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Langenfeld
Zeitzeugen erinnern an das Kriegsende

Langenfeld. Die Langenfelder Geschehnisse im Frühjahr 1945 dokumentieren Hobbyhistoriker mit einer Ausstellung im Rathaus. Von Stephan Meisel

Karl Heinz Schmitt (80) steht vor den geschichtlichen Schautafeln im Rathaus und erinnert sich. Er war zehn Jahre alt, als er Anfang März 1945 erstmals amerikanische Soldaten zu Gesicht bekam. "Weil der Einmarsch der US-Truppen in Langenfeld nicht mehr fern zu sein schien, hatte meine Mutter mit mir seit Wochen englische Grußworte geübt." Und so rief der Zehnjährige der Gruppe ein freundliches "Good morning!" zu, das ihm einer der Amerikaner mit einem "Good morning!" und einem Lächeln beantwortete. Doch er war kein Befreier, sondern ein Kriegsgefangener, der mit weiteren Kameraden gerade von deutschen Soldaten durch Langenfeld geführt wurde und zum Schrecken des jungen Karl Heinz sofort von einem seiner Bewacher einen wuchtigen Hieb mit dem Gewehrkolben abbekam.

Am 16. April 1945 war mit dem Einmarsch der Amerikaner auf Langenfelder Boden der Krieg vorbei. Aus Anlass des 70. Jahrestages läuft bis zum 29. Mai im Rathaus eine Ausstellung "Kriegsende in Langenfeld", die der Arbeitskreis (AK) Geschichte der Volkshochschule mit vielen interessanten Dokumenten bestückt hat. "Uns waren die Berichte von Zeitzeugen sehr wichtig", sagte AK-Leiter Günter Schmitz bei der Eröffnung der Schau in der ersten Etage.

Solche persönlichen Erinnerungen an die Geschehnisse im Frühjahr 1945 von Schmitt, Hans Klosterkamp (*1928), Willy Rey (*1931), Heinz Scheuren (*1930) und etwa einem dutzend weiteren Ur-Langenfeldern füllen die Hälfte der Schautafeln. "Zwar sind solche Schilderungen immer subjektiv", räumt Schmitz ein, "aber Zahlen und Daten allein spiegeln die Wahrheit eben auch nicht wider, weil die persönlichen Empfindungen nicht abgebildet sind." Zur Einordnung der Erlebnistexte haben die Hobbyhistoriker auf weiteren Schautafeln die militärische Lage im April 1945 dokumentiert; außerdem die Verbrechen in den letzten Kriegstagen mit dem Massaker am Wenzelnberg (siehe Lokalseite C2); die Namen von 59 in Langenfeld vor allem bei Luftangriffen 1944/45 gestorbenen Zivilisten sowie den Einmarsch der Amerikaner.

Die gesamte Bandbreite der barbarischen NS-Jahre habe sich auch in Langenfeld widergespiegelt, merkte Bürgermeister Frank schneider in seiner Eröffnungsansprache an. "Im Stadtgebiet kamen Menschen in Kriegshandlungen ums Leben, wurden verfolgt, deportiert und später ermordet oder vor Ort hingerichtet." Über die Ermordung von 71 Menschen in der Wenzelnberg-Schlucht am 13. April 1945 berichtete Heimathistorikerin Annelies Rejek, die in den kommenden Wochen bei Bedarf vor Schulklassen ab Stufe 9 Vorträge hält. Dazu zeigte ein von US-Soldaten aufgenommener Kurzfilm am Eröffnungsabend die Exhumierung der Ermordeten, die danach direkt vor dem Solinger Rathaus bestattet und deren Gebeine 1965 von dort an den Wenzelnberg umgebettet wurden.

Der ehemalige Stuckateur Schmitt lobte den AK für dessen Arbeit. Ihm selber haftet das eingangs geschilderte Erlebnis im Gedächtnis. "Das war für uns Kinder eine völlig verkehrte Welt, in der jemand bestraft wurde, weil er freundlich einen Gruß erwidert hatte."

Quelle: RP
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