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Monheim
Das VHS- Semester ist eröffnet

Langenfeld. Mit einer Kishon-Lesung, begleitet von der Gruppe Crazy Freilach, hat die Monheimer Volkshochschule ihr Herbstsemester eröffnet. Emma Fridman betrat die Bühne im VHS-Saal und stimmte mit ihrer Geige in die Musik von Simon Boos (Klarinette), Julian Hilgert (Gitarre) und Daniel Zloty (Bass) ein. Es ist eine jener typischen Klezmer-Melodien, die mit einer wehmütigen Klage beginnen und plötzlich Fahrt aufnehmen, wobei sie in einen beschwingten Tanz umschlagen. Genauso könnte man viele Geschichten Kishons beschreiben, die Helmut Kuhnhenn zum Semesterstart vor gut 50 Zuhörern vortrug.

Ephraim Kishon (1924-2005) verstand es, das Komische im Ernsten zu sehen und dabei die Schwächen der Großen und der Kleinen so zu zeigen, dass man lacht, statt sich zu ärgern. Das ist überhaupt ein Wesenszug des jüdischen Humors: Mit einer einzigartigen Mischung aus Ironie und Anti-Logik verdreht er die Dinge so, dass das Komische einer Situation sichtbar wird, die eigentlich nicht zum Lachen ist. Wie bei der Jossele-Einstein-Methode: Man muss alles relativ sehen. Wenn die eigene Nationalmannschaft gerade übel vorgeführt wird, muss man sich nur vorstellen, das siegreiche Team sei das eigene, und schon genießt man ein tolles Spiel! Ungenießbare Reden von Ministern, als Satire betrachtet, werden mit einem Mal großes Kabarett. Dass Kishon ein ausgezeichneter Beobachter war, zeigt sein Text über ein Mittagessen mit Franz Josef Strauß, der bei der Begegnung über fast alles erschöpfend in vier bis sechs Punkten doziert. Rezitator Kuhnhenn trifft dabei den Tonfall des Ur-Bayern sehr gut - zum Vergnügen des VHS-Publikums. In anderen Texten unterstreicht er mit einer singenden Sprechmelodie die feine Ironie, schmeichelt, bittet, stammelt, poltert mit den Charakteren in den Geschichten.

Kishons Erzählungen und der Klezmer ergänzten sich wunderbar zu einem Tanz des Lebens, in dem auf engstem Raum, wie in einer Nussschale, viel von der jüdischen Kultur aufschien, mal klagend und verzagt, mal fröhlich und ausgelassen, immer gutmütig und warmherzig, selbst in der Konfrontation niemals bösartig: Das ist das Markenzeichen dieser sehr mitmenschlichen Kultur. Man spürt es, wenn Boos seine Klarinette am Anfang eines Stückes weinen und dann lachen lässt, wenn sie ihre Pirouetten dreht, Zloty mit seinem Bass das Bodenständige, Hilgert mit der Gitarre den Hintergrund und Fridman mit der Geige den Gesang des Lebens beisteuert.

Das Publikum genoss diese vitale Frischzellenkur. Die freiwilligen Spenden an dem Abend gehen an das Beratungscentrum, das unter anderem in Monheim untergebrachte Flüchtlinge betreut. dgn

Quelle: RP
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