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Langenfeld
Strauss hat aus eigenen Fehlern gelernt

Langenfeld: Strauss hat aus eigenen Fehlern gelernt
Die Geschäftsführer Uwe Gramminger (l.) und Hans Peter Döhmen (r.) sowie Kreativ-Chefin Tina Tosti haben am neuen Standort der Strauss-Zentrale eine Musterfiliale, in der die Wirkung der Sortimente erprobt wird. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Zentrale der Handelskette ist mit 120 Mitarbeitern innerhalb von Langenfeld umgezogen. Das Insolvenzverfahren ist aufgehoben, nun richten die Firmenchefs das Unternehmen neu aus: weg von Rabattschlachten, hin zu Verlässlichkeit. Von Stephan Meisel

Der Umzug innerhalb von Langenfeld steht für einen Neubeginn bei "Strauss Innovation". Die vor gut einem Jahr in finanzielle Schieflage geratene Handelskette hat ihre Zentrale mit etwa 120 Mitarbeitern von der Raiffeisenstraße an die Elisabeth-Selbert-Straße verlegt. "Das Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren Ende Januar aufgehoben, seither arbeiten wir wieder als normales Unternehmen", sagt Geschäftsführer Dr. Hans Peter Döhmen (57). Gemeinsam mit Uwe Gramminger (52) leitet er die Firma, die seit Ende 2014 der Beteiligungsgesellschaft "Mühleck Family Office" gehört und bundesweit 76 Warenhäuser betreibt.

Das ist Strauss Innovation FOTO: dpa, Martin Gerten

In der Vergangenheit habe Strauss zumindest zwei strategische Fehler begangen, die nach Döhmens Worten korrigiert und nicht wiederholt werden sollen. "Erstens müssen wir wegkommen von den Rabattschlachten der letzten Jahre. Es darf nicht mehr der niedrige Preis im Mittelpunkt stehen, sondern es geht vor allem um Qualität und nachhaltige Produkte." Die Preise sollen fair sein, könnten indes unter den genannten Ansprüchen steigen.

Zweitens müssen laut Döhmen die Sortimente konsequenter gestaltet sein als zuletzt. "Direkt neben einem Schal aus hochwertiger Cashmere-Wolle für 50 Euro darf kein Kunststoff-Schal für 2,50 Euro liegen. Solche Widersprüche fallen Kunden negativ auf." Das hätten beauftragte Marktforscher bei Befragungen festgestellt. Daran setzt die neue Kreativ-Chefin Tina Tosti an. "Meine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass Strauss wieder eine eigene Handschrift hat." Es gelte, über Farben oder ein Motto wie zurzeit "Strandhaus" oder demnächst "Stockholm" Verbindungen zwischen den Sortimenten Bekleidung, Wohnen und Lebensmittel herzustellen.

Indes dürfe die im Firmennamen enthaltene "Innovation" nicht "wie in der Vergangenheit übertrieben werden", betont Döhmen. Der zu schnelle Austausch von Sortimenten habe einerseits das eigene Personal in den Filialen organisatorisch überfordert, andererseits auch Kunden vergrault. "Viele wussten nicht mehr, wofür Strauss steht. Früher hatten sie dort immer ihre Bettwäsche gekauft, plötzlich wurden sie nicht mehr fündig." Wichtig sei es, wieder eine Balance zu finden zwischen einem soliden Basissortiment sowie wechselnden und überraschenden Angeboten.

Das Domizil an der Elisabeth-Selbert-Straße 13, in dem zuvor die Heidelberger Druckmaschinen AG residierte, hat nach Döhmens Angaben 3900 Quadratmeter Bürofläche und 2100 Quadratmeter Hallenfläche. Bis auf die in Solingen ansässige Logistik hat Strauss in dem Gebäude sämtliche Abteilungen untergebracht. Zudem können Lieferanten dort in einer Musterfiliale sofort sehen, wie ihre Produkte in den Strauss-Filialen präsentiert werden. Deren Zahl war in den vergangenen Jahren um etwa ein Viertel auf 76 geschrumpft. Weitere Schließungen seien nicht vorgesehen, sagt Döhmen. "Zwar ist auch für uns das Online-Geschäft wichtig, doch haben die stationären Läden Vorteile, indem sie Gefühle und Sinne der Kunden stärker ansprechen als das Internet. Nicht nur in unserer Langenfelder Filiale wollen wir das schönste Schaufenster der Stadt haben."

Langenfeld mit seiner zentralen Lage und guten Verkehrsanbindung sei als Firmensitz ein idealer Standort, sagt Döhmen, der vor seiner Anstellung als Geschäftsführer das Strauss-Insolvenzverfahren als Berater begleitet hatte. Die vergleichsweise niedrigen Gewerbesteuer-Sätze in Langenfeld spielten derzeit eine untergeordnete Rolle. "Nach den Verlusten der letzten Jahre müssen wir im Rahmen der weiteren Gesundung erst einmal wieder gewerbesteuerfähig werden."

Quelle: RP
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