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Tiere in der Stadt
Wildschweine pflügen Leverkusener Vorgärten um

Leverkusen: Wildschweine pflügen Vorgärten um
In dem Wohngebiet an der Geschwister-Scholl-Straße haben Wildschweine Spuren hinterlassen. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. In der Region um Leverkusen gibt es derzeit eine Überpopulation bei Wildschweinen. Die Tiere kommen auf Futtersuche in die Stadt, durchwühlen dort die Gärten und verursachen Unfälle auf Autobahnen. Von Tobias Falke

Am Rande des Bürgerbuschs treiben Wildschweine ihr Unwesen. Sie haben keine Scheu mehr vor Menschen und graben auf der Suche nach Futter bereits erste Wiesen um. So geschehen an der Geschwister-Scholl-Straße in Alkenrath. Das ruft die Jägerschaft auf den Plan. Doch die ist meist hilflos, wie Jäger Walter Juncker bestätigt: "Wir sollen die Wildschweine bejagen aber können das einfach nicht, weil uns das Gesetz einen Strich durch die Rechnung macht", sagt er.

Gemeinsam mit seiner Frau Edith ist Juncker für den Bürgerbusch zuständig. Doch dort Wildschweine zu erlegen, sei keine leichte Aufgabe: "Die kommen oben aus Burscheid runter und pflügen mittlerweile die Vorgärten der Nachbarn um", berichtet er. Die Jägerschaft in Burscheid sei ebenso machtlos. "Die Schweine haben in diesem Jahr eine so große Populationsdichte, dass sie auf der Suche nach Futter ihr Gebiet immer weiter ausdehnen und keine Angst mehr vor dem Menschen zeigen."

Zudem seien die Wildschweine im Rudel meist nachts unterwegs. Da die Tiere nicht mit Nachtsichtgerät oder Taschenlampe gejagt werden dürfen, kämen die Jäger nicht an die Wildschweine ran. Tagsüber fehle von ihnen dann wiederum jede Spur. "So können wir immer nur von den Jagdsitzen aus schießen. Vom Boden aus ist es verboten, sonst landet die Kugel bei den Nachbarn auf dem Mittagstisch, dass wollen die ja sicherlich auch nicht", begründet Junker die Schwierigkeiten.

Wildschweine laufen auf die Autobahn

Wildschweinunfall am 13. Oktober auf der A 1. FOTO: um, Bernhardt (Archiv)

Teilweise drückten die Schweine auch schon die Zäune zur Autobahn hoch. Die dadurch entstehende Gefahr wurde am 13. Oktober Realität, als sich auf der A1 zwischen Burscheid und Kreuz Leverkusen ein Auto nach einem Wildschweinunfall überschlug, der Fahrer blieb glücklicherweise unverletzt.

Der Stadt ist das Thema bekannt. "Es gibt momentan eine Überpopulation der Wildschweine. Allerdings sind uns da auch die Hände gebunden", sagte eine Stadtsprecherin. Die Jäger könnten aber den Dialog mit dem Land NRW suchen, dieses sei schließlich für die Gesetzgebung zum Thema Jagd verantwortlich. Auch der defekte Zaun zur Autobahn falle nicht in die Zuständigkeit der Stadt: "Der Bürgerbusch ist Privatbesitz."

Die Gesetzgebung bei Wildunfällen ist eindeutig: Jagdpächter sind nicht verpflichtet, Schaden nach einem Wildunfall zu zahlen. Da Wild als herrenlos gilt, gibt es auch keinen Schadensersatzanspruch. Für die Jäger ist langfristig gesehen keine Lösung in Sicht außer man lockere die Jagdbedingungen und somit das "ökologische Jagdgesetz". So fordern manche Jäger in NRW eine revierübergreifende Jagd, weil Schwarzwild weitläufig zieht. Auch die Kirrjagd, also das Anlocken der Wildschweine, solle wieder vermehrt erlaubt sein.

Laut Walter Juncker bestehe allerdings für die Anwohner am Bürgerbusch keine akute Gefahr. "Wenn Wildschweine Menschen sehen, sind die Tiere oftmals schnell wieder weg. Man sollte nur hektische Bewegungen vermeiden und sich langsam entfernen." Und auf keinen Fall sollten Anwohner die kleinen Frischlinge füttern: "Die sind zwar am Anfang total süß, aber man bekommt sie am Ende nicht mehr los. Denn die kommen immer wieder dorthin, wo es was zu fressen gibt."

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Quelle: RP
 
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