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Leverkusen
Pantomime begeistert mit Kreuzweg

Leverkusen: Pantomime begeistert mit Kreuzweg
Der Pantomime Milan Sladek in einer Szene aus seiner Interpretation des Kreuzweges Jesu Christi. FOTO: Jürgen Moll
Leverkusen. Milan Sladek spielte inn der Wiesdorfer Christuskirche alle Stationen des Kreuzweges und alle Protagonisten. Von Monika Klein

Sobald er die Bühne betritt, das große Licht ausgeht und die Beleuchtung ganz auf den Mimen konzentriert ist, scheint die Welt drumherum ausgeblendet. Mit gezielten Bewegungen schlingt Milan Sladek den langen weißen Umhang um sich, verwandelt sich dabei in den römischen Statthalter Pilatus, der sich windet und sträubt, das Todesurteil über Jesus von Nazareth zu sprechen. Der sich aber letztlich dem Willen der Menge beugt und den Daumen nach unten zeigt, sich anschließend aber die Hände in Unschuld wäscht. Es ist eine von 14 Kreuzwegstationen, die der legendäre Pantomime sicher in Szene setzt.

Seine Kunst ist international, denn sie kennt keine Sprachbarrieren. In mehr als 50 Ländern ist er in seiner langen Karriere bereits aufgetreten. Nun war er in der Wiesdorfer Christuskirche zu Gast, wo derzeit eine Auswahl seiner Bilder und Skulpturen ausgestellt sind. Denn Sladek ist nicht nur Pantomime. Er ist auch Maler, Graphiker, Maskenbildner und Autor. Inmitten seiner eigenen Bildenden Kunst präsentierte er nun seine bewegten Bilder zu den 14 Kreuzwegstationen Jesu. In einer evangelischen Kirche, wie dieser, sind sie nicht so präsent, wie in katholischen Gotteshäusern, in denen eine entsprechende Bildfolge zur Grundausstattung gehört. Aber vor jeder einzelnen Station hörten die Besucher kurze erklärende Texte. Zusätzlich zu den biblischen Worten, die den einzelnen Passions-Bildern zugeordnet sind, gab es auch kurze Erklärungen über deren Bedeutung.

Abgewandt und konzentriert wartete Milan Sladek währenddessen auf den Scheinwerfer und den Einsatz der Orgelmusik von Marcel Durpré. Wolfgang Abendroth, Kantor an der Johanniskirche Düsseldorf, begleitete Sladeks Kreuzweg-Pantomime nicht zum ersten Mal. 90 Minuten ohne Pause hielt die Spannung. Eine enorme körperliche Leistung für den 77-jährigen Pantomimen, der keine Spur des Nachlassens zeigte.

Kurz wird er zum höhnisch lachenden Soldaten. Gesichtsausdruck und Haltung, in der er einen Augenblick verharrt, sind eindeutig. Als Maskerade dient ihm nur der lange weiße Umhang, aus dem er auf offener Bühne sein Kostüme bastelt: die römische Toga, einen Zipfel dient als Handtuch für Pilatus oder wird über den Kopf geschlungen. In der Station der Grablegung wiederholte Sladek zu Duprés Musik die ganze Kreuzweggeschichte in kurzen Ausschnitten. Dann entfernte er sich von der Bühne, um den Applaus hinauszuzögern und die angespannte Stille noch ein wenig zu halten.

Quelle: RP
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