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Leverkusen/Neuss
Leverkusener raubt für Auftraggeber Bank aus - zwei Jahre Haft

Leverkusen/Neuss. Ein 32-jähriger Leverkusener ist im Amtsgericht Neuss für den im Juni in einer Filiale der Targo-Bank verübten Diebstahl von 353.000 Euro zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Mit ihm sitzt aber nur der "Dumme ein", wie ihn sein Anwalt nannte. Denn nach seinen Hintermännern, die möglicherweise im salafistischen Milieu zu suchen sind, wird noch gefahndet. Gegen einen Mitarbeiter der Bank läuft ein Ermittlungsverfahren. Er steht im Verdacht, Insiderwissen an die Täter gegeben zu haben, ohne das der Coup nicht möglich gewesen wäre. Von Christoph Kleinau

Als der Leverkusener von einem Mann am 7. Juni zur Bank kutschiert wurde, wusste er von seinen Auftraggebern wenig bis nichts - von der Bank aber alles. Denn der Mann, den der Leverkusener angeblich zwei Jahre kannte (ohne ihn näher beschreiben oder eine Anschrift nennen zu können), hatte alles dabei: einen Generalschlüssel, der dem 32-Jährigen den Seiteneingang zur Bank öffnete, einen Lageplan, mit dem er in der nicht abgeschlossenen Schreibtisch-Schublade eines Bankmitarbeiters den Schlüssel zum Tresorraum aufspüren konnte. Und er hatte einen Zettel, auf dem die beiden Zugangscodes standen, die den mit einem Zeitschloss gesicherten Geldschrank öffneten. Der Mann wusste sogar, in welcher Reihenfolge die Codes einzutippen waren - und wie viel Zeit zwischen den Eingaben verstreichen musste. Angst vor Entdeckung müsse der Leverkusener nicht haben, sagte der Mann. Die Mitarbeiter würden ihre Mittagspause ein Stockwerk höher verbringen, die Video-Kameras würden nicht aufzeichnen.

Inzwischen steht fest: Die Kameras liefen doch. Und die Ermittler wissen, dass jener Mitarbeiter, in dessen Schreibtisch der Tresorschlüssel lag, seine Kollegen zur Tatzeit zu einem Pizza-Gelage über der Bank eingeladen hatte. Ob die Auftraggeber das wussten, ist ungeklärt.

Der Plan scheiterte, weil eine Mitarbeiterin dem Pizzaessen fernblieb. Sie wollte noch die Post fertig machen und in den Tresorraum bringen - wo sie auf den Leverkusener traf, der vor dem geöffneten Tresor kniete. Sie hielt ihn erst für einen Techniker, bis ihr dämmerte, dass auch der nicht alleine vor einem offenen Tresor arbeiten dürfte. Ein halbherziger Fluchtversuch wurde von Bankmitarbeitern vereitelt, wenig später ließ sich der 32-Jährige widerstandslos festnehmen.

Von der Beute hatte man dem vorbestraften Dieb 5000 Euro versprochen. Mit denen wollte der Arbeitslose, der lange Drogen genommen hat und wegen Psychosen ärztlich behandelt wird, Schulden bei einer Telefongesellschaft tilgen. Fahnder bringen den Konvertiten, der sich zum Islam bekennt, mit Salafisten in Zusammenhang. Das bestritt der Leverkusener. Er sei fromm - aber kein Salafist.

Quelle: RP
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