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Meerbusch
Hilfe für suchtkranke Meerbuscher

Meerbusch: Hilfe für suchtkranke Meerbuscher
Norbert Bläsing und Susanne Rückheim bieten suchtkranken Meerbuschern ein neues Beratungsprogramm an. FOTO: Andreas woitschützke
Meerbusch. Egal, ob Heroin- oder medikamentenabhängig: Die Drogenberatung Neuss bietet speziell für Meerbuscher Süchtige ein neues Programm an. Ziel ist dabei nicht, zwingend abstinent zu leben. Von Anke Kronemeyer

Bis zu zwölf Teilnehmer können mitmachen - egal, wie alt sie sind, egal, was sie konsumieren: Die Drogenberatung Neuss bietet ab Montag, 11. April, in der Oase in Büderich ein ganz besonderes Angebot an. Titel des Programms: KISS. Heißt: Kompetenz in selbstbestimmtem Substanzkonsum. Wer sich in diesem Projekt beraten lässt, kann selbst entscheiden, ob er weiter Alkohol trinkt, Heroin spritzt oder Medikamente nimmt. "Natürlich entscheiden sich viele im Programm dann doch, abstinent zu leben, das ist aber nicht unser Ansatz", erklären Norbert Bläsing und Susanne Rückheim. Beide stellten das Programm und das neue Angebot den Politikern im Sozialausschuss vor.

Die Stadt Meerbusch wollte ein spezielles Angebot für Suchtkranke aus Meerbusch statt der bisherigen Sprechzeiten. Die seien nicht wirklich gut angenommen worden. Die Kommunen im Kreis Neuss finanzieren über ihre Kreisumlagen die Leistungen der Drogenberatung und haben darum Anspruch auch auf gezielte Hilfe in ihrem Ort.

Im vergangenen Jahr ließen sich 34 Meerbuscher in Sachen Sucht beraten. Darunter waren zum Beispiel 15 Heroin- und zwei Kokainkonsumenten. Die Drogenberater führten außerdem 40 Familiengespräche und redeten mit 36 Jugendlichen.

Das neue Angebot ist für alle Suchtkranke offen. Das können 18-Jährige sein, die Cannabis rauchen genauso wie 65-Jährige, die süchtig nach Medikamenten oder Alkohol sind. "Gerade eine solche gemischte Gruppe bringt den Teilnehmern untereinander viel", weiß Susanne Rückheim, die die Gruppe auch leiten wird. Die Teilnehmer kommen jeweils von 15.30 bis 18 Uhr zusammen, treffen sich zehn Wochen lang. Der Kursus ist kostenfrei. Bläsing: "Zielgruppe sind die Konsumenten, die sich Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll ist, was sie tun, die sich fragen, ob sie schon abhängig sind, die sich vielleicht kontrollieren wollen." Sie dürften dann selbst entscheiden, ob, wann und was sie konsumieren. "Es geht ja um Selbstbestimmung", so Rückheim. Das Kiss-Programm läuft bereits in vielen anderen Städten und habe ähnliche Abstinenzquoten wie reine Abstinenzprogramme, berichten die beiden Berater aus ihrer Kenntnis.

Die Teilnehmer sollten auf jeden Fall über 18 Jahre alt sein und bestimmte kognitive Leistungen erbringen. "Das Programm ist schon herausfordernd", so Rückheim. "Wir verlangen, dass unsere Teilnehmer reflektieren, was sie getan haben, sie müssen zuhören und verstehen können und sollten die zweieinhalb Stunden auch aushalten können - ohne etwas zu konsumieren. Die Veranstaltung selbst ist drogenfrei."

In anderen Fällen haben Bläsing und Rückheim erlebt, dass sich die zunächst heterogene Gruppe nach der Kurszeit als Selbsthilfegruppe weiter trifft. "Das würden wir auf jeden Fall unterstützen."

Quelle: RP
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