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Leverkusen
NRW-Steuer drückt Zahl der Immobilienverkäufe

Leverkusen. Der Grundstücksmarktbericht 2016 für Leverkusen zeigt, dass die Anzahl von Kaufverträgen im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gesunken ist. Das deutlichste Minus steht vor der Wohnungsnachfrage. Und das, obwohl Leverkusen nach wie vor einer der günstigsten Standorte ist. Von Jessica Balleer

Michael Pier beschäftigt sich seit über zwei Jahrzehnten damit, wie sich die Preise auf dem Immobilien- und Grundstücksmarkt im Stadtgebiet entwickeln. Überraschend findet der Kaufpreisexperte die Ergebnisse aus dem aktuell vorliegenden Grundstücksmarktbericht daher nicht. "2014 hatten wir sehr moderate Preissteigerungen", sagt Pier bei der offiziellen Präsentation des Berichts im Elberfelder Haus. "Mit drei bis fünf Prozent liegen wir in der Region weiterhin unter dem Durchschnitt."

Fakt aber ist, dass die Geldumsätze und Kauffälle gegenüber dem Vorjahr 2014 deutlich gesunken sind, obwohl Leverkusen einer der preiswertesten Standorte der Region ist - und die Zinsen für einen Bankkredit noch dazu auf einem Rekord-Tief stehen.

Für den aktuellen Grundstücksmarktbericht hat der "Gutachterausschuss Grundstücks- und Immobilienmarkt der Stadt Leverkusen" alle Kaufverträge des vergangenen Jahres ausgewertet. Dabei hat der Ausschuss ein mittleres Preisniveau ermittelt, um Kunden beim Kauf oder Mieten einer Wohnung eine Orientierung an die Hand zu geben. Mit insgesamt 1211 Kaufverträgen sank die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr (1343) deutlich. Dieses Minus führt Pier auch darauf zurück, dass die Grunderwerbssteuer in Nordrhein-Westfalen zum 1. Januar 2015 erhöht wurde.

Die Nachfrage sinkt, obwohl die Preise sowohl für Eigentums- und Mietwohnungen (drei Prozent) als auch für Einfamilienhäuser (rund vier Prozent) nur vergleichsweise moderat ansteigen. Für den Markt aber ergibt sich ein Umsatzverlust in Millionenhöhe. "Der Gesamtumsatz ist von 317 auf 303 Millionen gefallen", sagt Jürgen Späker, Vorsitzender des Gutachterausschusses.

Vor allem für Auswärtige scheint Leverkusen als Einzugsgebiet wenig reizvoll zu sein. Nur etwa zwölf Prozent der Käufer zogen aus weiter entfernt liegenden Gebieten zu. Den überwiegenden Teil der Objekte (69 Prozent) haben Leverkusener erworben, die bereits vorher in der Stadt ansässig waren.

Aus dieser Verteilung lässt sich außerdem lesen, dass es kaum Familien und "Häuslebauer" in das Stadtgebiet zog. Zwar liegt der Preisanstieg für Bauflächen für Ein- und Zweifamilienhäuser im unteren einstelligen Prozentbereich. Die Bodenrichtwerte, die aus Grundstückskaufpreisen abgeleitet werden, liegen hier zwischen 230 und 430 Euro pro Quadratmeter. Doch von den 1211 Kaufverträgen entfielen nur zehn Prozent auf solche unbebauten Grundstücke. Der Verkauf von bestehenden Einfamilienhäusern sank sogar um sieben Prozent im Vergleich zum Jahr 2014. "Mehr als die Hälfte der Käufe bezog sich auf Wohnungs- und Teileigentum", sagt Jürgen Späker.

Trotz gestiegener Preise zählt Leverkusen innerhalb der teuren Region Rheinland nach wie vor zu den günstigeren Standorten. In Köln oder Düsseldorf sind die Grundstückspreise laut des Grundstücksmarktberichts des "Oberen Gutachterausschusses" im Durchschnitt um mehr als zehn Prozent gestiegen. Auch Mietpreise liegen bis zu 30 Prozent höher - und zwar nicht nur bei Rheinlage und Domblick.

Quelle: RP
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