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Pro und Contra
Maibaum ist Männersache - oder doch nicht?

2016: An diesen Stellen bekommen Sie in der Region Maibäume
2016: An diesen Stellen bekommen Sie in der Region Maibäume
Leverkusen. In Schaltjahren sollen Frauen den Männern einen Maibaum stellen. "Völliger Blödsinn, Muskelspiele sind Männersache", sagt unsere Redakteurin. Der Kollege sagt: "Gut so, die Frauen sollen auch mal Schweiß und Tränen spüren." Von Sebastian Fuhrmann und Susanne Genath

Pro: Rollentausch beim Maibaumbrauch? Ja, klar!

"Es ist gut, dass die Frauen an der Reihe sind", sagt RP-Journalist Sebastian Fuhrmann. FOTO: Fuhrmann

Warum soll es Blödsinn sein, dass Frauen im Schaltjahr den Männern einen Baum stellen? Auch wenn ich in diesem Jahr (vermutlich) keinen Maibaum kriegen werde (Achtung Mädels, Wink mit dem Zaunpfahl!) halte ich die Tradition für nützlich. So erkennen Frauen wenigstens mal, welche Mühen wir Männer jedes Jahr auf uns nehmen, um der Geliebten ‘nen ollen Baum ans Fenster zu heften. 

Ich erzähle eine Geschichte, über die meine Kumpels und ich eigentlich Stillschweigen verabredet hatten: Wir müssen um die 16 Jahre alt gewesen sein. Scheiß Aprilwetter, aber es ist der 30. April und die letzte Möglichkeit, einen Maibaum ranzuschleppen. Zu dritt ziehen wir los, es nieselt. Hätten wir gewusst, dass wir bis auf unsere karierten Boxershorts nass werden sollten, hätten wir uns den Ausflug erspart. Auf der Suche nach einem Maibaum fahren wir stadtauswärts.

Nachdem wir uns unsere Hintern auf unseren coolen Sporträdern längst plattgesessen haben, werden wir fündig. "Da!" – eine Industriebrache. Wir steigen ab. Dieser lächerliche zwei Meter hohe Zaun soll uns stoppen? Niemals. Ratsch! Nur die neue Jeans meines Kumpels verlor den Kampf. Wir wateten durch den Matsch, schnitten die nassen Bäume mit der Säge eines Schweizer Taschenmessers und kletterten zurück über den Zaun.

Typisch Jungs: Niemand hatte daran gedacht, wie wir die verflixten Maibäume auf unseren Rädern nach Hause bekommen sollten. Wir lenkten mit einer Hand und hielten in der anderen den Maibaum. Natürlich regnete es in Strömen. Endlich angekommen schmückten wir das Gestrüpp mit Krepp, machten mit einem Bollerwagen die Tour zu unseren Freundinnen, kletterten an ihren Häusern fluchend auf Leitern empor und fielen zu Hause in einen komatösen Schlaf. Am nächsten Tag liefen unsere Nasen.

Zu allem Übel hatte irgendwann in der Nacht irgendein drittklassiger Casanova auch noch meinen Baum geklaut. "Ich dachte, ich krieg' auch ‘nen Baum", sagte meine Freundin am 1. Mai. Ich konnte es nicht fassen. 

Und bevor jetzt alle schreien: Natürlich hätten wir auch einfach einen Baum kaufen können, aber das ist doch was für Weicheier. Und wer selber einen schlägt, zeigt immerhin richtig Einsatz und beweist Herz. Nicht der Baum, sondern unsere Mühen sind der Liebesbeweis.

Contra: Der Maibaum ist Männersache!

RP-Redakteurin Susanne Genath ist der Meinung: "Maibäume sind Männersache!" FOTO: Fuhrmann

Einen Maibaum zu setzen, ist ganz klar Aufgabe des Mannes. Wer kommt denn überhaupt auf die Idee, einen mehreren Kilo schweren Baum irgendwo an eine Hauswand zu stellen, sich dabei möglicherweise einen Bruch zu heben und dann eventuell noch die Fassade zu beschädigen? Nur Männer! Sie können damit beweisen, dass sie stark UND risikofreudig sind, um ihre Liebste zu gewinnen!

Eine Frau würde zu ganz anderen Mitteln greifen, um die Gunst eines Angebeteten zu gewinnen (diese Techniken will ich hier nicht ausführen.) Auf jeden Fall muss sie nicht beweisen, dass sie stark ist. Muskelspiele sind Männersache.

Ich persönlich gucke mir vorher auch ganz gerne an, wie sehr sich ein Mann ins Zeug legt, um mich zu erobern. Das gehört schließlich dazu, damit eine Beziehung von Dauer ist. Leichte Beute wirft man genauso leicht wieder weg.

Das zeigt sich auch im Freundeskreis: Der Maibaum des Mannes bleibt bei Paaren im Gedächtnis. Genauer gesagt: Die abenteuerlichen Geschichten, die die Herren der Schöpfung rund um das nächtliche Aufstellen des Baumes zum Besten geben können (ebenso wie der werte Herr Kollege hier) – ob sie nun wahr sind oder nicht.

Keine Frage: So etwas beeindruckt jede Frau, auch wenn sie nachher nicht weiß, was sie mit dem abgesägten Baum anfangen soll. Nicht jede hat ja einen Kamin zu Hause. Aber Tollkühnheit kommt bei der holden Weiblichkeit nun mal an. Umgekehrt ist das in der Geschichte der Menschheit jedoch nur selten der Fall. Was für einen Sinn sollte es da machen, die Rollen bei dieser Tradition zu vertauschen? Gar keinen!

Also: Der Maibaum muss vom Mann gesetzt werden. Da kann er seiner Kreativität freien Raum lassen: Wo und wie anbringen? Wie schmücken? Wo besorgen? Geht ja heute sogar schon ganz legal. Wer das als Mann nicht schafft, naja…

 

 

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