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Leverkusen
Hinreißend getanzt

Leverkusen. LEVERKUSEN Mit dem Applaus ging auf der Bühne die Party los. Andere Compagnien verbeugen sich nach getaner Arbeit ordentlich, lassen sich einzeln, paarweise und als Ensemble am Bühnenrand feiern. Aber die acht Tänzer der amerikanischen Jon Lehrer Dance Company legten nach einem facettenreichen siebenteiligen Programm noch einmal ordentlich nach. Sie bedankten sich tanzend für den im Stehen gegebenen Applaus, ausgelassen und humorvoll. Mittendrin der künstlerische Leiter, Choreograf und Namensgeber Jon Lehrer, der dieses ausgezeichnete Ensemble 2007 in Buffalo im Staate New York gegründet hat. Von Monika Klein

Das Publikum im vollen Forum-Saal war von Ausdruckskraft und Vielfalt des neuen Programms genauso hingerissen wie beim ersten Besuch der Company bei KulturStadtLev vor zwei Jahren.

Unterschiedlicher hätten die einzelnen Choreografien an diesem Abend nicht sein können. Sie zeigten die ganze Breite des Spektrums dynamisch und präzise getanzt, aber alles andere als steril. Da ist Leben drin, was nicht zuletzt am ausgeprägten Sinn für Humor liegt, der immer wieder durchblitzt und manchmal auch Oberhand gewinnt. Sogar nach stillen, poetischen Momenten wie bei "Femeie de Lume", einem emotionalen Tanzstück für vier Männer und eine Frau, die wie eine Blüte aus einem Menschenknoten wächst, sich zu voller Schönheit entfaltet und sich anmutig auf den gebückten Männerkörpern bewegt. Und das zu den Klängen einer makellos gesungenen Giacomelli-Arie.

Vor Temperament und Witz sprühte dagegen die erste der Lehrer-Choreografien "Cash or Check?", die in einem Nachtclub der 1920er Jahre angesiedelt ist. Da wurden Elemente des Gesellschaftstanzes jener Zeit wie Charleston, Shimmy oder Swing, nach allen Regeln der Kunst variiert, gemixt und beständig neu erfunden. Wenig später tauchte das Publikum in eine völlig andere Welt ein. Tanzschuhe und Fransenkleid abgelegt, stattdessen barfuß und in Trikots mit Körper-Tattoos spürte das Ensemble zu rhythmischen Trommelschlägen den Bewegungen einer Urbevölkerung nach. Der Titel "Chukchi" und die Herkunft der Musik weisen zwar auf Eskimos im Nordosten Russlands, aber die kraftvollen und erdverbundenen Bewegungen haben etwas universell Archaisches, wie es sich auch in anderen Kulturen findet.

Etwas von diesem Urpotential zeigte auch die neuste der Lehrer Choreografien "Rascal", ein Solostück, das unterschiedliche Seiten des menschlichen Wesens auslotet und die dämonische Anlage durchbrechen lässt. Wild und witzig stellten Paare zum bekannten Pachelbel-Kanon die Regeln des klassischen Balletts auf den Kopf.

Frauen nehmen Männer auf den Arm. Überhaupt beeindruckte das Ensemble mit weichen, federleicht wirkenden Hebefiguren, Drehungen und Sprüngen bei diesem besonderen Tanzstil, der Modern Dance mit Breakdance, Akrobatik und Jazz vermischt. Ein großartiger Abend.

Quelle: RP
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