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Leichlingen
Bäckermeister verhinderte Brückensprengung mit Schnaps

Leichlingen: Bäckermeister verhinderte Brückensprengung mit Schnaps
Hat das Kriegsende in Leichlingen als Zehnjähriger miterlebt: Zeitzeuge Karl Bosselmann (80). FOTO: uwe Miserius
Leichlingen. Seinen Vater hat der 80-jährige Karl Bosselmann in gewisser Hinsicht als einen Helden in Erinnerung. Der soll nämlich am 15. April 1945 verhindert haben, dass die Wupperbrücke gesprengt wurde. Von Gundhild Tillmanns

Denn mit der Brücke wäre auch Bosselmanns Elternhaus mit der damaligen Bäckerei inklusive weiterer Häuser in die Luft geflogen. Die deutschen Soldaten sollten die einzige Verbindung zwischen den beiden Teilen der Stadtmitte sprengen, wie ihr Befehl angesichts des bevorstehenden Kriegsendeslautete.

"Mein Vater hat die Soldaten mit Hochprozentigem abgefüllt. Die konnten nicht mehr grade stehen und schon gar keine Sprengung mehr vornehmen", erzählt Bosselmann aus der Familienüberlieferung. Auf jeden Fall sei am nächsten Tag beim Einmarsch der Amerikaner in Leichlingen von Sprengung nichts zu sehen gewesen. Dabei hatten die Soldaten, als sie dem Schnaps noch nicht zugesprochen hatten, mehr als 100 Zentner Dynamit und vier etwa 80 Zentimeter lange und 40 Zentimeter dicke Sprengkörper an der Wupperbrücke verlegt, wie sich der 80-Jährige erinnert. Damit ist für die Familie Bosselmann der Vater bis zum heutigen Tage als Brückenretter in die Geschichte eingegangen. Miterlebt hat Karl Bosselmann diese Episode aber nicht, denn seine Mutter war mit ihm zu dieser Zeit bei Bekannten auf Besuch.

Die Bäckerei der Eltern hat Karl Bosselmann acht Jahre lang als Meister fortgeführt, bevor er zum Sparkassen-Betriebswirt umsattelte. Nach dem Krieg war er 1946 sofort ins Landrat-Lucas-Gymnasium Opladen eingeschult worden. Es gehörte zu den ersten Gymnasien, die nach dem Krieg ihren Betrieb wieder aufnahmen. Die Grundschulzeit verbrachte er an der damals als "Schlageter-Schule" bekannten, heutigen Schule Kirchstraße: "Ich erinnere mich noch, dass ich geweint habe, als unser Rektor mit lauter Stimme in einer flammenden Rede gegen die Feinde des Volkes geschimpft hat", berichtet der Zeitzeuge.

Dann folgten die vielen Bombenangriffe, die ab 1944 immer öfter auch in die Nähe von Leichlingen rückten: "Sie fanden dann auch tagsüber statt. Amerikanische und kanadische Verbände griffen mit Doppelrumpfmaschinen und Jagdbombern an und beschossen fahrende Eisenbahnzüge und schutzlose Menschen", berichtet Bosselmann. Auf dem Weg zum Pastorat seien damals drei Stollen in den Berg getrieben worden, in dem die Leute aus der Innenstadt Schutz vor den Bombenangriffen gesucht hätten.

Die erste Friedenszeit hat Karl Bosselmann aber in keiner guten Erinnerung behalten. "Es gab kein Mehl und damit auch kein Brot mehr zu backen."

Plünderungen habe es zudem in Leichlingen durch Russen aus einem Kriegsgefangenenlager in der Schule Uferstraße gegeben.

"Nach 1946 ging es zwar zunächst unglaublich langsam, aber doch stetig wieder aufwärts", blickt der Zeitzeuge zurück, der das Kriegsende in Leichlingen als Zehnjähriger miterlebt hat.

Quelle: RP
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