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Leverkusener Kunstnacht
In der Dunkelheit dem Licht der Kunst folgen

Leverkusener Kunstnacht: In der Dunkelheit dem Licht der Kunst folgen
Eine Taschenlampenführung für die ganze Familie mit Barbara Feldermann-Pech (vorne li.) gehörte zum Angebot in Schloss Morsbroich. FOTO: Ralph Matzerath
Leverkusen. An 48 Orten der Stadt ließen sich Besucher bei der Kunstnacht von kreativen Geistern in Ateliers, Lofts und Kirchen locken. Von Monika Klein

LEVERKUSEN Nicht rot, sondern total bunt waren die Kunst-Teppiche, auf denen Besucher in das ehemalige Magazingebäude in der Neuen Bahnstadt Opladen schritten. Der Bau beherbergt heute attraktive Büros und Loft-Wohnungen. Eine davon gehört der Malerin Sabine Hoffmann. Für die 13. Kunstnacht hatte sie ihr Wohnzimmer weitgehend ausgeräumt, um Platz zu schaffen für Besucher, ihre eigenen Bilder und die der eingeladenen Kollegen.

Der Privatbereich war vorsichtshalber mit Pollern und Absperrband gekennzeichnet als Grenze, die nicht überschritten werden sollte. Soviel hatte sie bei ihrem Kunstnacht-Debüt im vergangenen Jahr gelernt. Kontrastreiche Ergänzung zu ihren vor Ort entstandenen abstrakten Acrylbildern brachten die edlen Lichtobjekte aus diversen Materialien und Leuchten von Bernd Knieper und bunte "Bubblebilder" von Artgate, die auch Motive auf die Kunststoff-Läufer gedruckt hatten.

Architekt Markus Moorkamp hatte sein Büro in Schlebusch zur Galerie umfunktioniert und griff zur Gitarre (Foto links). Gregor Olbertz hat Alltagsgegenstände erleuchtet und gibt ihnen so eine neue Funktion (Foto rechts). FOTO: Matzerath Ralph

Wie solche Arbeiten an der Schnittstelle von analoger Zeichnung und Computergrafik entstehen, demonstrierte ein Film in Dauerschleife. Kleine Dokus und Filmvorführungen gab es auch an anderen der 48 Orte dieser 13. Kunstnacht. Wie im alten Rathaus von Bergisch Neukirchen, das zum ersten Mal Anlaufstelle war und direkt vom Shuttlebus angefahren wurde. Ein großer Vorteil für die Künstlergruppe, die früher in der schwerer zugängigen Grunder Mühle ausgestellt und hier in der Begegnungsstätte ein neues Domizil gefunden hat, berichtete Organisator Heiko Schuster.

Ein perfekter Ort für die Kunstnacht, darin waren sich alle zehn Künstler - darunter einige Nachrücker von Anke Holgerssons Warteliste im Kulturbüro - einig. Für die Gäste bot die Gruppe viele unterschiedliche Techniken von großformatiger Malerei bis Kalligrafie, von Zeichnung bis Fotografie. Dank des perfekten Wetters plauderten Besuchergrüppchen auch draußen, genauso wie am Imbacher Weinladen, wo sich wieder besonders viele Menschen tummelten oder bei Wolfgang Robien, der vor seinem Atelier Friedens:tal Gartenstühle aufgestellt hatte.

Zilan genießt die Ruhe der bunterleuchteten Jugendkirche St. Aloysius und entschlüsselt dort geheimnisvolle Botschaften. FOTO: Matzerath Ralph

Innen war es ernster, denn seine Kunst ist gesellschaftskritisch, etwa das Mosaik aus 2000 bunten Plastikdeckeln, das einen grimmigen Poseidon darstellt, dem der Plastikmüll gar nicht schmeckt. Stoff für Gespräche bei angebotenen Getränken und Knabbereien, ähnlich wie an vielen anderen Orten auch. Nur in der bunt ausgeleuchteten Jugendkirche St. Aloysius konnten Besucher einfach bei Musik zur Ruhe kommen und die Gedanken still schweifen lassen.

Unten im Keller war Raum für Kreativität, den die neunjährige Sophie als eine der jüngsten Kunstnachtbesucher gerne nutzte und einen der weißen Papphocker individuell bemalte. Die Remigiuskirche hatten mehrere Malerinnen in eine Galerie verwandelt. Voll wurde es dort, als Pfarrer Heinz-Peter Teller seine improvisierten Kurzpredigten auf Zuruf startete und zunächst klarstellte, dass Kunst in all ihren Formen ursprünglich mit Religion zu tun habe.

FOTO: Matzerath Ralph

"Selbst wenn man nichts glaubt, weiß man: jedes Kunstwerk weist über sich selbst hinaus." Jeder, der ein Bild anschaue , sehe etwas anderes. Im Gegensatz zu einem Verkehrsschild, denn "da sollst du ja nicht irgendwas bei denken." Erwartungsgemäß gab es viel zu lachen über Tellers spontane Geschichtchen, die aber alle mit einer klaren Botschaft endeten. Für alle, die noch blieben, gab es ein musikalisches Dreigangmenü mit verschiedenen Orgelstücken zur Auswahl, die Mehrheit entschied.

Quelle: RP
 
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