaften Geschmack seines Lieblingsgetränks, ehe er sich zur verführerischen Süße auf dem Tassenboden vorarbeitet", sagt Kohlen-Sohnius. Wahrhaft eine Zeremonie, bei der man runterkommt. Nicht umsonst heißt es: Abwarten und Tee trinken! "Und wer auf diese Weise nicht mindestens drei kleine Tässchen genießt, kommt bei den Nordlichtern nicht gut an", sagt die Expertin.

Doch Schwarz- oder Grüntees, die eigentlich anregend wirken, können noch durch andere Zeremonien dafür sorgen, dass der Mensch runterkommt vom Alltagsstress. Da wäre zum Beispiel die derzeit so populäre Zubereitung des Matcha-Tees, der als hochwertiges Grüntee-Blatt unfermentiert zwischen Mühlrädern zu einem Pulver gemahlen wird, das viele gesundheitsfördernde Ingredienzien haben soll: Koffein, Mineralstoffe und Vitamine. Im Grunde genommen gibt es kaum etwas, auf das Matcha-Tee nicht positiv wirkt. Dafür schmeckt er nicht besonders. "Eben sehr pflanzlich", sagt die Tee-Expertin ein wenig beschönigend. Andere Stimmen sprechen von bitter. In Japan kann die Zeremonie eines solchen Aufgusses Stunden dauern. "Je höher gestellt ein Gast ist, desto länger wird das Pulver von zarter Hand in einer Schale mit einem kleinen Bambusbesen aufgeschlagen." Das Blattpulver sollte ganz im 60 Grad heißen Wasser aufgelöst sein und schäumen, dann wird es noch mit weiterem Wasser unter Schlagen vermengt, bis es schließlich Schlückchen für Schlückchen die Kehle hinunter rinnt. "Ohne Zucker - immer!", sagt Kohlen-Sohnius. Allenfalls erlaubt sind ein Schuss Hafermilch und ein bisschen Mandelmus zum Süßen. "Obwohl das eher zivilisatorische Auswüchse sind", sagt die Teekennerin schmunzelnd. Billig ist das Allheilmittel Matcha aber nicht. 15 bis 40 Euro kostet ein Döschen, das kleiner ist als eine Bärenmarke-Dose, aber sehr ergiebig. Man braucht nur eine Messerspitze davon.

Auch ein original zubereiteter Five O'Clock Tea kann beruhigen. Serviert mit englischem Teegebäck, Muffins oder Scones ist er eine kleine Entspannungs-Mahlzeit am späten Nachmittag. Allein Namen wie "Venusmond", "Sternenklang" und "Elfentraum" auf den diversen Kräutertee-Packungen im Teehaus am Monheimer Rathaus verheißen Momente ohne Stress und Hektik. Zutaten wie Johanniskraut, Lavendel und Melisse sorgen dafür, dass der Alltag bei einem Tässchen Tee langsam in eine kleine Oase der Ruhe münden kann.

Quelle: RP
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