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Leichlingen
Luther-Choräle mit Pauken und Trompeten

Leichlingen. Spielen die Engel im Himmel auf der Harfe? Oder preisen sie Gott mit Pauken und Trompeten? An Letzteres hätte Martin Luther wohl seine Zweifel gehabt. Denn nach Überlieferungen mochte er keine Pauken und Trompeten. Die Luther-Choräle in verschiedenen Bearbeitungen im Zusammenhang mit der Reformation, die am Sonntagnachmittag in der Evangelischen Kirche Marktstraße mit Trompete, Flügelhorn, Waldhorn, Tenorhorn, Posaune und Tuba ertönten, dürften ihm dennoch gefallen haben. Das Konzert der Blechbläser der Evangelischen Kantorei Leichlingen unter Leitung von Matthias Müller war mit dem Titel "Luther in Brass" - "Luther in Blech" - überschrieben. Vieles sei über das aktuelle Luther-Jahr bereits gesagt worden, erläuterte der Dirigent. Der Bläserchor werde also keinesfalls ein neues Kapitel der theologischen Nachbetrachtung aufschlagen, sondern sich alleine auf Luthers Musik konzentrieren. Denn Luther übersetzte nicht nur die Bibel ins Deutsche, sondern verwandelte auch zentrale biblisch-theologische Erkenntnisse in Lieder. Damit wurde die Reformation nicht alleine zum theologischen Fakt, sondern auch zum kulturhistorischen Ereignis mit Musik als dessen Herzschlag. "Deshalb gilt der Luther-Choral bis heute als wichtige Keimzelle der abendländischen Musikkultur", verdeutlichte Müller. Mit "Ein feste Burg ist unser Gott" - dem protestantischen Choral schlechthin - eröffnete das Ensemble seine Vorträge. Die Version von Thomas Riegler spielten die Bläser fein akzentuiert, betonten die klassisch-moderne Harmonie mit reichen, klangvollen Akkorden und ließen gekonnt die lineare Polyphonie in der Tradition Johann Sebastian Bachs einfließen. Es folgten weitere Fantasien wiederentdeckter Choräle, wie zum Beispiel das Lied "Auf meinen lieben Gott" (Anne Weckeßer), in das die Zuhörer zuletzt ganz im Sinne Luthers einstimmen durften. Von Gabi Knops-Feiler

Schließlich erreichte Luther bei seiner Reformation auch die Mitwirkung des Volkes am Gottesdienst, die sich für ihn idealerweise im Gesang ausdrückte. Mit der Pop-Ballade "Ballad Song" (Michael Schütz) stellte das Bläserensemble einmal mehr seine enorme Vielseitigkeit unter Beweis. Trotz der leichten Melancholie gelang den Musikern eine ergreifend-schöne und abwechslungsreiche Gestaltung.

Carsten Ehret, Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde, trug zwei Stücke an der Orgel zum Konzert bei. Zum krönenden Abschluss flutete der Anfangstitel nach einer Bearbeitung von Traugott Fünfgeld den Kirchenraum mit dem mächtigen Klang aller 30 Bläser.

Quelle: RP
 
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