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Anette Pesler
Wie Klara ihren Traumberuf findet

Langenfeld. Unter dem NRW-Motto "Kein Abschluss ohne Anschluss" vernetzt der Kreis alle Angebote zur Berufswahl.

Kreis mettmann Beim Übergang von der Schule in den Beruf soll nichts mehr dem Zufall überlassen bleiben. Deshalb hat sich vor gut einem Jahr als Teil des "Regionalen Bildungsnetzwerks" eine Koordinierungsgruppe Übergang Schule-Beruf auf Kreisebene gebildet. Das Ziel: Allen Jugendlichen an allgemeinbildenden, weiterführenden Schulen im Kreis Mettmann soll früh und individuell anhand der persönlichen Stärken die Berufsorientierung ermöglicht werden. Dazu sprach die RP mit Anette Pesler, die die Abteilung Regionales Bildungsbüro/Übergang Schule-Beruf leitet.

Bereits jetzt geht die Gesamtzahl der Schulabgänger deutlich zurück, die Lücke zwischen Ausbildungsnachfrage und -angebot schließt sich. Kommt die Initiative nicht um Jahre zu spät?

Pesler Für gute Ideen ist es nie zu spät. Natürlich gab es im Kreis Mettmann eine Vielzahl von Angeboten auch schon vor der Umsetzung von "Kein Abschluss ohne Anschluss" - sowohl in Schulen als auch in den kreisangehörigen Kommunen, etwa die Ausbildungs- und Berufsorientierungsbörsen, und auf Kreisebene, wie das Kooperationsnetz Schule-Wirtschaft. Der Vorteil einer regionalen Umsetzung des Landesvorhabens im Kreis Mettmann liegt darin, dass die Angebote miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt werden.

Wie viele Schüler sind angesprochen?

pesler Das Landesvorhaben sieht eine schrittweise Ausweitung der gewünschten Standards auf alle Schüler an den weiterführenden Schulen vor. Für den Kreis Mettmann ist geplant, im Schuljahr 2016/17 ein flächendeckendes Angebot zu erreichen - mit rund 70 teilnehmenden Schulen und 4800 Schülern. Analog ist die Einführung aller weiteren Standards zu sehen, wie etwa das Element "Berufsfelder erkunden", das aufbauend auf der Stärkenermittlung in der ersten Hälfte der 8. Klasse in der zweiten Hälfte der 8. Klasse angeboten werden soll. Diese Berufsfelderkundung ist im Schuljahr 2014/2015 als zweiteilige Pilotphase gestartet. Der erste Teil hat Ende März stattgefunden und 350 Schüler an drei Schulen erreicht. Diese Schüler konnten nach individuellen Stärken und Neigungen aus 114 Angeboten von 67 Unternehmen und Institutionen ihre jeweilige Berufsfelderkundung auswählen.

Durch welche Maßnahmen soll das Ziel einer sehr persönlichen Berufsorientierung erreicht werden?

Pesler Im Idealfall profitieren Schüler unabhängig davon, wo sie wohnen, von Standards, die in jeder Schule und von den beteiligten Akteuren angeboten werden. Nehmen wir als Beispiel die 14-jährige Klara. Sie ist in der 8. Klasse einer Realschule, die die Berufs- und Studienorientierung fächerübergreifend gestaltet und über ein Berufsorientierungsbüro verfügt. Klara hat bei der Potenzialanalyse festgestellt, dass sie einerseits Stärken besitzt, die im Berufsfeld "Verwaltung" gefragt sind, aber andererseits auch Kompetenzen gezeigt hat, die im Berufsfeld "Gesundheit und Soziales" benötigt werden. So hat sie sich dafür entschieden, die Berufsfelderkundung bei der Kreisverwaltung und bei der Bildungsakademie für Gesundheits- und Sozialberufe zu durchlaufen. Dabei hat sie festgestellt, welches Berufsfeld ihr mehr zusagt und plant nun, diese Erfahrung im dreiwöchigen Schülerbetriebspraktikum in Klasse 9 zu intensivieren. Wenn Sie danach feststellt, dass sie sich in dem nun schon konkreter gewordenen Berufsfeld auch eine Ausbildung machen kann, wird sie sich sicherlich dort bewerben, wo sie auch die Berufsfelderkundung durchlaufen hat. Falls ein höherer Schulabschluss für ihren Wunschberuf benötigt wird, weiß sie dies bereits seit der 8. Klasse und kann darauf hinarbeiten. Klara berücksichtigt ihre Stärken auch bei der Fächer- bzw. Kurswahl und strebt an, ihr Fachabitur am Berufskolleg zu erwerben.

DIE FRAGEN STELLTE DIRK NEUBAUER

Quelle: RP
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