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Langenfeld
Jetzt ist auch der Bäcker fort

Langenfeld: Jetzt ist auch der Bäcker fort
Andrea Unselm bedauert es sehr, dass in ihrem Stadtteil ein Laden nach dem anderen schließt. Die Nahversorgung wird schwierig. FOTO: rm-
Langenfeld. Nicht nur Erika Terstesse schließt Mitte Oktober ihr Café. Bäcker Gorny hat sang- und klanglos dichtgemacht. Von Isabel Klaas

Das Subzentrum Langfort verändert sich. Nicht zum Positiven - finden viele Anwohner. Erika Terstesse und ihr Café "Kaffeezeit" sind nicht die einzigen, die Langfort den Rücken kehren. Der Bäcker Detlef Gorny hat es bereits in der vorigen Woche getan, und zwar ohne Ankündigung, so dass seine Kunden unerwartet vor verschlossenen Türen standen. "Ja, ich habe es versäumt, etwas zu sagen", sagt Gorny auf Anfrage, "das tut mir auch sehr leid, besonders für die treuen Kunden." Doch schenkt man ihm Glauben, sind das nicht sehr viele gewesen. Auf jeden Fall zu wenige um zu überleben. "Ich hätte eigentlich schon vor zwei Jahren dicht machen müssen", sagt Gorny, mit 68 Jahren im Rentenalter. Neben der Filiale in Langfort hat er auch seine Geschäfte in Monheim geschlossen.

Gemessen am Aufschrei, der derzeit zu hören ist, sei der Umsatz in Langfort nicht berauschend gewesen, erzählt Gorny. "Die Leute, die sich jetzt beschweren, hätten mal besser mehr bei mir gekauft." Die meisten hätten nur kleine Gelegenheitskäufe bei ihm getätigt und alles andere im Supermarkt geholt. "Nur samstags war das Geschäft ein bisschen besser", sagt Gorny. Die Aussichten auf einen neuen Bäcker sind seiner Ansicht nach schlecht. Das ärgert Andrea Uselm, die meint, in ein Mini-Zentrum wie Langfort gehöre unbedingt ein Bäcker.

Während Ralph Hoyer mit seinem Reisebüro H&S-Reisen jetzt 25-Jähriges feierte und das Ristorante La Grappa am 4. Oktober seine Gäste zum 30-jährigen Bestehen einlädt, leeren sich die anderen Ladenlokale nach und nach. Auch die Parfümerie Kullmann hat geschlossen. "Es ist superschade, dass es fast keinen Kommunikationspunkt mehr hier gibt", sagt die ortsansässige Apothekerin Caren Daube, die früher einmal sehr bemüht um die Darstellung des Einkaufszentrums war. Mittlerweile haben Hoyer und sie aufgegeben. Die Werbegemeinschaft hat sich aufgelöst. Das beliebte Kürbisfest wird es nicht mehr geben, weil der Aufwand zu groß ist, sagt Hoyer. Auch der kleine Wochenmarkt, der 2010 mittwochs und samstags vielversprechend startete, ist eingeschlafen. Lediglich der Metzger kommt derzeit noch.

Das Subzentrum wird zum Dienstleistungsschwerpunkt. Ärzte, Therapeuten, Physiotherapie, Pflegedienst - sie füllen den Leerstand. Für Ralph Hoyer ist der Wandel kein Problem. "Die Raumkultur", die neuerdings mehrere Handwerker in einem Ladenlokal Am Stadion vereinigt, habe doch ein sehr hochwertiges Angebot ebenso wie die Maklerin Angelika Sänger. Jan Christoph Zimmermann, Citymanager der Stadt, hatte den Ortsteil im April dieses Jahres schon als "schwierig" eingestuft, aber auch gesagt: "Die Nahversorgung ist mit Netto gegeben." Aber seit der Bäcker fort ist, fürchten viele Anlieger, dass auch der Discounter schließt, sobald der neue Rewe-Einkaufsmarkt in Berghausen eröffnet. Denn der ist für Langforter und Berghausener zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen.

Quelle: RP
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