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Monheim
Die Auen-Fotografin

Monheim: Die Auen-Fotografin
Ingrid Knebel hat unzählige Fotos von der heimischen Natur geschossen. Eine Auswahl davon - mit kundigen Texten - präsentiert sie jetzt im Internet. FOTO: rm-
Monheim. Ingrid Knebel ist mit ihrer Leica oft in der Urdenbacher Kämpe auf der Pirsch. Jetzt zeigt die Baumbergerin die "Naturwunder Monheims". Von Thomas Gutmann

Man muss sich das Ehepaar Knebel bei seinen Streifzügen durch die Urdenbacher Kämpe wie auf einem Spitzweg-Gemälde vorstellen. Er beobachtet durchs Fernglas einen Zugvogel, sie nimmt eine Wanze auf einem Schilfblatt unter die Lupe. Doch das Biedermeier-Idyll trägt nur augenscheinlich. Tatsächlich sind Ingrid und Wilhelm Knebel weit mehr als bloße Naturbeobachter - zwei der leidenschaftlichsten in unserer Region überhaupt. Wiederholt sind die beiden Baumberger aber für die Natur auch in die Bresche gesprungen. Etwa indem sie in den 1980er Jahren durch Unterschriftensammlungen einen Golfplatz bei Haus Bürgel verhinderten, ein kurzgemähtes Zuchtrasen-Terrain, zu dem der gemeine Monheimer sowie unzählige Tier- und Pflanzenarten keinen Zugang mehr gehabt hätten.

Jetzt hat Ingrid Knebel ihre Fundgrube geöffnet: mit hunderten selbstgeschossenen Fotos und Notizen von dem, was in der Urdenbacher Kämpe kreucht und fleucht. "Die Naturwunder Monheims" heißt ihre kürzlich freigeschaltete Internetseite.

Unter www.monheims-naturwunder.de finden sich Bilder von Pinselkäfer, Schmal- und Schenkelbock auf Wiesen-Bärenklau, von Spinnen, Faltern, Libellen und Heuschrecken, von rapsgelben Mai-Wiesen und überfluteten Stoppelfeldern, grasenden Rindern, klopfenden Spechten und schwimmenden Biberratten, Bäumen in Blütenweiß und Herbstlaubgold sowie von einem Himmel in allen Farben, die der Kosmos zu bieten hat, von Sturmgrau bis zu einem fast irreal anmutenden Violett.

Dazugestellt hat die 73-Jährige eine Auswahl ihrer Texte aus fast 40 Jahren: Naturschilderungen von ausgedehnten Spaziergängen, aber auch Fabeln mit grüner Moral und kritischen Anmerkungen zu Auenbesuchern, die sich mit Gleitschirmflug oder anderen Freizeitvergnügungen als Störenfriede im Naturschutzgebiet erweisen. Erstveröffentlicht wurden diese Beiträge zum Teil in "Stoppelfeld", einer Publikation, in dem die Knebels mit ihren Mitstreitern vom BUND und dem heutigen Nabu jahrelang für den Naturschutz in Monheim warben. In der Internet-Rubrik "Natur im Jahresspiegel" versammelt Ingrid Knebel überdies die 90 Folgen ihrer RP-Kolumne "Natürlich". Fast zwei Jahre (2003/04) ließ die Baumbergerin die Leser unserer Zeitung fast wöchentlich an ihren jeweils "aktuellen" Naturbeobachtungen teilhaben: vom winterlichen Hochwasser bis zur Herbstzeitlosen.

Sich selbst nennt Ingrid Knebel eine "Blattgrüne" - nicht parteipolitisch, sondern "von Herzen grün". Für den Naturschutz gewonnen habe sie der Fernsehjournalist Horst Stern mit seinen "erschütternden" Berichten über die Umweltverschmutzung in den 1970er Jahren, erzählt die gelernte Industriekauffrau und Mutter einer 41-jährigen Tochter.

1942 in Hilden geboren, wuchs Ingrid Knebel nach Evakuierung nach Thüringen zunächst in Essen, spätern in Düsseldorf-Hassels auf. "Mein Vater musste einen Tag nach meiner Geburt zurück an die Front, erst 1947 kehrte er aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück", erinnert sich die zierliche, aber energische Frau. Nur elf Jahre später starb, 46-jährig, der von Krieg und Stalins Lagern gezeichnete Vater. Gewiss hat auch solches Leid die Tochter Dankbarkeit gelehrt für die Schöpfung, das Unscheinbare eingeschlossen. "Spinnen und Insekten haben es mir besonders angetan. Sie kann ich mit großer Geduld beobachten. Ich möchte mit meinen Fotos und Berichten dazu beitragen, dass auch andere entdecken, wie schön und faszinierend diese oft verschmähten Tierchen sind."

Seit 1968 lebt sie mit ihrem acht Jahre älteren Mann, einem preisgekrönten Hobby-Ornithologen, in Baumberg gegenüber dem Bürgerhaus. Seit 52 Jahren sind sie verheiratet. Der 81-Jährige selbst kann altersbedingt nicht mehr auf die Pirsch gehen. Ingrid Knebel aber zieht es mit ihrer Leica V-Lux 1, Stift und Notizblock noch fast täglich in die Kämpe. Jetzt, im Spätherbst, freut sie sich auf rauschendes Schilf und Wintergäste wie die Krickente.

Quelle: RP
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