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Torsten Schams
Feuerwehr setzt auf Digitalfunk

Langenfeld. Der Kreisbrandmeister hebt den Nutzen der neuen Technik hervor. Auf die Kommunen kommen indes hohe Kosten zu.

Herr Schams, im Kreis Mettmann befindet sich eine von vier Leitstellen in NRW, in denen die Umrüstung auf digitalen Funk als Pilotprojekt läuft. Wie geht es voran?

Schams Wir gehen davon aus, dass die Migration der Digitalfunk-Schnittstelle der Kreisleitstelle im Herbst abgeschlossen ist. Gesteuert vom Innenministerium für Inneres und Kommunales, entwickeln wir zusammen mit den Feuerwehren, den Hilfsorganisationen und der Industrie den Standard, der künftig dann landes- und sogar bundesweit gelten soll. Die Umstellung ist ein Bundesprojekt, das auf Landesebene umgesetzt wird. Derzeit läuft der erweiterte Probebetrieb. Ich rechne damit, dass im Dezember der "First Call" über Digitalfunk abgesetzt wird.

Die Kommunen hinken teilweise noch hinterher. Erst kürzlich hat beispielsweise Monheim 160 000 Euro nachträglich in den Haushalt aufgenommen, um die Systemumstellung zu finanzieren. Ratingen ist hingegen schon deutlich weiter. Woran liegt das?

Schams Die Beschaffung der Digitalfunktechnik und die Schulung der Einsatzkräfte obliegt originär der kommunalen Selbstverwaltung, so dass die Gründe für eine spätere Beschaffung der notwendigen Technik von hier aus nicht beurteilt werden können. Da die Städte im Südkreis nicht auf die Kreisleitstelle aufgeschaltet sind und eigene Nachrichtenzentralen betreiben, müssen hier gegebenenfalls individuelle Lösungen geschaffen werden, welche erhöhten Aufwand bedeuten würden. Trotzdem wird auch dort der digitale Funk eingeführt. Die Netzabdeckung im Land Nordrhein-Westfalen (NRW) ist zudem noch nicht bei 100 Prozent. Es müssen noch etwa 700 Maßnahmen umgesetzt werden - von der Errichtung neuer Basisstationen bis zur Nachjustierung der Antennen. Auch die Haushaltslage der jeweiligen Städte spielt eine Rolle. Für die Umstellung auf digitalen Funk müssen die Kämmerer viel Geld in die Hand nehmen.

Inwiefern ist das so, und wofür wird das Geld ausgegeben?

Schams Es werden derzeit im Kreis Mettmann etwa 350 Funkgeräte fest in Fahrzeugen verbaut. Hinzu kommen etwa 650 Funkgeräte für den Handsprechfunkbetrieb. Alleine daraus ergeben sich Kosten in Höhe von 1,5 bis 1,8 Millionen Euro. Auch die Schulung des Personals sowie die Unterhaltung des Systems kostet Geld.

Welche Vorteile bietet die neue Technik für die Abläufe im Rettungswesen insgesamt?

Schams Am Ende der Entwicklung soll ein bundesweit einheitliches Netz entstehen, das Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und andere Hilfsorganisationen auch im Rahmen des Katastrophenschutzes verbindet. Das erleichtert viele Abläufe enorm. Die Sprachqualität ist bedeutend besser, und es gibt keine Probleme mehr mit analogen Systemen, die nicht kompatibel sind, wenn man von Stadt zu Stadt oder darüber hinaus zu einem Einsatz fahren muss. Das digitale Netz ist verschlüsselt und kann nicht ohne weiteres abgehört werden.

Wie ist der genaue Zeitplan?

Schams Wann genau Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz in den endgültigen Betrieb einsteigen, ist noch nicht genau vorherzusagen. Die derzeitigen Planungen gehen davon aus, dass bis Ende des Jahres 2016 alle 53 nichtpolizeilichen Leitstellen im Land betriebsbereit sein werden. Bei der Landespolizei läuft der Wirkbetrieb seit Ende 2014. Im Moment suchen wir noch Lösungen für einige Detailfragen bei der Feuerwehr - zum Beispiel für den Funkverkehr in großen und stark abschirmend wirkenden Gebäudekomplexen. Dort sind teilweise eigene Netze nötig.

Erfordert der Digitalfunk neben der Technik auch neues Personal?

Schams Ja. Es wurden anderthalb Stellen geschaffen, die sich nur um den Digitalfunk kümmern. Die Kollegen programmieren und reparieren die Endgeräte, die, ähnlich wie Handys, Sicherheitskarten haben. Die zentrale Stelle für die Programmierung ist bei der Feuerwehr in Ratingen angesiedelt. Das ist ein aufwendiges Verfahren, aber es lohnt sich. Am Ende dient es auch der Effektivität der Einsatzkräfte im Kreis.

DIE FRAGEN STELLTE RP-MITARBEITER DORIAN AUDERSCH.

Quelle: RP
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