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Leverkusen
Brand nach Schornsteinfeger-Besuch

Kaminbrand in Schlebusch
Kaminbrand in Schlebusch FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen . Als Manfred Hübner Mittwochnacht um kurz nach drei Uhr aufwachte, hörte er "ein Knistern – "ich wusste sofort: es brennt!", erzählt der 71-Jährige. Hübner stürmte rüber ins Schlafzimmer. Dort hatte es bereits vorher nach Rauch gerochen, daher hatte er sich im Zimmer gegenüber hingelegt. Als er die Tür öffnete, schlugen ihm die Flammen entgegen. Geistesgegenwärtig schnappte der Rentner sich einen Feuerlöscher, hielt voll drauf. Dann rief er die Feuerwehr. Er sagte: "Ich hätte hart bleiben und dem Schornsteinfeger gegenüber nicht nachgeben sollen." Von Stephanie Lichius-Engels

Das war passiert: Am Dienstagmorgen um 8.30 Uhr hatte sich der Schornsteinfeger bei Hübner angekündigt. Der Kamin seines Hauses am Freudenthaler Hammer war voller Ruß, musste ausgebrannt werden. Seit 1881 steht das Fachwerk neben dem heutigen Industriemuseum, seit seinem fünften Lebensjahr wohnt Hübner darin. Der Fachmann begann mit dem oberen Teil, arbeitete sich nach unten durch.

Ganz unten aber, in Hübners Stube, weigerte sich der Hausbesitzer, den Feger ranzulassen. "Ich kann mich gut erinnern, dass der Kamin beim Ausbrennen vor 20 Jahren schon einmal Feuer gefangen hat. Damals ist glücklicherweise nicht viel passiert", klärte er den Experten auf. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Hübner: "Wir hatten richtig Streit, ich wollte das nicht – am Ende habe ich aber nachgegeben."

Gegen 15 Uhr passierte es dann: "Im Schlafzimmer, das über der Stube liegt, waren an der Seite des Kamins plötzlich Flammen." Hübner griff sofort zum Feuerlöscher. "Der Kaminfeger hat den Fußboden aufgeschnitten und die Feuerstelle beseitigt." Um 18 Uhr verabschiedete sich der Fachmann. Und hinterließ bei Hübner "ein ungutes Gefühl – ich habe immer wieder mit einem Spiegel in den Kamin geschaut, ob ich noch Glutstellen sehe."

Um 22 Uhr legte sich der Rentner schlafen. Und war am Mittwochmorgen mehr als froh, nicht das Schlafzimmer genutzt zu haben, weil es dort bereits verbrannt gerochen hatte. Als die Feuerwehr 15 Minuten nach Hübners nächtlichem Feuerlöscher-Einsatz am Freudenthaler Weg ankam, hatte sich die Glut in die Zwischendecke des Zimmers gefressen. Die 20 angerückten Wehrmänner öffneten die Decke mit einer Kettensäge, schnitten einen Teil eines dicken Zwischendeckenbalkens ab.

Die Kripo ermittelt, bei Hübner ist mittlerweile auch der Strom ausgefallen, der 71-Jährige friert und ist entnervt. Ein Hoffnungsschimmer: Ende des Jahres fällt das Kehrmonopol in Deutschland – dann können Hausbesitzer ihren Schornsteinfegerbetrieb selbst wählen.

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