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17-Jährige aus Leverkusen verletzt
Vater von Stalking-Opfer erhebt Vorwürfe gegen Polizei

17-Jährige aus Leverkusen verletzt: Vater von Stalking-Opfer erhebt Vorwürfe gegen Polizei
Eine Frau steht an einem Fenster. (Symbolbild) FOTO: dpa
Leverkusen. Eine 17-Jährige wird in Leverkusen offenbar seit Monaten von ihrem Ex-Freund gestalkt. Nun soll der 18-Jährige dem Mädchen die Nase gebrochen haben. Ihr Vater fühlt sich von der Polizei allein gelassen. Von Claudia Hauser

Lenas Eltern haben schon früh gemerkt, dass etwas nicht stimmt mit dem ersten Freund ihrer Tochter. "Sie hatte immer mal wieder Verletzungen", sagt ihr Vater im Gespräch mit unserer Redaktion. So kam Lena (Name geändert) einmal mit einer geschwollenen Lippe nach Hause. Ihren Eltern erzählte sie, sie habe sich an einem Glas gestoßen.

An einem Abend im April 2016 konnte die Familie aus Leverkusen den Verdacht schließlich nicht mehr beiseiteschieben, dass womöglich der Freund der 17-Jährigen für ihre Verletzungen verantwortlich ist. Lena selbst hatte das abgestritten.

"Mein Sohn kam ins Wohnzimmer und holte uns nach oben, wo unsere Tochter heulend und zitternd stand", berichtet der Vater. Ihr Gesicht sei angeschwollen gewesen, sie habe rote Striemen auf der Stirn gehabt. In ihrem Zimmer war ihr Freund, er soll sie geschlagen haben. "Lena hatte ihm gesagt, dass sie nicht mehr mit ihm zusammen sein will". Ihr Vater habe ihn rausgeworfen. "Das ging nur mit viel Tumult. Vor der Tür trat er mir vor den Augen meiner Söhne in den Bauch", sagt der Vater. Sein Name ist unserer Redaktion bekannt.

Der Ex-Freund durfte sich ihr nicht nähern

Der 52-Jährige fühlt sich von der Polizei allein gelassen und hat nun eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei Beamte eingereicht. Anlass ist ein Fall vom vergangenen Samstag, über den zuerst der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete. Lena sei mit Freunden vor einer Bar in Leverkusen-Opladen gewesen. "Ihr Ex-Freund tauchte auf, belästigte sie wieder", sagt ihr Vater. Sie habe ihm deutlich zu verstehen gegeben, er solle gehen. Zwei Streifenbeamte, die zufällig vorbeifuhren, hätten den 18-Jährigen zwar gebeten zu gehen, seien dann aber weitergefahren.

"20 Minuten später griff er unsere Tochter an und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht." Er soll auch noch auf Lena eingeprügelt haben, als sie schon am Boden lag. Das Mädchen wurde mit gebrochener Nase und einem Schädeltrauma ins Krankenhaus gebracht. Dass er ihr die Nase brechen werde, wenn sie sich von ihm trenne, hatte der 18-Jährige wohl schon im April vergangenen Jahres gesagt. Nun hat er seine Drohung offenbar wahr gemacht. 

Schon im vergangenen Jahr hatte Lenas Vater eine so genannte Gewaltschutzanordnung  gegen den damals noch Minderjährigen erwirkt, wie er sagt. Der Junge durfte sich seiner Ex-Freundin nicht mehr nähern. Es war die erste von drei gerichtlichen Maßnahmen, die der Vater nach seinen Angaben inzwischen erwirkt hat. Immer wieder habe der Junge Lena nachgestellt, sie mit Nachrichten terrorisiert, sie bedroht und misshandelt. Lena wechselte die Schule, ihr Ex-Freund tat es ihr nach, war wieder in ihrer Nähe.

Ermittlungen wegen Körperverletzung

Ein Sprecher der Kölner Polizei bestätigte auf Anfrage, dass eine Beschwerde gegen zwei Beamte vorliegt, die "strafrechtlich relevant sein könnte". Ermittlungen sollten nun zeigen, ob sie sich möglicherweise strafbar gemacht haben – etwa wegen unterlassener Hilfeleistung.

Gegen den Ex-Freund der Schülerin wird im aktuellen Fall wegen Körperverletzung ermittelt. Eine Sprecherin der Kölner Staatsanwaltschaft sagte außerdem, dass die Ermittlungen in einem weiteren Fall von Körperverletzung gegen den 18-Jährigen noch laufen: Wenige Tage nach dem Vorfall im Haus der Familie im April 2016 soll er sich mit Lena in deren Zimmer eingeschlossen haben. Ihre Eltern trommelten von außen gegen die Tür, bis er irgendwann öffnete, wie Lenas Vater sagt.

"Er hatte sie mit einem Feuerzeug am Arm verbrannt und ihr mehrere Schnitte im Gesicht mit einer Rasierklinge zugefügt." Lena hatte ihren Ex-Freund selbst ins Haus gelassen – die Beamten sollen der damals 16-Jährigen deshalb Vorwürfe gemacht haben. "Natürlich ist das eine Tatsache, die wir auch innerhalb der Familie klären mussten", sagt ihr Vater. Der Täter sei hingegen mit einer recht harmlosen Ansage weg geschickt worden.

Der 18-Jährige selbst wollte sich gegenüber unserer Redaktion nicht zu den Vorwürfen äußern. Das alles sei "einfach nur lächerlich", teilte er mit. 

Lena war am Mittwoch in der Klinik. So wie es aussieht, muss ihre Nase operiert werden, wenn die Schwellungen nachgelassen haben.

Ihr Ex-Freund soll vier Stunden nach der Tat am Wochenende auf Facebook gespostet haben: "Ihr lernt mich noch kennen!"