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Langenfeld
Senioren trainieren Körper und Geist

Langenfeld: Senioren trainieren Körper und Geist
Dörte Czepa (mitte) trainiert mit Senioren sicheres Stehen und Gehen. Dabei werden Übungen für Rücken- und Bauchmuskulatur angeboten. . FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. CBT Begegnungsstätte und Volkshochschule arbeiten zusammen - um Senioren die Bewegungsfähigkeit zu erhalten und Stürze zu vermeiden. Von Dirk Neubauer

Volkshochschulkursus-Nummer 5217: Sie haben einander ihr Alter gebeichtet. Als Ü70 ginge das Damen-Dutzend locker durch, wenn es denn Disco-Abende für dieses Alter gäbe. Die Seniorin der Runde ist 95 Jahre alt. Sie alle wollen auf den Beinen bleiben - und haben für sich erkannt, dass dafür auch etwas Fleiß und Disziplin notwendig ist. Es wird viel gelacht, an diesem Nachmittag im CBT Wohnhaus St. Franziskus. Und das findet Kursleiterin Dörte Czepa nicht nur aus psychologischen Gründen gut: "Lachen stärkt die Bauchmuskulatur." Und genau dort - rund um den Bauchnabel - ist eine der kritischen Zonen für alte Menschen.

Denn wer viel sitzt, baut genau dort die Muskeln ab, die für die Haltung notwendig sind. "Bauch- und Rückenmuskulatur sind ganz entscheidend dafür, dass man auch im hohen Alter längere Strecken zurücklegen kann", weiß Dozentin Czepa. Sie ist ein Glücksfall - für die Damen im Kurs und für das CBT-Haus. "Bislang hat eine Mitarbeiterin von uns solche Kurse gegeben", sagt die zuständige Leiterin Ulrike Kniep. Doch die ist mittlerweile selbst in den Ruhestand gegangen. Also war es gut, dass das CBT-Haus und die Volkshochschule als Kooperationspartner zueinander kamen.

Dreieinhalb Monate lang ist die Gruppe nun hier zusammen - 14 Wochen à 45 Minuten. Einige brauchen einen Stock oder einen Rollator. Dennoch bekommen sie mit wenigen Ausnahmen dieselben Übungen wie jene, die noch nicht auf eine Gehhilfe angewiesen sind. Macht ein Rollator abhängig - verführt er nicht dazu, gebeugt und nach vorn abgestützt zu gehen? Kursleiterin Czepa überlegt: "Nein, das glaube ich nicht. Ich habe es vielmehr oft erlebt, dass ein Rollator den Aktionsradius von älteren Menschen vergrößert - und damit ihre Lebensqualität deutlich steigert." Wichtige Grundvoraussetzung: Jemand muss die Gehhilfe richtig einstellen und den sicheren Umgang mit dem Rollator zeigen.

Kritischer beurteilt die Dozentin da schon den Stock als Gehhilfe. "Viele Senioren wollen nur einen Stock benutzen. Das führt meist dazu, dass man schief geht - und sich einseitig belastet", sagt Dörte Czepa. Die Probleme werden eher größer als kleiner. Besser wäre es aus ihrer Sicht, die Last des eigenen Körpers auf beide Seiten gleichmäßig zu verteilen. "Zwei Gehstöcke - so wie beim Walking - sorgen für eine geradere, aufrechtere Haltung." Sie haben Spaß miteinander - in diesem VHS-Kursus. Nach dem Warmwerden wird mit breiten Gummi-Gymnastikbändern gearbeitet. "Das kräftigt die wichtigen Körperpartien im Rücken, im Schulter-Bereich und innerhalb der Bauchmuskulatur", sagt Kursleiterin Czepa. Eine Teilnehmerin hat einige Fragen zu ihrem Rollator. Czepa vertröstet sie auf die Zeit nach Kursende. Dann gibt es eine Extraberatung.

Eine Krux hat die Kursleiterin erkannt - bei den sportlichen Damen, die jeweils freitags ab 15.30 Uhr im CBT Begegnungszentrum zusammenkommen: "Das sind die, die ohnehin den Wert eines regelmäßigen Trainings für sich erkannt haben." An die, die es eigentlich dringend nötig hätten, komme man hingegen nur sehr schwer heran.

Deshalb gilt für den VHS-Kursus 5217 eine goldene Regel: Wenn jemand diesen Text gelesen und für sich entschieden hat: "Da mache ich mit!" - Dann freuen sich alle anderen. "Wir werden niemanden abweisen. Und wer jahrelang nichts gemacht hat, braucht sich für nichts zu schämen." Eine fröhlich giggelnde Damenrunde ist bereit, jederzeit neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer mühelos integrieren.

Quelle: RP
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