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Kolumne Calm Down (20)
Je länger der Strumpf, desto ruhiger der Stricker

Kolumne Calm Down (20): Je länger der Strumpf, desto ruhiger der Stricker
Das "Wollwiesel" von Waltraud Grund (l.) in Baumberg ist Treffpunkt von Hobby-Strickern. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Für Waltraud Grund ist Stricken "Wellness" - ihr größtes Hobby, das sie zum Beruf gemacht hat. Die Baumbergerin betreibt an der Hauptstraße einen eigenen Laden. "Wollwiesel" heißt der und hat vor allem Garn im Sortiment.

Dabei fing es mit Waltraud und der Wolle eigentlich gar nicht gut an. "In der Schule fand ich Stricken furchtbar", erzählt die 66-Jährige. Erst durch eine Kollegin wurde sie dafür begeistert. Die hatte eine Strickjacke für ihren Schwager gemacht, die Waltraud Grund so sehr gefiel, dass sie auch eine für ihren Mann stricken wollte. Danach hörte sie mit dem Nadelklappern nicht mehr auf. "Mein Mann trägt die Jacke noch heute, gut 45 Jahren danach, bei der Gartenarbeit."

Strickten fürs Altersheim: (v.l.) Waltraud Grund, Silke Blacha, Heike Uchmann, Ingeborg Weiland und Ingeborg Bumstead. FOTO: Ralph Matzerath

Vor 15 Jahren fing die Baumbergerin neben Pullovern, Mützen und Schals auch mit Socken an. An den Fußüberziehern gefällt ihr besonders, dass durch das bunte Garn wie von selbst Muster entstehen. "Der Absatz bei Freunden und Verwandten ist ja auch nicht schlecht, jeder braucht Socken." Jedes Jahr informiert sich Waltraud Grund auf der "h+h Köln", der weltgrößten Handarbeits- und Wollmesse, über Trends und Produkte. Inzwischen strickt sie hauptsächlich fürs Geschäft. Sie erstellt Muster, an denen ihre Kunden sehen können, wie das fertige Strickteil aussieht. Fertige Strickware setzt sie kaum ab, denn die meisten ihrer Kunden haben selbst das "Strickvirus". "In dem von mir gegründeten Strickkreis tauschen wir uns über neue Techniken aus", sagt Waltraud Grund. Mittlerweile sei der Kreis zu groß fürs "Wollwiesel" geworden.

Warum ist das Stricken so entspannend? "Man kann durch die Bewegung innere Unruhe abbauen und dabei vor sich hin sinnieren", sagt die Baumbergerin. Gestern spendete sie mit Unterstützung ihrer Mitstrickerinnen schon zum dritten Mal Socken an ein Altenheim - diesmal an das St. Marien in Monheim. 100 Socken für 95 Bewohner. Neben den normalen Wollsocken wurden auch gehäkelte Hausschuhe für Rollstuhlfahrer und Spiralsocken beigesteuert. "Spiralsocken sind besonders gut für bettlägerige Senioren geeignet, da sie keine Fersen haben und sich dadurch im Bett mitdrehen, ohne unangenehme Druckstellen zu erzeugen."

Irmgard Hoffmann, Pflegechefin im St. Marien, ist wie ihre Kolleginnen dankbar für die Spende: "Wir hängen die Socken den Bewohnern zu Weihnachten an ihre Türen - da wird die Freude sicher groß sein."

Viele der Heimbewohnerinnen haben früher Kleidung für ihre Kinder gestrickt. Auch heute beschäftigen sie sich noch gerne damit. In der Strick- und Häkelgruppe des Altenheims bekommen sie dafür die nötige Unterstützung. Zur Zeit häkeln sie bunte Vierecke, die zusammengefügt Patchworkdecken ergeben. Ein Geschenk für ihre Lieben.

ISABELLA PLUTTA

Quelle: RP
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