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Langenfeld
Schlaganfall-Patientin malt jetzt mit links

Langenfeld. Nach ihrer schweren Erkrankung hat sich die Langenfelderin Regina Hallen langsam erholt und malt wieder. Von Viola Gräfenstein

20 Acryl- und Ölbilder hängen an den Wänden des St. Martinus Krankenhauses in Richrath. Die Bilder zeigen persönliche Motive aus dem Leben von Regina Hallen (49). Langsam hinkt sie, auf einen Stock gestützt, an ihrer Bildergalerie vorbei und erzählt zu jedem Werk eine Geschichte. Es sind Menschen und ein Pärchen in fast surrealen, mediterranen Landschaften zu sehen. "Das sind meine Lieblingsbilder. Ich habe dieses Pärchen zusammengebracht. Sie sind heute verheiratet", sagt Regina Hallen und sucht nach Worten. Als sie ihre Bilder vorstellt, leuchten ihre grünen Augen. Regina Hallen versprüht Lebensfreude pur. Dabei versteckt sich hinter der Entstehung ihrer Bilder eine traurige Geschichte.

Vor sieben Jahren erlitt die ehemalige Verwaltungsangestellte unerwartet einen Schlaganfall. Nachdem ihr nicht gut gewesen war, fuhr sie zu ihrem Hausarzt. Dort brach sie zusammen. Kurze Zeit später stand die Diagnose fest. Regina Hallen hatte eine Hirnblutung erlitten. Die Blutung beeinträchtigte ihre Gehirnfunktionen. Als sie nach der Operation aus dem dreiwöchigen Koma erwachte, hatte sich ihr Leben komplett geändert. Sie konnte nicht mehr gehen, sprechen und lesen. Ihre rechte Hand ist bis heute unbeweglich. Jeden Tag stellte sich die Verwaltungsangestellte die Frage, warum sie diese Krankheit getroffen hatte.

Drei Jahre weinte sie, dann fing sie an, ihren Schlaganfall zu akzeptieren. "Mein Physiotherapeut, Richard Kulbatzki, ermunterte mich dazu, wieder zu malen. Ich bin ihm dafür sehr dankbar", sagt die leidenschaftliche Hobbykünstlerin. An der rechten Wand hängen die Bilder, die Regina Hallen vor ihrer Krankheit gemalt hatte, auf der linken Seite präsentiert sie die Werke, die sie nach dem Schlaganfall produziert hat. Das Besondere: Regina Hallen malte diese Bilder mit ihrer linken Hand.

Das erste Bild aus dieser Reihe zeigt einen Schmetterling. "Das Werk hat Regina Hallen mir gewidmet, weil ich sie dazu angespornt habe, das zu tun, was sie wirklich liebt. Es ist eine große Herausforderung für sie, mit links zu malen, aber sie hat das toll hinbekommen", sagt Richard Kulbatzki, der die Künstlerin bei der SGL Physiosport seit rund fünf Jahren physiotherapeutisch behandelt. Dr. Sabine Rosenthal, kennt Regina Hallen seit Jahren. Sie sah die Bilder ihrer Bekannten und war sofort begeistert. Schließlich organisierte sie die Ausstellung im St. Martinus Krankenhaus.

"Regina Hallen ist eine sehr vielseitig begabte Frau, die viele Dinge selbst gemacht hat. Sie gehört zu der Art Mensch, die mehr gibt als nimmt", sagt Rosenthal. Vor der Erkrankung baute Hallen ein Gartenhaus, hatte eigene Kunstausstellungen, fuhr Wasserski und liebte es, in Stöckelschuhen zur Arbeit ins Finanzministerium Düsseldorf zu gehen.

All das kann sie heute nicht mehr. "Das Malen scheint ihr Kraft und Selbstbewusstsein zurückzugeben. Regina Hallen ist für mich nicht nur als Mensch, sondern auch als Künstlerin ein echtes Vorbild", bekräftigt Kulbatzki.

Unterstützung erhielt Regina Hallen von ihrer ganzen Familie und ihren Freunden, die sich alle liebevoll um ihre damals zehnjährige Tochter Katharina kümmerten. "Das war sehr hart für mich zu sehen, dass meine Tochter mich in diesem Zustand erleben musste. Die Mutter-Kind-Rolle drehte sich auf einmal um. Meine ganze Familie und besonders mein Mann hatten sehr viel Geduld mit mir. Ich musste erst einmal selbst verstehen, was da mit mir passiert war. Ich bin ihnen sehr dankbar", sagt die 49-Jährige mit Tränen in den Augen. Regina Hallen ist in Rente, aber mit dem Malen will sie nicht aufhören.

Quelle: RP
 
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