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Weihnachts-Wissen (10)
Warum es einen Wunschzettel gibt

Langenfeld. Rituale und Bräuche sind aus der Adventszeit nicht wegzudenken. Doch woher kommen Apfel, Nuss und Mandelkern? Experte Manfred Becker-Huberti erklärt, was es damit auf sich hat.

Bis zur Reformation war das Kinder-Beschenken überhaupt nicht mit Weihnachten verbunden. Im Biedermeier des 19. Jahrhunderts bürgerte sich der "Wunschzettel" ein, mit dem Kinder des gehobenen Bürgertums ihre Eltern als Vermittler gegenüber dem Gabenbringer einsetzten. Dieser neue Brauch wird durch sein materielles Interesse an den "richtigen" Geschenken gekennzeichnet, der besitzenden Kreisen vorbehalten war. Vom Einkehrbrauch zu Nikolaus ist hier nur noch die Form erhalten, der Brauchgehalt ist verschüttet. In Köln schrieben die Kinder einen Wunschzettel an den heiligen Nikolaus, den sie in einem besonderen Beichtstuhl im Dom einwarfen, auf dem der heilige Nikolaus mit Schülern im Pökelfass abgebildet war. Auch heute schreiben Kinder Wunschzettel noch an den Nikolaus, oft auch an das Christkind oder den Weihnachtsmann. Diese gelangen jedoch nicht immer direkt an die Eltern.

In ihrem Bestreben, den Adressaten aber auch wirklich - und unter Ausschluss der eigenen Familie, die ja immer wieder Selbständigkeit fordert - selbst ausfindig zu machen, schrecken Kinder auch vor technischen Herausforderungen nicht zurück. Wenn ein Ort schon so heißt, so denken die Kinder wohl, wird der Gabenbringer, der als heiliger Mann ja schließlich auch über Wunderkräfte verfügt, nicht weit sein. "Moderne" Kinder benutzen die Post und adressieren zum Beispiel "An den heiligen Nikolaus" oder "An das himmlische Postamt". Briefe dieser Art gelangen an eins der sieben deutschen "Weihnachtspostämter" mit einschlägigem Namen wie 49681 Nikolausdorf, 21709 Himmelpforten oder 51766 Engelskirchen. Die Kinder erhalten von hier zwar keine Geschenke, wohl aber eine illustrierte Antwort und Briefmarken mit Sonderstempel. Gewünscht wird, was es auch im Handel zu kaufen gibt.

Quelle: RP
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