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Studium und Ausbildung im Neanderland (4)
Benimm und Etikette auf dem Studienplan

Studium und Ausbildung im Neanderland (4): Benimm und Etikette auf dem Studienplan
Leonie Rohn zupft ihrem Kommilitonen Marcel Kohns eine Haarlocke zurecht. Der ordentliche Business-Auftritt ist so wichtig wie Fachkompetenz. FOTO: Achim Blazy
Meerbusch. Die Marke ICH will im geschäftlichen Umgang selbstbewusst gepflegt werden. Doch nur mit guten Umgangsformen kann das gelingen Von Uwe Reimann

Der schlimmste Fauxpas? "Wenn man nicht Danke sagt und wenn mir jemand beim Gespräch nicht in die Augen schaut." Leonie Rohn ist da sehr empfindlich. Die 19-jährige International-Business-Studentin setzt auf gutes Benehmen. Sie weiß um die Bedeutung dieser Tugend, die im Geschäftsalltag mindestens so wichtig ist wie Kompetenz und Leistung. Zu einer Führungskraft gehöre eben auch das Wie und Warum eines Herrn Knigge. Der Benimm-Papst steht Pate für die Seminare, die die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Mettmann ihren Studenten anbietet. Denn nur, wer einer Dame richtig in den Mantel helfen kann, wer die Visitenkarte mit beiden Händen übergibt und wer das Wort "Bitte" noch nicht aus seinem Sprachschatz verbannt hat, kann auf dem Business-Parkett punkten.

Das Leben besteht aus Regeln. Das wissen Leonie Rohn und Marcel Kohns. Vor allem sind diese Regeln im Geschäftsleben dafür da, Hierarchien zu beachten und seinem Gegenüber die nötige Wertschätzung zu zollen. "Es ist eine Art Rollenspiel, das alle beachten", sagt Kohns, der Mittelstandsmanagement studiert. Das heißt in der Garderobenfrage: Kleidung darf nie schöner als die des Vorgesetzten sein. "Natürlich ist es heute ein Unterschied, in welcher Branche man arbeitet", sagt Rohn. Die Werbewelt in einer Agentur sei sicherlich heute unkonventioneller als in einem altehrwürdigem Bankhaus.

Bei einem Benimm-Seminar lernten junge FHDW-Studenten alle Regeln am gedeckten Tisch. FOTO: FHDW

Doch abseits von modischen Trends oder kulturellen Unterschieden in verschiedenen Ländern bleiben elementare Dinge immer gültig: Grüßen und Begrüßen, Duzen und Siezen, Tischmanieren und "Wie liegen Messer, Gabel und Löffel ums Gedeck?" "Die Grundregeln und viele Feinheiten haben wir in einem Business-Seminar gelernt", sagt Rohn. Viele Benimmregeln habe er zwar bereits gekannt, doch die Feinheiten machten den Meister, sagt Kohns.

Feinheiten seien eben das A und O des Umgangs. Wer die Damen bei einem Geschäftsessen korrekt, in der richtigen Reihenfolge und mit der angemessenen Formulierung zu begrüßen weiß, sei den entscheidenden Schritt weiter, weiß er. Es gilt: Immer erst Vorgesetzte und deren Partner begrüßen, bevor man sich den "gleichrangigen" Kollegen oder Freunden widmet.

Auch wenn die Marke ICH auf dem Karriereweg gepflegt werden muss und Selbstbewusstsein unverzichtbar ist, gehe dies nur mit Stil, sagt Rohn. Diese Balance gelte es zu schaffen: ein Ich mit Stil. Rohn und Kohns gehen diesen Weg in der Hoffnung, nie zu versagen. Was will man unbedingt vermeiden? "Ich mag kein lasches Händegeben", sagt Kohns. "Ich merke mir manchmal nicht die Namen meiner Gesprächspartner. Das ist dann unangenehm. Das verbessere ich aber kontinuierlich", sagt Rohn. Benehmen ist nun mal ein glattes Parkett.

Quelle: RP
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