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Langenfeld hängt NS-Gedenken tief

Analyse: Langenfeld hängt NS-Gedenken tief
Nicht Standard: Gedenkfeier 2014 mit Schülern am Mahnmal neben St. Josef. Der Anlass damals: 100. Todestag von Bürgermeister Felix Metzmacher. FOTO: Verein
Langenfeld/Monheim. Während die "Pogromnacht" fest verankert ist im Gedenkkalender in Monheim, ist es am 9./10. November ums Langenfelder Mahnmal oft einsam. Auch beim Thema Stolpersteine will man es - so Bürgermeister Frank Schneider (CDU) - "nicht übertreiben". Von Thomas Gutmann

Eine Kirche, ein Mahnmal, ein 9. November. Beides gibt es in Langenfeld und Monheim. Und doch haben sich gestern beide Städte wie Tag und Nacht unterschieden. Wie so oft am 9. November. Während sich in Monheim unter anderem Vertreter der Stadt einschließlich des Bürgermeisters sowie Pfarrer, Schüler und Lehrer versammelten, um der Opfer des Nationalsozialismus, besonders der jüdischen, zu gedenken, blieb es ums Mahnmal neben St. Josef stadtoffiziell wieder einmal einsam.

Dabei hätte Langenfeld sogar mehr Grund als Monheim, der sogenannten Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 zu gedenken. Denn nicht in Monheim, wo kaum Juden lebten und es schon lange kein (privates) jüdisches Bethaus mehr gab, ging eine Synagoge in Flammen auf, sondern in Langenfeld. Nicht in Monheim assistierte die Feuerwehr dem von höchster Stelle in Berlin befohlenen Staatsterror gegen Leib, Leben und Eigentum von Juden, sondern in Langenfeld. "Die Feuerwehr rückte lediglich an, um das Haus neben der in Brand gesetzten Synagoge an der heutigen Hauptstraße zu schützen", weiß Historiker Günter Schmitz. Das war einen Tag nach der "Reichskristallnacht": Die Gemeinde Langenfeld hatte der Familie von Hausmeister Rippel zunächst eine andere Wohnung zugewiesen, ehe SA und SS die verwüstete Synagoge unter Anteilnahme einer größeren Menschenmenge in Brand setzten.

Wer im Rathaus nach der "Lücke" beim Gedenken fragt, wird unter anderem auf VHS-Führungen auf dem jüdischen Friedhof hingewiesen. Oder auf Filmvorführungen über Geschichte und Schicksal der Langenfelder Juden.

An die NS-Diktatur erinnert wird auch bei der jährlichen Gedenkfeier am Wenzelnberg. Die Exekution von 71 Gefangenen aus bergischen Haftanstalten im April 1945 war das nach Opferzahlen schlimmste NS-Einzelverbrechen auf Langenfelder Boden. Indes ist die Erinnerung an den Massenmord kaum dazu geeignet, das Gedenken an den Unrechtsstaat zu befördern. Noch heute meint manch ein Angehöriger der "Erlebnisgeneration": Die Mehrzahl der im Wald bei Wiescheid Getöteten seien doch "nur normale Kriminelle" gewesen. Auch vielen Nachgeborenen ist es schwer zu vermitteln, dass es für die Beurteilung eines Massakers als Unrecht keinen Unterschied macht, ob jemand als Straftäter oder Unbescholtener ermordet wird. Entsprechend sperrig ist dieses Gedenken an nicht nur örtlich abseitigem Ort. Dennoch sind die Wenzelnberg-Feiern von Langenfeld und vier weiteren Städten wichtig. Aber: Erreichen sie die Herzen der Langenfelder?

Die Stolpersteine, die NS-Opfern Namen, Lebensdaten und Wohnadresse zurückgeben, sind dafür weit besser geeignet. Doch auch hier passt es ins Bild, wie unterschiedlich Langenfeld und Monheim mit dem Thema umgehen. In beiden Städten gibt es Bürger, die sich aufgrund eigener und fremder Forschung für die quantitative und qualitative Erweiterung des Stolperstein-Ansatzes einsetzen. Doch während Karl-Heinz Hennen auf Unterstützung aus dem Monheimer Rathaus zählen kann ("über alle Fraktionsgrenzen hinweg"), stoßen Karl-Heinz König und Rolf Gassen in Langenfeld auf Unverständnis. Dem ersten Kinderarzt der Stadt, einem Juden, einen Stolperstein widmen? Nicht doch. Schließlich wurde Dr. Hugo Zade nach gut 30-jährigem Wirken in Langenfeld nicht von Langenfeld, sondern von Köln aus ins KZ Lodz abkommandiert, ehe er 1944 mit Frau und Tochter in Auschwitz umkam. Zudem - mit diesem Hinweis gaben sich in der letzten Ratssitzung sogar die Grünen zufrieden - gebe es bereits einen Stolperstein für Zade in Köln. Dazu Künstler Gunter Demnig, der die Steine deutschlandweit verlegt: "Es geht um den letzten ,freiwillig' gewählten Wohnsitz, und das war Köln ja wohl nicht! Die Bürokraten haben da was missverstanden. Auch eine Doppelverlegung passt durchaus in mein Konzept."

Quelle: RP
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