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Leverkusen
Superbass

Leverkusen: Superbass
Bass-Superstar Marcus Miller holte seine junge Kollegin zur gemeinsamen Zugabe auf die Bühne. FOTO: Krebs Andreas
Leverkusen. Jazz pur: Musikstart Marcus Miller und Bass-Talent Kinga Glyk waren bei "Superbass IV" schlicht grandios. Von Siegfried Grass

Marcus Miller, den 58-jährigen Bassisten, muss man nicht nach Leverkusen tragen. Er war schon häufiger bei den Jazztagen zu Gast, hatte schon fantastische Auftritte. In diesem Jahr legte er noch eine Schippe drauf. Und zwar eine große: ein grandioses Konzert mit den tiefen Gitarren-Riffs. Als er schon die Bühne verlassen hatte, forderte das Publikum noch eine Zugabe.

Und die hatte es in sich: Denn er bat eine junge Frau auf die Bühne des Terrassensaals im Forum. Die kam der Aufforderung gerne nach, hatte sie zuvor schon das Publikum bestens unterhalten. Kinga Glyk, 19-jährige Frontfrau einer Jazzband aus Polen, die ebenfalls die dicken Gitarrensaiten gekonnt zu bearbeiten weiß, lieferte sich mit dem Großmeister des Slappings ein Bass-Battle.

Es war eine halbe Stunde vor Mitternacht, bevor die Besucher tief beeindruckt die "Superbass IV" verließen. Sie hatten zuvor die "Bilderband" erlebt, eine Gruppe von Musikstudenten aus Mannheim, die im vergangenen Jahr den Nachwuchswettbewerb "Future Sounds" und damit einen Auftritt auf der Hauptbühne gewonnen hatte. Sie war gewissermaßen der noch ruhige Unterbau für die weiteren Höhepunkte des Abends.

Denn die junge Frau am Bass, hübsch, hochtalentiert, namens Kinga Glyk, hat das Medium Internet genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie wurde als "größte Jazz-Sensation auf allen sozialen Netzwerken europaweit" angekündigt. Aber jeder Jazz-Purist, der diese Musik in ihrer Originalität zu schätzen weiß, liebt Live-Konzerte. Neben der Atmosphäre von dunklen Kneipen sind es auch die größeren Konzerte, die Inspirationen des Augenblicks, die Jazz zum einmaligen Erlebnis werden lassen.

Inzwischen braucht Kinga Glyk die Netzwerke nicht mehr. Sie wird garantiert ihren Weg machen. Und damit alle Kritiker widerlegen, die meinen, dass Jazz nur etwas für ältere - reifere - Semester sei.

Marcus Miller hatte als letzter Protagonist schon alle Register seines Könnens gezogen, als er plötzlich mit ganz wenigen Tönen das Publikum noch einmal aufhorchen ließ und richtig neugierig machte. Das Intro des Popklassikers "Papa was a rolling stone", ein Song der Temptations aus den 1970er Jahren, wurde noch einmal kräftig von Miller und seinen Recken Alex Han, Brett Williams, Marquis Hill und Alex Bailey aufgemischt. Die ersten Basstöne dieses Pop-Stücks, nur fünf Töne, sind so genial, dass sie sich wie ein roter Faden im Hinterkopf des Zuhörers einbrannten. Millers Band ergänzte es mit einem tollen Sound, variierte das Grundmuster. Als Hörer empfand man es als Erlösung, wenn die Musiker zu den berühmten fünf Tönen zurückfanden. Einfach genial.

Der fünfte Abend des diesjährigen Festivals war damit ein weiterer Beleg, dass Jazz immer noch das Rückgrat der Leverkusener Jazztage bildet. Gott sei Dank.

Quelle: RP
 
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