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Monheim
Historiker schreibt Stadtgeschichte neu

Monheim: Historiker schreibt Stadtgeschichte neu
Bürgermeister Daniel Zimmermann und Autor Karl-Heinz Hennen (r.) präsentieren Band 1 der "Geschichte der Stadt Monheim am Rhein". FOTO: Thomas Spekowius
Monheim. Der Monheimer Karl-Heinz Hennen hat jetzt den ersten von vier Bänden zur Monheimer Geschichte präsentiert. Von Heike Schoog

Der promovierte Historiker und langjährige Leiter der Volkshochschule Monheim, Dr. Karl-Heinz Hennen, hat die Geschichte der Rheingemeinde neu aufgerollt und sie so vom Staub befreit. "Jede Zeit hat nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch eine eigene Ansicht von der früheren Geschichte", zitiert er den Publizisten Georg Herwigh (19. Jahrhundert). Hennen, der sich schon seit 40 Jahren mit Monheims Geschichte befasst, hat die Ärmel hochgekrempelt, alte Quellen neu gesichtet und ist so zu neuen Erkenntnissen gelangt. "Es ist mir gelungen, den Weihestein von Haus Bürgel genauer zu datieren", berichtet Hennen. "Das Datum hing an einem einzigen Buchstaben, einem ,D'", beschreibt er sein Vorgehen. Das machte es möglich, den Stein genauer zu datieren, nämlich auf die Jahre zwischen 89 und 96 nach Christus." In dieser Zeit sei neben dem Römerlager in Neuss-Grimmlinghausen auch das Lager an Haus Bürgel entstanden.

Solche und andere neue Erkenntnisse hat Hennen im Auftrag der Stadt Monheim zusammengetragen. "Schwerpunkt der modernen Geschichtsschreibung ist heute nicht mehr die Beschreibung von Herrscherhäusern, sondern auch das Leben der normalen Leute findet in Geschichtsbücher Eingang."

Auch wenn das Werk des Historikers einen wissenschaftlichen Anspruch hat, ist es gut lesbar und kommt bei den Monheimern auch gut an. "Wir haben bereits 150 Exemplare in zwei Wochen verkauft", sagt Linda Rossbach von der gleichnamigen Bücherstube an der Alten Schulstraße in Monheim.

Unterstützung bei den Quellenstudien hat Hennen bei Stadtarchivar Michael Hohmeier gefunden. "Das ist mein Job", so Hohmeier. Jeder, der sich für die Monheimer Geschichte interessiert, bekommt hier Auskunft."

Doch die Quellenlage für den ersten Band der vierteiligen Geschichtsreihe ist dürftig. Hohmeier etwa hat Hennen ein Annotationsbuch aus dem Jahr 1400 zur Verfügung gestellt. "Das ist eigentlich nur eine Kladde, in der es Einträge zu Neubürgern ebenso gibt wie die Dokumentation der Brotpreise", erläutert Hohmeier. Doch als historische Quelle sei es sehr wertvoll.

Ist die Quellenlage für den ersten Band, der von den Siedlungsanfängen bis zum Ende der französischen Herrschaft (1815) reicht, noch dürftig, so ist sie für den vierten Band, der sich mit der Zeit von 1960 bis 2018 befassen wird, eher zu üppig. "Dafür gibt es Quellen im Überfluss", sagt Hennen.

Zwischen 2000 und 2500 Arbeits- und Recherchestunden rechnet er pro Band. "Das ist jetzt meine Hauptbeschäftigung", sagt der 73-jährige Ruheständler, dem während seiner Berufstätigkeit wenig Zeit für seine historischen Ambitionen blieb. "Jedes Jahr", so Hennen, soll ein Band erscheinen. So ist es geplant. "Aber ich habe keinen Zeitdruck."

Zur Monheimer Geschichte gibt es bereits einige Publikationen. Was bislang vermisst wurde, ist eine umfassende Darstellung, die in Form einer übersichtlichen Präsentation, historisch fundiert und dabei doch gut lesbar, die wichtigsten Erkenntnisse aus bisherigen Forschungen zusammenfasst, alte Quellen kritisch hinterfragt und neue auswertet. Aus diesem Grund habe die Stadt das Buchprojekt angestoßen, sagt Sprecher Thomas Spekowius. Kosten pro Band: 25.000 Euro.

Quelle: RP
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