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Meerbusch
Auf den Teller statt in die Tonne

Meerbusch: Auf den Teller statt in die Tonne
Bio-Bauer Heinrich Hannen und Chris Schulte aus Neuss haben eine gemeinsame Mission - die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren. FOTO: A. Woitschützke
Meerbusch. In Neuss und Krefeld verteilen Lebensmittelretter bereits erfolgreich eigentlich für die Tonne bestimmte Esswaren. Das soll nun auch in Meerbusch gelingen, bislang gibt es hier aber zu wenige Mitstreiter. Von Marlen Kess und Benedikt Laubert

Sie schmecken gleich, duften gleich und sind auf demselben Acker gewachsen wie die Kartoffeln, die Kunden für über einen Euro pro Kilogramm im Laden gekauft haben. Doch die dampfenden Kartoffeln, die vor Chris Schulte auf dem Teller liegen, hat der Neusser Künstler gratis vom Kaarster Bauern und Ladenbesitzer Heinrich Hannen bekommen. Sie sind zu klein und haben nicht die Form, die sich viele Kunden wünschen. "Geschmacklich sind sie perfekt und gesundheitlich unbedenklich - sie lassen sich aber nicht verkaufen", sagt Schulte.

Mit dem Verein Foodsharing retten Schulte und seine Mitstreiter Kartoffeln, Äpfel, Tomaten, Joghurt, Käse und Brot vor der Mülltonne. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden einer WWF-Studie von 2015 zufolge jedes Jahr in Deutschland weggeworfen. Auch in Meerbusch gibt es immer mehr Menschen, die sich für die Lebensmittelrettung interessieren. Eine Kooperation mit Geschäftsleuten wie dem Bio-Bauern Hannen steht hier allerdings noch aus. Auch sogenannte Fair-Teiler, also Schränke und Kühlschränke, die jeder bestücken darf, gibt es - anders als in Neuss und Krefeld - bisher nicht.

Angelika Kempkens aus Bösinghoven mit geretteten Lebensmitteln. FOTO: UD

"Wir arbeiten daran", sagt Angelika Kempkens aus Bösinghoven, "bisher gibt es hier aber leider zu wenig Interesse von Privatpersonen und Unternehmen." Lebensmittelretter aus Meerbusch können sich beispielsweise in der Facebookgruppe für Krefeld und Meerbusch anmelden, in der aktuell rund 800 Menschen aktiv sind. Auch das Containern, bei dem man ungefragt Essbares aus dem Supermarktmüll entnimmt, ist im Privaten möglich. "Geplant ist aber, auch mit Geschäften in Meerbusch eine offizielle Zusammenarbeit einzugehen", berichtet Kempkens, "für die Inhaber entstehen ja keinerlei Risiken: Wir nehmen nur das mit, was ansonsten in den Müll wandern würde."

Für den Biobauern Heinrich Hannen ist die Vorstellung, so viele Lebensmittel wegzuwerfen, unerträglich. Je nach Witterung und Marktbedingungen muss er nämlich bis zu 50 Prozent seines Gemüses entweder ungeerntet lassen oder aussortieren. "Ironischerweise muss ich genau dann viel Gemüse aussortieren, wenn gerade eine Knappheit herrscht", sagt Hannen. Gibt es zum Beispiel kaum Tomaten, steigt der Preis. Und bei teuren Tomaten dulden Kunden wenig Exemplare, die optisch aus der Reihe fallen. Mittlerweile lohnt sich die Kooperation für ihn sogar finanziell: Viele Foodsharer kaufen beim Besuch in Hannens Hofladen auch regulär ein.

Außerdem unterstützten die Lebensmittelretter soziale Projekte. "Ich bringe einmal pro Woche Gemüse und Obst zu einer Krefelder Grundschule, um dort den Rohkostteller zu bestücken", erzählt Angelika Kempkens. "Eine Entwicklung wie in Krefeld, wo wir in kurzer Zeit ein großes Foodsharing-Netzwerk aufgebaut haben, wäre auch für Meerbusch wünschenswert." Wer gegen die Verschwendung kämpfen will, muss aber sowieso zuerst bei sich selbst anfangen: Vier von zehn Lebensmitteln werden in den eigenen vier Wänden entsorgt.

Quelle: RP
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