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Monheim
Monheim schreibt seine Geschichte neu

Monheim: Monheim schreibt seine Geschichte neu
Unter anderem hinterm "Spielmann" stieß Bauforscherin Maren Lüpnitz (neben ihr Stadtplanungschef Thomas Waters) auf Monheimer Ur-Mauerwerk. FOTO: Matzerath
Monheim. Aber vom Bild einer Stadtmauer gilt es Abschied zu nehmen. Das zeigen neue Forschungen. Von Thomas Gutmann

Mittelalter-Romantiker aus Monheim müssen sich von einer liebgewonnenen Vorstellung verabschieden: Die alte Freiheit hatte, anders als in einem Modell im Heimatmuseum Deusser-Haus dargestellt, keine Stadtmauer. "Vermutlich war das spätmittelalterliche Monheim statt dessen mit einem hölzernen Bollwerk mit Graben unter Einbeziehung von gemauerten Häusern befestigt", sagt Dr. Maren Lüpnitz. Im Alten Zollhaus stellte die Architektin jetzt ihre Forschungsergebnisse zur Altstadt vor.

Die Kölner Expertin für historisches Mauerwerk mit Lehrauftrag an der TH Dortmund untersuchte in den vergangenen Monaten zahlreiche Altstadtkeller. Zudem konsultierte sie in Archiven schlummernde Bauakten. Dabei stieß sie an verschiedenen Stellen rund um den Alten Markt, so etwa an der "Freiheit" und hinterm "Spielmann" am Kirchhof von St. Gereon, auf gleichartiges Naturstein-Mauerwerk aus romanischer Zeit (ca. 11.-13. Jh.). "Das sind wahrscheinlich Überreste des ältesten Kerns der Stadt, des Fronhofs", ist Lüpnitz überzeugt.

Besagte Mauerreste lassen sich der Expertin zufolge nur als Raum-Relikte deuten und nicht zu einer Mauerflucht zusammenfassen. Ein wesentliches Argument dafür, warum sie die Kernfrage ihrer Forschung im Auftrag der Stadt verneint. Die lautete: Hatte Monheim eine Art Stadtmauer? Weitere Puzzleteile für das neue Befestigungsbild fand Lüpnitz an der Grabenstraße mit dem Schelmenturm. Neben dem Flurnamen deuten Quellenaussagen auf einen Graben hin: Danach waren für den Bau von Häusern wegen des sandigen Bodens Aufschüttungen nötig. Ungewöhnlich laut Lüpnitz die Anordnung der historischen Keller zur Straße hin: Statt wie üblich mit der Quer- stoßen sie mit der Längsseite an die Straße. "Dies lässt vermuten, dass die damaligen Häuser Bestandteil der Befestigung waren. Mindestens die Lücken zwischen ihnen dürften mit Palisaden (Holzpfählen) geschlossen gewesen sein." Da Mauerziegel und Mörtel denen vom Schelmenturm gleichen, sind die Keller in die Zeit der letzten von drei urkundlich erwähnten Befestigungen Monheims (1275, 1415 und 1423) zu datieren.

Die Forschungsergebnisse stießen im Alten Zollhaus auf großes Interesse. "Über die Befestigung an der Grabenstraße wissen wir jetzt mehr, aber wie sah es an den anderen Seiten aus", fragte eine Zuhörerin in dem vollbesetzten Wirtshaus. "Hier weiterzuforschen wäre spannend", sagte Lüpnitz. Bürgermeister Daniel Zimmermann versprach, solche Untersuchungen bei Tiefbauarbeiten zu ermöglichen. Zunächst einmal sollen die neuen Erkenntnisse in den Guss eines Bronzemodells des historischen Monheims (15. Jahrhundert) für den Alten Markt fließen. "Außerdem werden sie in einer kleinen Ausstellung zur Befestigungsgeschichte im Schelmenturm Berücksichtigung finden", kündigte Zimmermann an.

Monheims Stadtarchivar Michael Hohmeier sieht sich durch die Bauforschung in seinem "Abschiednehmen" vom Mythos "Stadtmauer" bestätigt: "Die alte Freiheit war Zollstelle. Und für den Zweck der Warenkontrolle reichte eine Befestigung mit Bohlen allemal."

Quelle: RP
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