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Analyse
So halten sich Hallenbäder über Wasser

Langenfeld/Monheim. Gestern hat das Langenfelder Hallenbad nach der Reinigungspause wieder eröffnet. Wie die meisten Sportbäder ist auch dieses Bad ein Zuschuss-Geschäft, hilft aber, die Kompetenz Schwimmen zu vermitteln - Kindern und Erwachsenen aus fremden Kulturen. Von Heike Schoog

Edelstahlbecken und Sprungtürme blitzen wieder. Duschköpfe und Kacheln sind ausgebessert. Die Bädertechnik ist fit für die neue Saison. Gestern hat das Langenfelder Hallenbad nach einer achtwöchigen Pause für die jährliche Grundreinigung wieder geöffnet - pünktlich zum meteorologischen Herbstanfang. Dass Kommunen Schwimmbäder unterhalten, ist jedoch längst nicht mehr selbstverständlich. Zur Finanzierung gibt es verschieden Modelle.

Modell 2005 hat die Stadt-Entwicklungs-Gesellschaft das Langenfelder Hallen- nebst Freibad übernommen. "Das finanzielle Risiko liegt allein bei uns", sagt Prokurist Detlev Müller, der zugleich Kämmerer ist. Mit der Sportgemeinschaft Langenfeld hat die Gesellschaft einen Dienstleistungsvertrag geschlossen, der den Betrieb des Bades regelt.

Die Stadt Monheim fährt ein anderes Modell - eine Bädergesellschaft, die in einer Holding mit den Stadttöchtern Mega und den Bahnen der Stadt Monheim zusammengeschlossen ist. Dort werden Überschüsse und Verluste gegeneinander gerechnet und ausgeglichen. Für die Allwetterbad-GmbH sichert das Konstrukt das Überleben. Der Versorger Mega etwa kann seine Steuerschuld über die Unterstützung des defizitären Schwesterbetriebs senken.

Kosten Die Langenfelder Bäder (Hallen- und Freibad sowie das Lehrschwimmbecken) benötigen im Schnitt einen Zuschuss von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr. "Manchmal ist es auch mehr, wenn etwa Sanierungs- oder Umbaukosten anfallen", sagt Müller. Er hofft, dass dieser Betrag nach Abschluss der Arbeiten unter eine Million Euro sinken wird. In Monheim rechnet der Geschäftsführer der GmbH, André Zierul, mit rund 1,5 bis 1,6 Millionen Euro Defizit pro Jahr. "Wenn wir ein Bad für alle sein wollen, müssen wir die Eintrittspreise niedrig halten", sagt er (5 Euro/Erwachsene). 1,3 Millionen Euro Umsatzerlös würden erwirtschaftet.

Aufgaben Als grundlegende Aufgabe eines Schwimmbads sieht Zierul, die "Kulturtechnik Schwimmsport" zu vermitteln. Viele Kinder könnten heute nicht mehr schwimmen. Auch viele der zugezogenen Menschen aus fremden Kulturen wären des Schwimmens nicht mächtig und hätten wenig Erfahrung mit Gewässern wie Rhein oder Baggerseen. Für Martin Bock, Vorsitzender der SGL, steht die Koordination der Sportangebote im Mittelpunkt. "Da sind wir als Verein nah dran und können schnell reagieren. Wir sind Bindeglied zwischen Vereinen und Stadt", sagt er. Von dem Dienstleister-Modell profitieren aus seiner Sicht deshalb alle Seiten: die Stadt, die Vereine und die sportlichen Bürger.

Quelle: RP
 
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